Karibikküste Costa Ricas

Costa Rica – Rochen und Seepferdchen

Dezember 2005

Im Dezember 2005 jette ich für einen dreiwöchigen Urlaub zum ersten Mal Richtung Lateinamerika, wovon ich 10 Tage fürs Tauchen reserviere und die restliche Zeit zum Land angucken. Die Wahl fiel nach Empfehlung eines Freundes auf Costa Rica. Die Anreise dorthin gestaltet sich relativ beschwerlich. Der Condor-Flieger hat erstmal 2 1/2 Stunden Verspätung, fliegt aber zum Glück über Havana, so dass einem die unmöglichen Abfertigungszeiten selbst für Transitpassagiere an amerikanischen Flughäfen erspart bleiben. Nach insgesamt 14 Stunden Flug lande ich abends in San Jose, wo ich erstmal übernachten muss. Dann geht's am nächsten Morgen per Bus nochmal 6-7 Stunden weiter zu meinem ersten Reiseziel:

Playa Flamingo

Der Ort Playa Flamingo liegt im Norden des Landes auf der Nicoya-Halbinsel an der Pazifikküste. Im Lonely Planet wird der Ort als das "Acapulco Costa Ricas" bezeichnet, aber davon ist es zum Glück noch weit entfernt. Im wesentlichen handelt es sich um eine Ansammlung von ein paar Hotels, Resorts und Ferienhäusern reicher US-Amerikaner. Die Einheimischen leben eher in den Orten drumrum, im wesentlichen Potrero und Brasilito. Die Tauchbasis selbst liegt nicht im Ort, sondern an der "Straße" von Brasilito nach Playa Flamingo.

Als ich nach brutto 41 Stunden Anreise aus dem Bus hüpfe, werde ich von Harald und Barbara vom Costa Rica Diving-Center (und den dort ansässigen 10 Hunden, 31 Katzen, 2 Papageien, 1 Tukan, 3 Nasenbären und 2 Brüllaffen-Familien) schon erwartet. Der Aufenthalt auf der Basis gestaltet sich sehr angenehm, wenn man einigermaßen tierlieb ist. Tiere machen nun mal etwas Radau, man sollte sich darauf einstellen, dass um 5.30 Uhr die Nacht vorbei ist, woran man sich aber recht schnell gewöhnt, da es dann sowieso schon so heiß wird, dass man nicht mehr schlafen kann. Auf der Basis gibt es 4 astreine Cabinas mit eigener Dusche und Klo, in denen man zum Preis von 20 US$ inkl. üppigem Frühstück nächtigen kann. Für mein 20er Tauchpaket habe ich 450 US$ bezahlt, humane Preise also. Nach dem Frühstück um 7 Uhr startet man um 7.30 Uhr mit dem Boot Richtung Catalina Islands, wo man nach 30 min Fahrt einen der 20 Tauchplätze erreicht. Was es dort zu sehen gibt, ist sicherlich saisonabhängig, ich habe mir mit Absicht den Dezember ausgesucht, weil dann zum einen die Regenzeit in Costa Rica gerade vorbei ist und zum anderen die Planktonzeit an der Pazifikküste beginnt. Und Planktonzeit heißt Großfischzeit, wobei ich wahrscheinlich noch einen Tick zu früh da war und der Januar oder Februar die beste Wahl gewesen wäre. Wer hierher kommt, um Korallen zu sehen, hat sich bei der Auswahl des Reiseziels vertan, unter Wasser sieht es hier so aus, wie auf Lanzarote über Wasser - steinig. Auch die Sichtweiten sind alles andere als gigantisch, was aber eben gerade durch das Großfische anlockende Plankton verursacht wird: 3 - 15 m hatten wir, bei etwa 10 m im Mittel.

