Dyer Island

Südafrika - Shark-Sondertour 2007

Juni/Juli 2007

Schon während meines knapp 4-monatigen Trips durch den südafrikanischen Sommer im Jahr 2005 wurde mir klar, dass ich an die Südspitze Afrikas nochmal im Winter zurückkommen musste, weil es dann hier die besten Tauchbedingungen geben soll. Die Entscheidung fiel dann relativ spontan, als ich auf das Angebot von Tauchertraum für eine Shark-Sondertour gestoßen bin: 3 Tage Käfigtauchen mit dem Großen Weißen mit nur einer Handvoll Leute auf dem Boot (nachdem mein letzter Käfigtauchversuch doch ziemlich fehlgeschlagen war), Schnorcheln mit Robben, Makos und Blauhaien oder Trip zu den springenden Weißen Haien in der False Bay, Tauchen mit Bullenhaien und Sandtigern an den Protea Banks und zum Abschluß noch Tigerhai-Tauchen an Aliwal Shoal. Und bei ganz, ganz viel Glück wär man vielleicht auch noch auf einen Sardinenschwarm getroffen und hätte den Sardine Run mal hautnah erlebt. Bei diesen Aussichten habe ich mich kurzentschlossen für den Trip angemeldet, auch wenn der Tauchanteil an der Reise verglichen mit meinen sonstigen Tauchurlauben von vorneherein doch recht überschaubar war.

Tag 1: FR, 15.06.

Mittags trifft sich die tauchende Traumtruppe in der Abflughalle des Frankfurter Flughafens. Michael und Xenia von Tauchertraum begleiten die Tour und kümmern sich um die Organisation vor Ort. Insgesamt umfasst unsere Gruppe 12 Personen, wovon ich eine Tauchnase bereits vor einem Jahr auf Layang Layang getroffen habe - die Welt ist ein Dorf. Pünktlich hebt der Jumbo von South African Airlines ab. Platzangebot, Service und Unterhaltungsangebot an Bord sind ok, wenn auch nicht so herausragend wie bei Malaysian Airlines oder Emirates.

Tag 2: SA, 16.06.

Um 5 Uhr morgens setzt der Flieger in Kapstadt auf. Nach abolvierter Passkontrolle, die wegen der kilometerlangen Schlange etwas zäh abläuft, holen wir unsere Mietwagen ab. Je zwei Teilnehmer teilen sich einen Wagen, so dass man seine reichlich vorhandene Freizeit sehr individuell und flexibel gestalten kann. Noch in der Dunkelheit verlassen wir Kapstadt gen Osten. Nach kurzem Stop in Hermanus, wo wir einen dringend benötigten Early Morning Coffee zu uns nehmen, erreichen wir De Kelders, einen Vorort von Gansbaai. Hier werden wir die erste Woche mit Käfigtauchen und Whale Watching verbringen. Unsere Unterkunft während dieser Zeit ist das gemütliche Anlo's Guesthouse. Insb. die bestens ausgestattete Bar, das reichliche Frühstück und die Tatsache, dass unser Badezimmer eine Badewanne hat, in der ich in der Folge einen Großteil der Indoor-Zeit verbringen werde, erzeugen bei mir spontan gute Urlaubslaune. Weniger gute Laune verbreitet der Wetterbericht für die nächsten Tage: es soll stürmisch werden, so dass es sehr fraglich ist, dass wir übermorgen wie geplant mit dem Käfigtauchen beginnen können. Noch ist aber das Wetter ruhig und lädt nach ausgiebiger Kaffeestunde zu einem Spaziergang an der Felsküste entlang ein. Einige Kormorane lungern auf den Klippen herum. Gut sind von hier die ersten südlichen Glattwale zu sehen, die im südafrikanischen Winter in die Bucht kommen, um sich zu paaren, zu kalben und ihre Jungen groß zu ziehen. Bis November werden sie bleiben, bevor sie zurück in die Südpolarregion wandern. Abends besucht uns Andre Hartmann, DIE Weißhai-Koryphäe Südafrikas und führt uns ein paar seiner beeindruckenden Videos vom Tauchen ohne Käfig mit Weißen Haien vor. Nichts, was ich unbedingt gemacht haben will. Außerdem ist es in Südafrika für Normalsterbliche eh verboten. Der Abend geht früh zu Ende, der lange Flug fordert seinen Tribut und der ein oder andere fällt todmüde ins Bett.

