Great Barrier Reef

Mai 1997 und Dezember 1999

Das Great Barrier Reef vor der Nordostküste Australiens ist mit über 2000 km Länge das größte Korallenriff der Welt. Es besteht aus vielen einzelnen Riffen und reicht von der Torres Strait (südlich Papua Neuguinea) im Norden bis Bundaberg im Süden. Der Zugang zum Riff ist im Norden jedoch leichter, da es hier deutlich näher an der Küste liegt. Beliebte Zugangspunkte sind Cairns, Townsville und Airlie Beach.

Mein Tauchabenteuer startete im Mai 1997 mit einem Tauchkurs in Cairns, zu dem auch neun Tauchgänge am Norman Reef gehörten. Meine Begeisterung von damals lässt sich eigentlich kaum in Worte fassen. Das Riff war in einem Top-Zustand, brillante Farben, viele, viele bunte Fische, wohin man nur schaute, pulsierendes Leben um einen herum. Großfische gab es zwar nicht zu bestaunen, 90% des Lebens am Riff ist nicht größer als ein paar Zentimeter. Das ist aber egal, als Neuling bestaunt man einfach alles, alles ist neu und kann einen begeistern. Von fantastischen Hart- und Weichkorallen, Schwämmen, die mindestens genauso bunt wie die Korallen waren, über Riesenmuscheln, Weißspitzenriffhaie, Schildkröten, Oktopusse, kleinere Rochen, Seeaale, Clownfische, die sich in Seeanemonen tummelten, Napoleonfische, Flötenfische, bis hin zu den tausenden verschiedener Arten kleiner Fische, gab es soviel zu sehen, dass man gar nicht wußte, wohin man schauen sollte.

Und seitdem?

Im Dezember 1999 habe ich zum zweiten Mal das Great Barrier Reef besucht und dieselben Plätze betaucht wie zweieinhalb Jahre zuvor. Um es kurz zu machen, ich habe sie nicht wiedererkannt. Was in dieser kurzen Zeit mit dem Riff passiert ist, hat meine Befürchtungen weit übertroffen, ich habe das Riff in einem erschreckenden Zustand angetroffen. Von farbenfroh kann keine Rede mehr sein, die Korallenbleiche hat unübersehbare Spuren hinterlassen. Auch sind ganze Flächen von Korallen nicht nur ausgebleicht, sondern auch physikalisch zerstört. Von Fischreichtum und "pulsierendem Leben" keine Spur mehr.

Die Ursachen hierfür sind vielfältig und bekannt. Für die Korallenbleiche ist im wesentlichen der Treibhauseffekt und die damit verbundene Erwärmung des Wassers sowie sein erhöhter Kohlendioxidgehalt verantwortlich. Weiterer Gefahr sind die Korallen durch den Dornenkronen-Seestern ausgesetzt, der sich aufgrund der Überdüngung der Meere an Teilen des Riffs explosionsartig vermehrt hat und ganze Korallenteppiche abweidet. Letztendlich tragen sicher auch unvorsichtige Taucher und Schnorchler, sowie die sich verschlechternde Wasserqualität zur Zerstörung des Riffs bei. Alles in allem ist also (natürlich) mal wieder der Mensch die Wurzel allen Übels. Verschiedene Studien kommen zu dem Schluß, das bei einer in gleichem Maße wie heute fortschreitenden Umweltverschmutzung in 30-100 Jahren alle Korallenriffe der Welt zerstört sein werden.

Also das Great Barrier Reef nicht mehr betauchen? Schwer zu sagen, ich denke, es kommt darauf an, was man erwartet zu sehen und vor allem, was man schon gesehen hat. Ich kenne das Riff halt noch aus dem Jahr 1997 und vergleiche seinen heutigen Zustand mit dem von damals. Deshalb bin ich so entsetzt über das, was dort passiert ist. Ich habe aber auch Leute kennengelernt, die erst kürzlich dort zum ersten Mal getaucht sind oder sogar ihren Kurs dort gemacht haben. Sie waren genauso begeistert, wie ich im Jahr '97. Sicherlich haben auch einige Teile des Riffs mehr gelitten als andere, ich habe nur das Norman Reef und das Saxon Reef kennengelernt.

Abschließend noch ein paar Links zu Tauchcentern und Trips für die, die sich selbst ein Bild machen wollen.

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