Mein Costa Ricensisches Tauchvergnügen startet am Platz Los Sombreros North. Die Sombreros sind zwei große Felsen, bei denen es mir auch unter Aufbietung aller mir zur Verfügung stehenden Fantasie schwer fällt, an ihnen etwas hutähnliches zu entdecken. Ist aber auch Wurst, unter Wasser entdecken wir gleich ein Tierchen der größeren Sorte: ein dicker Diamant-Stechrochen liegt im Sand, eine Rochenart, die durchaus an die 2 m Durchmesser erreichen kann. Was sofort auffällt, sind die unzähligen Kugel- und Igelfische, die hier tonnenweise rumschwimmen. Das gilt für alle Plätze um die Catalinas. In einigen Löchern hausen Zebramuränen, eine Art, die ich bisher noch nicht gesehen hatte, und mir deshalb kein Gähnen entlockt, wie es Muränen normalerweise tun. Eine Grüne Schildkröte rundet diesen Eingewöhnungs­tauchgang ab und läßt schon viel Gutes erahnen. Für den 2. Tauchgang fahren wir zu Four Rocks. Hierbei handelt es sich um vier Unterwasserfelsen, die im Abstand von ca. 50 m zueinander die Oberfläche durchbrechen. Unter Wasser hat es einige canyonartige Kanäle. Als ich nach 3 min Tauchzeit in einem dieser Kanäle nach oben blicke, traue ich meinen Augen nicht: 3 Gepunktete Adlerrochen fliegen im Formationsflug an uns vorbei. Ein paar Minuten später tauchen 4 Mobulas auf, grüßen kurz und verschwinden dann im trüben Grünwasser. Auch ansonsten glänzen die Four Rocks mit enormem Fischreichtum, ständig wuselt irgendetwas um einen herum, so dass es ein klasse 1. Tag wird.

Tag 2 beginnt mit einem Tauchgang am Dirty Rock. Dort liegen Massen von Rundrochen und nicht minder viele Zitterrochen herum. Letztere verteilen als Abwehrmechanismus Stromschläge an potenzielle Aggressoren. Beide Arten kann man auf fast jedem Tauchgang um die Catalinas sehen. Auch zwei Igelfischarten gibt es hier zuhauf, den Gepunkteten Igelfisch sowie den Braunflecken-Igelfisch. In jedem 3. Loch hockt eine Kastanienmuräne. Zum 2. Tauchgang heute fahren wir zum Elephant Rock, einem Felsen, der tatsächlich bei niedrigem Wasserstand einem stehenden Elefanten gleicht - sofern man mit einer guten Portion Fantasie ausgestattet ist. In mein Logbuch notiere ich nach diesem Tauchgang nur ein Wort: "Fischsuppe".

Tauchtag Nummer 3 beginnt wieder an Los Sombreros North, wo wir eine Seltenheit entdecken: eine Nacktschnecke. Während der folgenden 8 Tage werde ich nur 3 weitere sehen. Naja, eigentlich bin ich ja auch wegen größerer Fischchen hier, die Hoffnung auf Mantas ist ungebrochen. Nach einstündiger Oberflächenpause geht es anschließend zu Cup Cake, zu deutsch: Guglhupf. Hier sehe ich zum ersten Mal einen Perlhuhn-Kugelfisch. Dieser Kugelfisch kann im Laufe seines Lebens in zwei verschiedenen Farbvarianten daherkommen, in schwarz mit weißen Punkten und in knallgelb in seiner sog. "golden phase". Auf einer Seite des Guglhupfs fällt die Felswand fast senkrecht ins Meer ab und ist übersät mit kleinen weißen Weichkorallen. Es sieht aus, als hätte man die Wand mit Puderzucker bestreut, sehr hübsch.

