Folkloristische Tänzer auf Yap

Yap – Mantas und Makro

Oktober 2006

Nachdem ich im Juni 2006 bei Tauchertraum meinen dreiwöchigen Trip nach Palau und Yap gebucht hatte, konnte der Sommer gar nicht schnell genug rumgehen. Ende Oktober war's endlich soweit, mit Emirates (sehr empfehlenswert) ist die Strecke Düsseldorf - Dubai - Manila in 18 Stunden abgehakt. Dort treffe ich erstmal die restlichen 11 Nasen der 12köpfigen Tauchträumer, respektive Traumtaucher. Gemeinsam müssen wir dann 24 Stunden in Manila absitzen, da Continental Micronesia nur 2x pro Woche nach Yap fliegt. Den Aufenthalt versüßen wir uns mit diversen San Miguel (philippinisches Brauwerk) an der Hotelbar und einem halbtägigen Sightseeing Trip, der uns die "Sehenswürdigkeiten" Manilas zeigt. Nun gut, was man in diesem 14-Millionen-Menschen-Moloch, der im wesentlichen stickig, laut und versmogt ist, halt als sehenswert empfindet: Chinesischer Friedhof, alte Festung, Kathedrale, das luxuriöse Manila Hotel und Feierabend. Nichts, was man gesehen haben muss. Erschreckend dafür die Armut in dieser Stadt, überall Straßenkinder, die sich mit Verkauf von Zigaretten und anderem Krimskrams ein paar Peso verdienen und nachts neben der Hauptverkehrstraße schlafen. Entsprechend hoch ist auch die Kriminialität, bei Betreten eines Hotels muss man sich durchsuchen lassen und das Gepäck wird wie am Flughafen geröntgt. Kein Ort zum lange Verweilen.

Froh sind wir daher, als wir die letzte Etappe in Angriff nehmen können und endlich 48 Stunden nach der Abreise um 4 Uhr morgens Ortszeit auf Yap landen. Dort fühle ich mich gleich wie zu Hause, denn ich bin wieder in Köln angekommen. Ok, die Hauptstadt heißt eigentlich "Colonia", aber wir wollen ja nicht kleinlich sein. Wobei "Stadt" wirklich ein großes Wort ist für eine Häuseransammlung, in der es genau einen Supermarkt gibt. Ein weiteres Haus in dieser Ansammlung ist das bestens bekannte Manta Ray Bay Hotel von Tauchlegende und "Manta Man" Bill Acker. Seit 20 Jahren ist er auf Yap.

Wir werden es jetzt erstmal mit einer Woche versuchen in dem kürzlich renovierten Hotel, das keine Wünsche offen lässt. Die Zimmer sind sauber, sehr geräumig und mit AirCon. Das Essen ist abwechslungsreich und wird in einem 100 Jahre alten Schoner, der Mnuw, gereicht, die Bill eigenhändig von Bali nach Yap gesegelt hat. Die Tauchausfahrten zu den zahlreichen Tauchplätzen finden in Kleingruppen zu 6 Personen statt und das Beste ist: Es gibt Nitrox for free.

Clark-Anemonenfische Neun Stunden nach unserer Ankunft erfolgt auch schon der erste Sprung ins Wasser am Gapow Reef. Der Tauchgang dient zum allgemeinen Wiederwarmwerden und haut mich nicht grad aus den Flossen. Die Korallen sind ganz hübsch, die Sichtweiten liegen bei angenehmen 30 m, bei wohligen 28 Grad Wassertemperatur brauche ich auch kein Neopren und es hat auch ein bißchen Fisch. Insgesamt aber nichts, weswegen man nach Yap kommen muss. Selbiges gilt auch für die 2. Site des heutigen Nachmittags, die Peelaek Corner. Wir tasten uns langsam mit einem Stachelrochen, einer Kröte und einem Weißspitzenriffhai Richtung größere Aufgaben vorwärts. Beim Anblick des Rochens muss ich unwillkürlich mit dem Kopf schütteln. Was wurde doch in den letzten Wochen für einen Aufstand um den Tod von "Crocodile Hunter" Steve Irwin gemacht. Die Unterwasser widmete diesem Vorfall sogar einen ganzen Artikel, in dem sie "die Tat des Rochens" (O-Ton Unterwasser) analysierte. Was hat sich der böse Rochen wohl dabei gedacht? Man muss sich schon ziemlich dämlich anstellen, um sich von so einem Tier umbringen zu lassen, mehr ist dazu aus meiner Sicht nicht zu sagen.