Tag 3: SO, 17.06.

Da heute noch freier Tag ist, nutze ich die Zeit und fahre mit dem Wagen zum ca. 80 km entfernten Kap Agulhas. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist dieses der südlichste Punkt Afrikas und nicht das Kap der Guten Hoffnung. Allerdings ist es landschaftlich auch nicht annähernd so spektakulär, weswegen sich nur ein Bruchteil der Touristen hierhin verirrt, die sich am Kap rumtreiben. Viele Wiesen und viel Farmland prägen die Szenerie, dazu eine seicht im Ozean verschwindende Küstenlinie, nicht zu vergleichen mit der schroffen und oft sturmumpeitschten Steilküste auf der Kap-Halbinsel. Nach dem obligatorischen Erinnerungsfoto an der Hinweistafel, die die Grenze zwischen Indischem und Atlantischem Ozean markiert, mache ich mich auf nach Arniston, eine halbe Autostunde nördlich. Bei strahlend blauem Himmel ist hier ein Spaziergang an der Küste entlang ein prima Zeitvertreib. Die Dünenlandschaft und die Steilküste sind atemberaubend. Bei Ebbe kann man auch eine große Höhle besichtigen, die die Brandung hier in Jahrmillionen langer Arbeit aus dem Fels geschlagen hat. Auf dem Rückweg nach De Kelders passiere ich die kleine Ortschaft Elim, ein kleines im Jahre 1824 von Missionaren gegründetes Dorf im absoluten Niemandsland gelegen. Beim Anblick der heruntergekommenen Häuser und der in Lumpen gekleideten Schwarzen, die mangels Arbeit gelangweilt auf der Straße die Zeit totschlagen, wird mir wieder einmal bewusst, welch unglaubliches Privileg es ist, wie ich in der Weltgeschichte herumreisen zu können. Viele der Menschen hier werden vermutlich niemals in ihrem Leben diese Gegend verlassen. Bevor ich allzu sehr ins Grübeln gerate, verlasse ich lieber diesen für mich deprimierenden Ort. Als ob Petrus meinen Gedanken noch etwas Nachdruck verleihen wollte, zieht sich kurz darauf der Himmel komplett zu, wo noch vor ein paar Minuten strahlender Sonnenschein war, ist jetzt eine dicke schwarze Gewitterfront heraufgezogen und verdunkelt den Himmel. Kurz darauf bricht der Sturm los. Bei Windstärke 12 und prasselndem Regen erreiche ich das Anlo's und bin ziemlich sicher, dass das morgen nichts gibt mit Käfigtauchen. Michael bestätigt die Vermutung, draußen an Dyer Island, wo das Käfigtauchen stattfinden soll, sind 9 m hohe Wellen angesagt. Vermutlich werden wir erst am Mittwoch rausfahren können. Dafür hält er eine andere Überraschung für uns parat: Er und Xenia haben am Morgen geheiratet. Zur Feier des Tages steht ein festliches Abendessen im Cafe on the rocks an, zu dem die versammelte Mannschaft eingeladen ist. So gibt es denn trotz der düsteren Tauchprognose noch einen sehr schönen Abend.

Tag 4: MO, 18.06.

Das Wetter hat sich zwar etwas beruhigt, aber an Aktivitäten auf dem Wasser ist trotzdem nicht zu denken. So schlage ich den Tag mit Essen, Lesen, Gammeln, Essen, Gammeln, Joggen, Gammeln, Essen und Bier trinken tot (in dieser Reihenfolge). Wir ertränken unseren Kummer wegen des schlechten Wetters mit ein paar köstlichen Rumpsteaks und Springboks im Cirus, einem prima Steakhouse in Gansbaai.

