- Woche 1 Windhuk -> Okavango Delta Omatako, Kalahari und Botswana
- Woche 2 Okavango Delta -> Sesriem Caprivi, Fish River Canyon und Namib
- Woche 3 Sesriem -> Etosha Sossusvlei, Swakopmund und Etosha
- Woche 4 Etosha -> Kapstadt Waterberg, Windhuk und Kapstadt
- Woche 5 Kapstadt Ankommen am Kap
- Woche 6 Kapstadt Tafelberg, Kap-Halbinsel und Stadtleben
- Woche 7 Kapstadt -> Hermanus/Gansbaai Whale Coast und Haikäfig
- Woche 8 Hermanus -> Storms River Kleine Karoo und Garden Route
- Woche 9 Storms River -> Coffee Bay Eastern Cape und Wild Coast
- Woche 10 Coffee Bay -> Margate Wild Coast Richtung KwaZulu-Natal
- Woche 11 Margate -> Durban Umkomaas und Durban
- Woche 12 Durban -> Bushlands St. Lucia und Zululand
- Woche 13 Bushlands -> Sodwana Bay Hluhluwe-Umfolozi und Sodwana
- Woche 14 Sodwana Bay -> Swaziland -> Bushlands Swaziland und Nordostküste
- Woche 15 Bushlands -> Lesotho -> Kapstadt Sani Pass, Lesotho und Rückflug
Woche 7, 04.01. - 10.01.: Kapstadt → Hermanus / Gansbaai
Kapstadt
Mein letztes Tauchstündlein hat geschlagen - zumindest während meines Kapstadt-Aufenthaltes. Zum ersten Mal geht's heute mit dem Boot raus in die Hout Bay, wo wir das Boss-Wrack besichtigen. Am nächsten Tag dann die spannende Frage, ob mein neuer Pass fertig ist. Das Fräulein im Konsulat erklärt mir jedoch seelenruhig, der Pass sei noch nicht fertig, sie habe sich den 06.01. notiert (also morgen) und außerdem habe sie eh noch keine Antwort vom Einwohnermeldeamt in Köln. Fast ebenso seelenruhig erkläre ich ihr, wir hätten heute ausgemacht, ich hätte mich auf ihr Wort verlassen und jetzt schon meinen Abmarsch für morgen organisiert und zur Not rufe ich gleich selbst in Nippes an, da sollte jetzt morgens um 10 Uhr ja wohl jemand da sein. Keine 15 Minuten später halte ich meinen Pass in Händen, schien wohl doch nicht so ein Riesenproblem zu sein. Anschließend bezahle ich in der Tauchschule meine Rechnung, was unplanmäßigerweise den ganzen Tag in Anspruch nimmt, weil ich schon wieder zum Alkoholkonsum genötigt werde. Schon wieder voll - toll. Dann Verabschiedung von den Leuten im OVC und was wartet dort auf mich? Mein neues Handy, DHL hat tatsächlich nur 3 Wochen gebraucht, es auszuliefern, eine richtige Expresssendung. Zusätzlich warten natürlich noch weitere alkoholische Getränke auf mich, denn der Abschied aus Kapstadt muss mit einer zünftigen Tour durch die Bars und Clubs in der Long Street natürlich gebührend gewürdigt werden.