An Tag Nummer 4 starten wir am Henrys Place, ein alleinstehender Unterwasserfelsen für fortgeschrittene Taucher, denn hier kann die Strömung schon mal kacheln. Was uns nach dem Sprung ins Wasser erwartet, geht als einer meiner Top 10 Dives ever in mein Logbuch ein. Positiv überrascht mich schon mal die Sicht, 15 m dürften es sein, während wir die Vortage nur um die 10 m hatten. Sofort nach dem Abtauchen entdecke ich schräg über uns einen Adlerrochen. Ich folge seiner Schwimmrichtung und entdecke einen zweiten, dann einen dritten, nein halt - der dritte ist ein Mobula. Was ist das? Ein zweiter Mobula und noch 40 seiner Kumpane! Das ganze Wasser über uns ist voll mit Mobulas, die uns auch noch auf unserem Weg um den Felsen begleiten. 10 Minuten schwimmen wir unter ihnen her, bis sie im Grün verschwinden. Dafür liegt dann direkt ein fetter Amerikaner vor uns im Sand und lässt sich seelenruhig ablichten — die Rede ist natürlich von dem Rochen, auch wenn diese Aussage in Kalifornien durchaus auch auf Menschen anwendbar wäre. Wir schwimmen weiter, ich schaue nochmal kurz hoch und - was ist das? Die Mobulas kommen zurück! Ich steige ein wenig höher und wie ein riesiger Vorhang teilt sich der Rochenschwarm in zwei Hälften und schwimmt rechts und links an mir vorbei, wendet - und begleitet uns weitere 10 min unseres Weges, bis er endgültig verschwindet. Dafür taucht dann ein mächtiger Makrelenschwarm auf und wir sehen noch vier frei herumschwimmende Muränen, was mich sowieso an den Catalinas sehr erstaunt hat. Die Muränen schwimmen hier oft auch tagsüber frei durchs Wasser, was ich vorher nur ganz selten gesehen habe, denn meistens verkriechen sie sich tagsüber in ihrem Loch und kommen erst nachts raus. Der Tauchgang wird abgerundet von jeder Menge Rund- und Zitterrochen. Fünf Rochenarten während eines Tauchgangs sehen wir somit. Als wir wieder an der Oberfläche sind, haben wir drei Rochenflüsterer ein breites Grinsen auf dem Gesicht und ich bin nur noch zu einem "Wie geil war das denn?" fähig.

Nach so einem Einstand kann es ja keine Steigerung mehr geben, deswegen fahren wir zum Platz "Bueno o malo", zu deutsch "Gut oder schlecht", was auszudrücken soll, dass man hier entweder einen super oder einen super beschissenen Tauchgang haben kann. Wir haben einen super Tauchgang. Als wir den Boden erreichen, spotte ich über dem Sandboden eine Schule von 10 Kuhnasenrochen, womit die 6. Rochenart heute den "Ray Day" komplettiert. Die Rochen bewegen sich immer in kurzen Schüben vorwärts, lassen sich im Sand nieder, verharren dort für ein paar Sekunden, um dann wieder dicht über dem Boden ein paar Meter zurückzulegen, bis sie sich wieder auf dem Sand niederlassen. 10 min geht das Spiel so, bevor sie sich kollektiv im steilen Aufwärtsflug Richtung Wasseroberfläche verabschieden. Es ist das erste Mal überhaupt, dass ich Kuhnasenrochen sehe und wird für meinen Aufenthalt in Costa Rica auch das einzige Mal bleiben. Nachdem sich die Rochen verabschiedet haben, vergnügen wir uns noch mit einer Kröte, einer Languste und einem kleinen Makrelenschwarm, der irgendwie Gefallen an uns gefunden hat und permanent hinter uns her und um unsere Köpfe herum schwimmt. Dann erscheinen noch ein paar einzelne Mobulas auf der Bildfläche, die über unseren Köpfen kreisen. Wenn ich eins an diesem Tag gelernt habe, dann dies: An den Catalinas ist es ganz wichtig, nach oben zu schauen, um ein paar der Highlights zu sehen. Wenn man den Blick immer nur, wie normalerweise üblich, nach schräg unten wendet, verpasst man ziemlich viel. Harald erzählt uns, dass er normalerweise wie ein Korkenzieher hier taucht, mit ständiger Drehung um die Längsachse. Das ist mir dann doch zu anstrengend.