Tag 5: DI, 19.06.

Die Sonne lacht zwar wieder vom Himmel, der Sturm hat sich verzogen, aber immer noch hat es draußen 7 m hohe Wellen. Also ist weiterhin Warten auf besseres Wetter angesagt. Beim Frühstück erblicken wir ein paar Wale, die sich nur ein paar Meter von der Küste entfernt tummeln. Also wird schnell alles stehen und liegen gelassen und die 200 m runter zur Küste gespurtet, von wo aus wir die Südlichen Glattwale gut sehen können. Noch besser können wie sie aus der Luft sehen und chartern deshalb für den Nachmittag eine kleine Cessna für einen einstündigen Rundflug über die Küste. Der Spaß ist zum Spottpreis von 950 Rand zu haben, in Kapstadt kann man dafür gerade mal 15 min in der Luft bleiben. Nach einer kurzen Runde über Dyer Island und Geyser Rock, wo wir uns hoffentlich ab morgen in einen Käfig begeben werden, geht es über Danger Point, Kleinbaai und vorbei an Gansbaai die Küste rauf bis Hermanus. Die Sicht ist super, sogar das 100 km entfernte Kap der Guten Hoffnung können wir erkennen. Auf dem Weg erspähen wir ca. 2 Dutzend Wale, mal alleine, mal als Pärchen oder auch in kleineren Gruppen, sowie eine Rudel Delfine. Der Blick auf die weißen Schaumkronen, die die Wellen werfen, wenn sie sanft auf den Strand zulaufen, ist fantastisch. Die Stunde geht leider viel zu schnell rum und schon bald setzen wir wieder auf dem Heidehof Airfield, 15 min südlich von Gansbaai, auf. Sehr empfehlenswerter Ausflug.

Tag 6: MI, 20.06.

Endlich spielt das Wetter mit, die erste Gruppe fährt heute raus zum Käfigtauchen. Damit jeder genug Zeit hat, sich vom Käfig aus die Großen Weißen anzugucken, haben wir die Gruppe gesplittet, so dass jeweils nur 5 Käfigtaucher auf dem Boot sind. Gruppe 2, zu der ich auch gehöre, fährt heute erstmal raus zum Whalewatching, um sich die südlichen Glattwale aus der Nähe anzugucken. Lange müssen wir nicht fahren, bis wir auf eine Gruppe dieser Giganten treffen. Ausgewachsene Tiere können bis 18 m lang werden und bis zu 80 Tonnen wiegen. Bei diesen Werten fragt man sich, ob die 50 m Abstand, die die Boote zu den Tieren halten müssen, zum Schutz des Wals oder doch eher zum Schutz des Boots und seiner Insassen gedacht ist. Die Wale halten sich aber eh nicht an den geforderten Sicherheitsabstand, sie schwimmen auf die mit ausgeschaltetem Motor dahintreibenden Boote zu, um diese fremdartigen Wesen zu begutachten, die mit Kamera und Fernglas bewaffnet aufs Wasser starren. Fantastisch, wenn eine solche Gruppe sich direkt neben dem Boot im Wasser räkelt und der Chef der Truppe einen halben Meter unter'm Boot durchtaucht, um mal zu zeigen, wer hier der Boss ist.

Video: Südliche Glattwale [02:28 min]

Zum Abschluss des zweieinhalbstündigen Trips haben wir noch das Glück, in einiger Entfernung Wale springen zu sehen. Sie katapultieren sich aus dem Wasser, vollführen in der Luft eine halbe Schraube und lassen sich dann schwungvoll mit dem Rücken aufs Wasser klatschen. Einen Kilometer weit kann man dieses "Breaching" genannte Verhalten hören. Es gibt unterschiedliche Theorien, wofür das gut sein soll: reiner Spieltrieb, Entfernen von Hautparasiten, Betäuben von Fischen zwecks Nahrungsaufnahme oder eine Form der Kommunikation – sicher sind sich die Experten nicht.