Am nächsten Morgen steht pünktlich um kurz nach 8 Uhr der Baz Bus
vor der Tür. Dies ist der einzige überregional operierende Backpacker Bus in Südafrika. Wie ich es schon aus Australien
und Neuseeland kenne, funktioniert das Ganze auf Hop-On-Hop-Off-Basis. Man kauft einen Pass für eine bestimmte Route und
kann dann diese Route oneway innerhalb eines bestimmten Zeitraums abfahren. Einfach in der Zentrale anrufen, wann man
von wo nach wo fahren will und schon sammelt einen der Bus im Hostel ein und setzt einen meist auch am gewünschten
Hostel ab. Ausnahmen bestätigen die Regel, wie ich später noch erfahren soll. Mit diesem System habe ich in Australien
sehr gute Erfahrungen gemacht und viel Spaß bei Oz Experience und
Kiwi Experience gehabt. Man erspart sich eine Menge
Schlepperei, weil man eben von Tür zu Tür gebracht wird. In Down Under lagen auf der Route schon diverse
Sehenswürdigkeiten, bei denen man für einen kleinen Spaziergang rausgesprungen ist. Der Fahrer war nicht nur Fahrer,
sondern gleichzeitig auch Tourguide und hat einem viel über die Flora und Fauna erzählen können. Außerdem konnte man
bei ihm direkt ein Bett für die Nacht buchen, er hat dann alles mit den Hostels arrangiert. Sehr bequem das Ganze. Mit
diesen Erfahrungen im Hintergrund habe ich mich entschlossen, es auch in Südafrika mal mit einem Backpacker Bus zu
versuchen. Dass bei Baz Bus der Hase etwas anders läuft, merke ich dann aber recht schnell. Der Fahrer ist nur Fahrer
und spricht während der Fahrt kein Wort. Exkursionen Fehlanzeige, der Bus fährt einfach nur von A nach B. Bett buchen?
Denkste. Genausogut kann man daher auch den Greyhound oder
Intercape nehmen, die oft sogar noch
billiger sind. Nur bringen die einen eben nicht direkt vor die Hostel-Tür, aber meistens lässt sich dann auch ein Shuttle
über das Hostel arrangieren. Wie auch immer, unsere Fahrt geht über Somerset West nach Botrivier, wo uns schon der
Shuttle nach Hermanus erwartet. Dort angekommen checken wir im
Hermanus Backpackers ein, einem sehr netten Hostel
mit gemütlichen Flegelecken, Bar, Swimming Pool und freiem Pool Billiard. Hermanus selbst ist ein ziemlich verschlafenes
Nest, in dem es nicht wirklich viel zu tun gibt. Wer will, kann über den "Cliff Path" kilometerlang an der zugegebenermaßen
sehr hübschen Küste entlang
spazieren. Der Strand ist allerdings ziemlich abgelegen, 2 Stunden benötigt man bei gemütlichem Tempo zu Fuß von der City
aus. Da mir das für heute zu anstrengend ist, chille ich den Rest des Tages ein wenig im Marine Pool, einem in die
Felsküste eingebettetes Salzwasserschwimmbecken.
Kapstadt → Hermanus
Mit Entsetzen wache ich am nächsten Morgen auf: Sturm und Regen. Mein Entsetzen steigert sich, als ich erfahre, dass das für heute angesetzte Käfigtauchen mit dem Großen Weißen wegen des Wetters abgesagt ist. Was mache ich also den ganzen Tag? Pool Billiard und Lesen im Hostel, mehr ist zu diesem Sch...tag nicht zu sagen.
Hermanus / Gansbaai
Am nächsten Morgen gibt es dann einigen Hickhack wegen der Frage, wer denn nun heute beim Käfigtauchen dabei ist und wer nicht.
Wegen der gestern ausgefallenen Touren stehen wohl einige Leute Schlange. Nachdem alle Klarheiten beseitigt sind, gibt
mir eine Zimmergenossin, die in der glücklichen Lage ist, ein Auto ihr Eigen zu nennen, einen Lift nach Gansbaai, von wo
aus die Touren starten. Ich habe lange überlegt, ob ich wirklich so ein Kommerz-Käfigtauchen mitmachen soll: 20 Leute oder
mehr auf einem Boot und haufenweise Blut und Fischreste, die ins Meer gekippt werden, um die Haie anzulocken. Dann husch,
husch rein in den Käfig, wenn der Große Weiße da ist, 2 bis 3 Minuten gucken, wenn man Glück hat und dann ruckzuck
wieder raus, weil auch die übrigen Gäste zu ihrem Recht kommen wollen. Dazu die Kontroverse, ob diese Touren nun schädlich
sind - sowohl für den Großen Weißen als auch für den geneigten Küstenbewohner. Die Meinungen gehen diesbezüglich natürlich
stark auseinander, die einen sagen, das Verhalten des Hais wird beeinflusst: Durch die Köder und die Anwesenheit von Menschen
assoziiere er Mensch mit Futter, wodurch mittelfristig die Gefahr von Angriffen steige. Die anderen sagen, das ist alles
Quatsch, wenn der Hai Menschen mit Futter assoziierte, gäbe es schon jetzt angesichts der seit Jahren stetig steigenden Zahl
von Wassersportbegeisterten weit mehr als die weltweit 100 Haiangriffe pro Jahr (von denen etwa 10 tödlich enden).