Am nächsten Morgen soll der erste Versuch folgen, das zu sehen, weswegen man nach Yap kommt: Mantas. Bekanntlich ist Yap einer der wenigen Plätze auf der Welt, wo man die Riesenrochen das ganze Jahr über mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sehen kann. Allerdings ist es nicht die beste Jahreszeit dafür. Yap wird vollständig von einem Korallenriff umschlossen, welches an einigen Stellen von Kanälen unterbrochen wird. In der Wintersaison sammeln sich die Mantas in großer Zahl im M'il Channel. Jetzt aber in der gerade ausklingenden Sommersaison wandern die Mantas von Kanal zu Kanal, so dass man nicht sicher sagen kann, wo man sie antrifft. Die Entscheidung fällt auf den Platz Valley of the Rays im Goofnuw Channel, auf der Ostseite Yaps gelegen. Bill Acker begleitet uns heute auf dem Trip, wenn das man nicht ein gutes Omen ist... Im Kanal befinden sich 2 Putzerstationen, an denen sich die Mantas sammeln, wenn wir Glück haben. Nach dem Sprung ins Wasser geht es erstmal ein paar Minuten den Kanal entlang. Die Sicht ist mit 15 m zwar deutlich schlechter als am Außenriff, aber für einen Kanal, in dem es oft auch mal nur ein paar Meter haben kann, doch außergewöhnlich gut. An der ersten Putzerstation begegnen uns 6 Weißspitzenriffhaie, die hier stationär sind, und 1 Grauer Riffhai. Von Mantas ist nichts zu sehen. Wir tauchen zurück zur 2. Putzerstation. Auf halbem Weg rasselt auf einmal ein Shaker und siehe da: der erste der freundlichen Riesenrochen taucht schemenhaft auf und segelt an uns vorbei. An der Putzerstation angekommen hocken wir uns auf den Boden und schauen dem Manta beim sich Säubernlassen zu. Da - auf einmal taucht ein zweiter auf, gefolgt von einem dritten. Von der anderen Seite rauscht ein vierter heran und bevor wir uns versehen, sind 6 Mantas um uns herum und stehen an der Putzerstation Schlange. Ich vergesse fast zu atmen, 6 Mantas gleichzeitig, soviele habe ich vorher in 500 Tauchgängen insgesamt gesehen. Es geht zu wie am Flughafen, die Mantas stellen sich schön ordentlich an der Putzerstation an. Wenn einer fertig ist, zischt er ab, dreht eine große Warteschleife und stellt sich hinten wieder an, während vorne der nächste nachrückt. Wir hocken uns einfach auf den Boden und schauen dem Treiben volle 70 min lang zu. Die 15 m Wassertiefe und der Nitrox-Pack auf dem Rücken bescheren einem hier ewig lange Nullzeiten. Ein unbeschreibliches erhebendes Gefühl, wenn so ein Brummer mit 4 m Spannweite 20 cm über einen hinwegzieht, einfach gigantisch. Bill kennt sie alle mit Namen, an der Musterung auf der Bauchseite ist jedes Tier individuell zu erkennen und Bill ist sich auch sicher, dass die Mantas ihn erkennen. Ich bin gewillt, ihm zu glauben. Völlig euphorisch steigen wir nach 80 min Tauchzeit aus dem Wasser, dieser eine Tauchgang hat die weite Anreise schon rechtfertigt. Bill erzählt, dass dies ein außergewöhnlich guter Tauchgang war, nicht immer hat man hier so viele Mantas gleichzeitig. Auch kommen sie nicht immer so nahe an die Taucher heran oder bleiben so lange an der Putzerstation. Wir haben jedenfalls noch nicht genug und versuchen es 1 Stunde später nochmal. Die Strömung im Kanal ist inzwischen ziemlich stark geworden, so dass wir uns mit Strömungshaken am Boden fixieren. Wir sehen Bills Aussagen direkt bestätigt, denn diesmal leisten uns nur 2 Mantas Gesellschaft. Hab ich gerade "nur" geschrieben? Man wird einfach viel zu schnell versaut, noch vor 2 Stunden hätte ich bei 2 Mantas von einem fantastischen Tauchgang berichtet, aber mit dem, was in der Zwischenzeit passiert ist, relativiert sich das direkt. Der erfolgreiche erste Tag wird jedenfalls am Abend ausgiebig mit dem ein oder anderen selbstgebrauten Tauchbasis-Bier begossen.