In freudiger Erwartung nach den Höhepunkten vom Vortag geht es am nächsten Tag zu Catalina Grande, einem Platz, an dem mein Schweizer Buddy, der vor Jahren schon mal hier war, immer Mantas gesehen hat. Ein wenig hoffe ich ja schon drauf, nach den Tauchgängen von gestern wäre das die Krönung. Meine Hoffnung wird aber enttäuscht, der Tauchgang als solches enttäuscht aber nicht. Es kachelt ganz mächtig, wir haben eine so starke Strömung, dass wir uns dicht über dem Boden mit den Armen an den Felsen vorwärts ziehen müssen, dabei natürlich immer darauf achtend, nicht einen der zahlreich auftretenden Skorpionsfische mit einem Felsen zu verwechseln. Einige strömungsverliebte Amerikanische Stechrochen lassen sich dann auch sehen und fliegen um uns herum, mächtige Teile, die größten, die ich an den Catalinas gesehen habe. Dazu kommt noch ein Gepunkteter Adlerrochen, der uns kurz seine Aufwartung macht. Leider ist die Sicht heute ziemlich schlecht, so dass sie nicht so gut zu erkennen sind, wie gestern. Das bleibt auch am Elephant Rock so, wo wir heute unseren 2. Tauchgang machen, 5 m hat es maximal.

Tag Nummer 6 startet mit Los Sombreros South, dem 2. Tauchplatz an den nicht zu erkennenden Hüten. Es hat heute ziemlichen Wellengang, den zwei Neugästen, die heute ihren ersten Tauchgang im Pazifik machen wollen, geht es nicht wirklich gut und sie füttern ordentlich die Fische, was Harald dazu veranlasst, Tauchgang 2 an einem geschützteren Platz durchzuführen: Isla Plata. Hier geht die Sicht so eher gegen 3 m, aber das Wasser ist relativ ruhig. Richtige Höhepunkte hat es nicht, ein Gefleckter Schlangenaal fällt mir auf und ein , der uns permanent attackiert, was mich glauben lässt, dass es sich eigentlich um einen verkleideten Drückerfisch handelt.

Tag Nummer 7 startet mit einem Super-Tauchgang am Dirty Rock. Super nicht wegen der Großfische, sondern weil man endlich wieder was sieht bei 15 m Sicht und die Fische nur so um einen herumwuseln. Insbesondere die Westseite des Felsens mit seinem steilen Dropoff ist toll anzusehen. Dafür ist das Wasser heute schweinekalt, nachdem wir sonst immer um 24 Grad hatten, hat es heute 19 in 30 m Tiefe. Brr, das ist mir etwas frisch in meinen 3 mm und ich kann mich nur wundern, dass es mein Schweizer Buddy in seinem Shorty überhaupt aushält. Wenn's denn hart macht... Tauchgang 2 an Cup Cake hält heute noch einen Oktopus für uns parat, den einzigen, den ich während meiner 11 Tage Catalinas sehe.

An Tag 8 starten wir an Los Sombreros North - ohne besondere Vorkommnisse - und schwenken dann rüber zu Four Rocks. Gerade als wir den Tauchplatz erreichen, schreit Harald von seinem Kapitänsstand: "Manta rechts neben dem Boot". Und tatsächlich, direkt neben dem Boot sonnt sich an der Wasseroberfläche ein kleiner Manta, wobei "klein" natürlich relativ ist. 3 m Spannweite find ich schon groß, ist aber für Mantas doch eher Understatement, wenn man bedenkt, dass sie 7 m erreichen können. Ich bin natürlich Feuer und Flamme auf den Tauchgang und beschließe, diesen rückenschwimmend durchzuführen, denn Harald meint, er hat noch nie einen Manta hier unterhalb von 15 m Wassertiefe gesehen. Immer schön nach oben gucken also. Was ich dann auch tue, aber leider lässt sich der Großrochen nicht mehr blicken. Bugger! Zumindest weiß ich jetzt, dass sie da sind, die Chance sie zu sehen, besteht.

Im Vordergrund "Elephant Rock", im Hintergrund "Four Rocks". Tag Nummer 9 startet an Elephant Rock und endet am Cup Cake. Wieder kein Manta, doch dafür habe ich am Guglhupf plötzlich einen Gepunkteten Adlerrochen ganz nah, vielleicht 2 m entfernt, schräg unterhalb von mir schwimmen. Es ist das erste Mal, dass ich seine Musterung so richtig schön von oben betrachten kann, bisher habe ich sie fast nur schräg von unten oder aus großer Entfernung gesehen. Das macht schon wieder gute Laune für den morgigen letzten Tag und meine letzte Chance, doch noch Mantas zu sehen.