Zu der letzten Fraktion gehören natürlich auch die Anbieter des Käfigtauchens, die außerdem argumentieren, der Hai
könne schon deshalb Menschen nicht mit Futter assoziieren, weil er den ausgeworfenen Köder, der mittels eines Seils
am Boot befestigt wird, ja gar nicht zu fressen bekäme. Der würde ihm nämlich immer vor der Nase weggezogen, um ihn nahe
ans Boot zu locken. Ich wage mir kein Urteil darüber zu erlauben, was richtig ist und was falsch, ich glaube, die
Wissenschaft ist sich darüber selbst nicht einig und weiß auch noch viel zu wenig über das Verhalten des Großen Weißen,
um diese Frage abschließend beantworten zu können. Die Entscheidung für die Tour fällt schließlich deshalb, weil
ich dieses Tier einfach sehen muss, ich kann als Tauchfreak und ausgemachter Hailiebhaber nicht fast 4 Monate durch
Südafrika reisen, ohne die Chance zu nutzen, den König der Meere zu sehen. Also buche ich bei
Shark Diving Unlimited für 800 Rand den Trip. Die
Firma gehört dem Südafrikaner Michael Rutzen, der dafür bekannt ist, auch ohne Käfig mit dem Großen Weißen zu tauchen
und große Erfahrung im Umgang mit selbigem hat. Von daher habe ich Hoffnung, dass die Tour einigermaßen ökologisch
verträglich ist und nicht in pure Geldmacherei ausartet. Ob dem so ist, werden wir heute allerdings nicht mehr erfahren.
In Gansbaai angekommen, wird uns eröffnet, dass wir zwar heute rausfahren können, aber definitiv nicht in den Käfig
gelassen werden, weil das Meer nach dem Dreckswetter von gestern immer noch zu rau ist. Extrem suboptimale Situation.
Wir entschließen uns daher, die Tour noch um einen Tag zu verschieben. Nach einem Anruf beim Baz Bus wird die Situation
noch suboptimaler: Der Bus für übermorgen ist voll, ich muss dann noch einen zusätzlichen Tag im schönen Hermanus weilen
und beginne mich zu fragen, ob ein Mietwagen nicht vielleicht doch das bessere, weil flexiblere und mich komplett
unabhängig agieren lassende Fortbewegungsmittel gewesen wäre. Nicht mehr zu ändern, der Buspass ist gekauft und da
meine Stimmung eh schon etwas angespannt ist, tue ich was, was ich sonst nie tue, weil tödlich langweilig: Ich knalle
mich den Rest des Tages an den
Strand.
Käfigtauchen Gansbaai
Pünktlich um 10.30 Uhr morgens stehen wir am Folgetag zum nächsten Cage Diving-Versuch in Gansbaai auf der Matte.