Immer wieder fotogen präsentiert sich der Tafelberg von Kapstadts Waterfront aus. Der Kapstädter Tag neigt sich dem Ende.

Nach diesem prima Start in den Tag fahre ich nach Kapstadt zur Waterfront, um mich mit einer Freundin zu treffen, die seit Februar an diesem wunderschönen Fleckchen Erde arbeitet. Bei strahlendem Sonnenschein schmeckt der Kaffee besonders gut und bei lecker Seafood im Ocean Basket auf der Kloof Street geht der Tag schnell rum, bevor ich abends unter Missachtung aller Geschwindigkeitsbegrenzungen zurück nach Gansbaai heize.

Tag 7: DO, 21.06.

Zum Ende der ersten Woche ist es endlich soweit: Wir treffen uns frühmorgens im Hafen von Kleinbaai, um raus zu den Weißen zu fahren. Schön aufgereiht stehen die Boote der Touranbieter am Hafen herum, nach den paar Tagen Pause brauchen sie jetzt dringend etwas Wasser unter den Kiel. Mit White Shark Projects fahren wir raus zur Shark Alley. Dieser Kanal trennt Dyer Island von Geyser Rock. Die Weißen Haie patroullieren hier, um eine der anscheinend wohlschmeckenden Seelöwen zu erhaschen, die sich hier zu Tausenden an der und um die Insel tummeln. Ich frage mich, ob das auch die Möwen wissen, die hier sorglos auf der Wasseroberfläche plantschen. Es soll ja Haie geben, die auch eine Geflügelmahlzeit nicht verachten, aber die Weißen gehören wohl nicht dazu. Nach Ausbringen der Köder warten wir ca. eine halbe Stunde, bis sich der erste Weiße blicken lässt. Vorsichtig umkreist er den an der Boje befestigten Köder etliche Male, ohne ihn anzurühren. Sein Verhalten passt so überhaupt nicht zu dem Bild, welches die Öffentlichkeit von diesem Top-Räuber der Meere hat. Immer wieder schwimmt er ums Boot rum, nähert sich dem Köder, dreht wieder ab und dreht noch eine Runde ums Boot, um zu prüfen, ob ihm auch ja keine Gefahr droht. Erst nach Ewigkeiten versucht der Weiße, den Köder zu fressen, aber die Crew zieht den schmackhaften Brocken Fisch (fast) immer rechtzeitig weg. Nach einer Weile taucht ein zweiter Weißer auf und ich beschließe, in den Käfig zu gehen, der zwischenzeitlich zu Wasser gelassen wurde. Mit 9 mm Neopren am Leib, dicken Handschuhen und ca. 15 Kilo Blei bewaffnet, geht es ins 12 Grad kalte Wasser. Schnorchel- oder gar Tauchausrüstung braucht man nicht, lediglich die Maske zieht man sich über die Nase. Wie auf einer Leiter steht man dann auf den Querstreben des Käfigs und auf Kommando der Crew hält man die Luft an und lässt sich zum Grund des Käfigs sinken, an dem der Weiße auf Tuchfühlung vorbei schwimmt. Das ist auch gut so, denn die Sicht ist mit 4 m deutlich schlechter als für diese Jahreszeit üblich, wohl auch noch Folge des schlechten Wetters der Vortage. Drei Große Weiße haben wir schließlich gleichzeitig, so dass ich bald mehr unter als über Wasser bin. Ein fantastisches Erlebnis, kein Vergleich zu der Aktion von vor 2 Jahren: 25 Leute auf dem Boot und keine Möglichkeit, in den Käfig zu gehen. Nach über einer Stunde im Käfig brauche ich erstmal eine Aufwärmpause, bevor es zur 2. Runde geht. Nach 6 Stunden auf dem Wasser haben wir schließlich genug gesehen und treten den Rückweg zur Küste an. Ein genialer Tag beschließt somit unsere erste Woche auf der Suche nach den Haien.

Video: Käfigtauchen mit dem Großen Weißen [02:23 min]
  • Facebook