Eine der beiden "Flamingo Islands", im Hintergrund rechts die "Bremer Stadtmusikanten" Mein letzter geplanter Tauchtag beginnt mit einer Enttäuschung. Es hat starken Wellengang und da Harald verständlicherweise vermeiden möchte, dass sich seine Gäste wieder die Seele aus dem Leib kotzen, beschließt er, zu zwei küstennahen, geschützten Plätzen zu fahren, an denen wir bisher noch nicht waren. Der erste Platz heißt Bremer Stadtmusikanten, vier direkt vor der Küste nebeneinander liegende Felsen, die wir einmal halb umrunden. Dabei bekommen wir im wesentlichen Kleinzeug zu sehen; Riffbarsche, Spinnenkrabben, kleine Krebse, Schnecken, Plattwürmer, Seesterne und ein paar merkwürdige Gebilde, von denen ich nicht weiß, ob es sich um Nacktschnecken handelt. Jedenfalls nichts, was größer ist als 20 cm. Dasselbe gilt für Platz Nummer 2, der auf den Namen Flamingo Islands hört. Dies sind zwei kleine Inseln, auf denen jetzt die Flamingos und Pelikane anfangen zu nisten. Unter Wasser sehen wir 53 min lang nur Kleinzeug. Mit der Nase wühle ich im Sand nach Krebsen und schaue in den wenigen Korallen nach Garnelen und Mini-Skorpionen, die sich dort verstecken. So fixiert auf Kleinzeug erschrecke ich regelrecht, als ich meine Nase aus einer Koralle nehme und plötzlich ein Gepunkteter Adlerrochen direkt vor mir vor meiner Nase ist. Nichtsdestotrotz bin ich ein klein wenig enttäuscht, dass die letzte Chance auf Mantas ohne Ergebnis geblieben ist.

Zurück auf der Basis fragt mich Harald, ob ich morgen nochmal mitkomme. Eigentlich wollte ich morgen mit dem Mietwagen Richtung Landesinnere. Nach kurzem Nachdenken sage ich, dass ich nochmal mitkomme, wenn wir an einen Platz fahren, wo es zumindest die Chance auf Mantas gibt. Wenn es wieder zu solchen Plätzen wie Bremer Stadtmusikanten geht, war's das für mich. Harald meint, der erste Tauchgang wird auf jeden Fall an so einem Platz sein, für den 2. muss er gucken, was das Wetter und seine Gäste machen, evtl. geht's dann wieder nach Isla Plata. "Also gut", denke ich, einen Versuch noch, vor drei Tagen, habe ich gesehen, dass sie hier sind.

Ein geselliger Delfin am Anfang des Tages hebt schon mal die Stimmung. Am nächsten Tag meint Harald schon am Strand zu mir: "Bereit? Wir gehen uns heute Mantas angucken!" und grinst mich vielsagend an. Bei der Ausfahrt begleiten uns ein paar Delfine, was die ohnehin gute Laune an Bord noch weiter steigert. Die Fahrt geht dann zu Los Sobreros North, was mich etwas überrascht, da ich wegen der Erzählungen meines Ex-Buddies, der seit vorgestern das Tauchen beendet hat, eher Catalina Grande erwartet hatte. Zu dritt springen wir ins Wasser, Guide Markus vorneweg, unsere heutige Neugästin direkt neben ihm und ich in zwei Meter Abstand mit Kamera hinterher. Wir sind noch keine 5 min unterwegs, als ich nebenbei nach rechts schaue - und den Atem anhalte. Unverkennbar kommt die riesige Silhouette eines Mantas auf mich zu! Das Teil hält genau auf mich zu, wunderbar kann ich ihn von vorne bewundern und er zieht ruhig genau über meinen Kopf drüberweg. Hätte ich den Arm ausgestreckt, hätte ich ihn berührt. Mit dem rechten Flügel streift der Kollege fast die Flossen meiner vor mir schwimmenden Buddies, aber die gucken nur stur nach vorne und schaffen es tatsächlich, den direkt hinter ihnen schwimmenden Manta nicht zu sehen! Ich bin ziemlich fassungslos und euphorisch gleichzeitig und blicke dem Richtung Wasseroberfläche abziehenden Riesenrochen nach. Manta-Alarm! Als ich endlich die Aufmerksamkeit meiner Buddies habe, zeige ich an, was ich gesehen habe. Von da an, ist nur noch Rückenschwimmen angesagt und tatsächlich sehen wir den Manta oder einen seiner Kollegen dann noch weitere 4x während des Tauchgangs, nice and close. Völlig enthusiastisch kommen wir zurück aufs Boot, das war's, alles andere ist egal. Der 2. Tauchgang an Four Rocks absolviere ich dann mit einem permanenten Dauergrinsen im Gesicht, was ich da noch sehe, spielt keine Rolle mehr. Und weil man aufhören soll, wenn es am schönsten ist, verabschiede ich mich dann auch aus Playa Flamingo nach 11 tollen Tauchtagen, um zu gucken, was Costa Rica wohl noch über Wasser so zu bieten hat.