Die Aussichten sind gut, das Boot ist schon draußen, der Käfig im Wasser und die Haie schon da. Ein
Schlauchboot-Shuttle bringt uns zur
Barracuda,
dem Käfigboot des "unbeschränkten Haitauchens" (was für ein bekloppter Name für eine Firma). Die Überfahrt ist
angesichts des Seegangs und der Geschwindigkeit, mit der Käpt'n Schumacher das Schlauchboot über die Wellen wuchtet, das
Ruppigste, was ich seit meiner Überfahrt von Wangerooge nach Spiekeroog aus dem Jahr 1975 auf See erlebe - nichts für
Leute mit Rückenbeschwerden. 20 Minuten dauert die Überfahrt, dann steigen wir um und - warten. Warten auf den
Großen Weißen. Wir warten nicht allzu lange, nach 20 Minuten heißt es "Hai in Sicht". Ein 4 m-Brummer hat sich
neben dem Boot breit gemacht. Dass die Sache mit "Der Hai kriegt den
Köder nie zu
fressen" grober Unfug ist, kriegen wir dann sofort zu sehen: Der Hai lässt sich nicht lumpen, beisst gleich das ganze
Seil durch und nimmt den Köder mitsamt der daran hängenden Boje. Na dann
Mahlzeit!
Im Laufe der nächsten 2 Stunden sehen wir noch 7- oder 8-mal einen Großen Weißen - in den Käfig dürfen
wir jedoch auch heute nicht. Bei der Vormittagstour sind die Weißen immer abgehauen, sobald die Schnorchler in den Käfig
gestiegen sind, weswegen der Skipper entscheidet, dass niemand mehr in den Käfig geht, damit wir die Haie wenigstens
vom Boot aus sehen können. Das enttäuscht mich doch schon einigermaßen, ist aber nun mal nicht zu ändern. Auch vom
Boot aus sind es auf jeden Fall sehr beeindruckende Tiere. Zur Feier des Tages gönne ich mir abends was Besonderes und
gehe Essen: Garlic mussels mit creamy sauce. Die Muscheln sind klasse, die Sauce igitt. Ich kann nur dringend davon
abraten, in Südafrika etwas mit "creamy" Sauce zu bestellen, hierbei handelt es sich um ganz schweres, fettiges Zeugs,
an dem der Verdauungstrakt einige Tage dran zu verdauen hat. Der Superlativ hiervon ist "rich and creamy" Sauce, nach
dem Genuss einer solchen kann man sich eigentlich direkt ein hübsches Holz aussuchen, weil einem spontan die Arterien
verfetten.
MTB-Tour Hermanus
An Tag Numero 49 beschließe ich, mich nach 7 Wochen Enthaltsamkeit mal wieder sportlich zu betätigen. Bei
Hermanus Cycles leihe ich mir ein Mountainbike. Leider hat der Chef aber keine Ahnung, wo man hier außer auf dem
"Hermanus Cycle Track", der auf einem Rundkurs 17 km rund um den Ort führt, anständig biken kann. Er empfiehlt mir,
nach Kleinmond zu fahren, "very scenic route". Die Scenic Route führt über die bescheuerte Hauptstraße, auf der Autos
und 30-Tonner in Kolonnen mit 100 Sachen an mir vorbeirauschen. Mein Spaßempfinden bewegt sich dabei nur wenige
Zehntel oberhalb des absoluten Spaß-Nullpunktes. Nach dem gescheiterten Versuch, eine Nebenstrecke zu finden, kehre
ich um und suche besagten Rundkurs um Hermanus. Nach nur einer Stunde Suchen finde ich ihn auch und folge der
Beschilderung. Zumindest versuche ich es. Die Hinweisschilder sind A6 groß und in Augenhöhe angebracht - allerdings der
eines aufrecht stehenden Erdhörnchens. Immerhin sind die meisten Schilder überhaupt vorhanden. Kurz hinterm Golfplatz
verliere ich dann den Track, keine Schilder mehr in Sicht. Nach der Backtracking-Methode suche ich den Weg, finde
zwei abmontierte Schilder im Gras liegen und gebe nach 2 Stunden Kreuz-und-Quer-Fahrt durch und um Hermanus schließlich
entnervt auf. Immerhin - der Wille war da.