Puerto Viejo

Per Mietwagen bewege ich mich ostwärts, wobei die lebensgefährlichen Schlaglochpisten Costa Ricas echt hinderlich sind. Selbst auf gut asphaltierten Straßen, von denen es vor allem um das Haupttouristenziel La Fortuna reichlich gibt, sind immer Löcher in der Straße, die Badewannen-Ausmaße erreichen und unvermittelt vor einem auftauchen. Offiziell fährt man in Costa Rica rechts, aber in Wirklichkeit fährt man Slalom um die Löcher drumrum. Das Überholen langsamer Fahrzeuge ist dadurch oft schon etwas heikel, Nachtfahrten sind pures Russisch Roulette, sollte man besser Abstand von nehmen. Neun Tage und einige getroffene Schlaglöcher später erreiche ich die Karibikküste und niste mich in Cahuita ein. Eigentlich hatte ich gar nicht mehr vor, nochmal tauchen zu gehen, aber da man in Cahuita ein neues Geschäftsmodell entwickelt Eine der vier Seepferdchenarten vor Puerto Viejo hat und Schnorcheln nur mit Guide zuläßt (der dann 20 US$ nur dafür kriegt, dass er neben mir herdümpelt), beschließe ich, mich nochmal in Neopren zu quetschen und springe in Puerto Viejo mit den Reef Runners nochmal ins Wasser. Was Besseres kann man am 1. Weihnachtsfeiertag eh nicht machen. Zwei Unterschiede zur Pazifikseite fallen sofort auf: Es ist etwas bunter durch einen Anflug von Korallen. Dafür hat es deutlich weniger Fisch. Wir machen zwei Tauchgänge jeweils an einer Wand entlang, die von 15 bis auf etwa 30 m Tiefe abfällt, und halten dabei Ausschau nach Seepferdchen. Vier verschiedene Arten gibt es an dieser Wand, von denen wir tatsächlich 3 ausmachen können. In den Löchern der Wand sitzen einige ganz fette Langusten, echte Brummer. Ansonsten sehen wir noch den üblichen Rifffischkram, Papageienfische, Kaiserfische, Skorpionsfische, etc. pp., alles allerdings in eher bescheidener Anzahl.

Fazit

Playa Flamingo hat was: Großfisch und eine angenehme Tauchbasis, wobei ich allerdings etwas überrascht war, dass ich während meiner 11 Tage nicht eine müde Haifischflosse gesehen habe, obwohl es eigentlich die richtige Jahreszeit ist. Auch Wale haben wir entgegen der Erfahrungen früherer Jahre keine gesehen. Dafür weiß Harald immer ein paar interessante Geschichtchen zu erzählen, wobei man sich manchmal fragt, wieviel davon ernst gemeint ist und wieviel nicht, das läßt sich seiner Mimik manchmal nicht so wirklich entnehmen. Die Karibikseite ist tauchtechnisch bei weitem nicht so gut erschlossen wie die Pazifikseite und wie ich feststellen konnte, hat das auch seinen Grund. Für einen Tag fand ich das Tauchen dort ganz nett und für Anfänger ist es sicherlich auch ein guter Platz zum Lernen. Aber 11 Tage hintereinander, wie in Playa Flamingo, würde ich dort mit Sicherheit nicht ins Wasser springen.

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