Video: Mantas im Goofnuw Channel [04:07 min]

Am nächsten Morgen dasselbe Spiel, wir fahren erstmal zum Goofnuw Channel und haben wieder eine Stunde lang Spaß mit 5 Mantas, die sich Kreise ziehend putzen lassen. Auch turnen ständig 5 Weißspitzen um uns rum, die wir keines Blickes würdigen. Anschließend fahren wir zum Platz Slow'n Easy, der uns als klasse Makroplatz angepriesen wird und in der Hafeneinfahrt nach Colonia liegt. Von Makro ist aber nicht viel zu sehen, ein paar Garnelen und handgezählte 2 Nacktschnecken, das war's. In seiner Verzweiflung zeigt uns der Guide jeden einzelnen der 5 Rotfeuerfische, als ob die das 7. Weltwunder wären, was mir recht schnell etwas auf den Sack geht. Immerhin können wir eine handzahme Kröte ein paar Minuten beim Fressen beobachten und wünschen einem Seestern, der anscheinend von einem ihm nicht wohlgesonnen Meeresbewohner angeknabbert wurde, viel Glück bei der Regeneration. Kein Platz, den man gemacht haben muss, aber vielleicht haben wir auch nur einen schlechten Tag erwischt.

Am Abend folgt dann ein weiteres Yap-Highlight: Wir starten am Rainbow Reef einen nächtlichen Tieftauchgang (exakt 6,4 m), um uns Mandarinfische anzuschauen. Genauso bunt, wie sie sind, genauso selten sind sie auch anzutreffen. Bis dato habe ich noch nie einen gesehen. Hier kommen sie zwischen 18.30 Uhr und 19.00 aus den Korallen gekrochen, in denen sie sich tagsüber verstecken, um viele kleine neue Mandarinfische zu produzieren. Eine halbe Stunde schauen wir ihnen beim Poppen zu, dann haben sie genug von unserem Voyeurismus und verdrücken sich wieder in ihre Korallen. Sehr empfehlenswerter Abstecher.

Tag 4 beginnt mit unserer morgendlichen Manta-Session im Tal der Rochen. Heute leisten uns 3 Mantas Gesellschaft. Ruhig drehen sie ihre Runden, während die Putzkolonne sie beackert. Dazu gibt's ein paar Barrakudas und Büffelkopf-Papageifische. Ich nutze die Gelegenheit und schaue mich ein wenig im Kanal um, was es hier sonst noch zu sehen gibt. Nichts Außergewöhnliches, aber ein paar Schnecken, mit und ohne Gehäuse, sind doch immer wieder nett, dazu jede Menge Riffischiges und ein paar Seenadeln. Selbstverständlich hat es auch die unvermeidlichen Rotfeuerfische. Wenn man keine Mantas mehr sehen kann, sind die Korallen auf dem Riffdach durchaus ebenfalls hübsch anzusehen.

Nach getanem Tauchgang tuckern wir mit dem Bötchen urch die Lagunen, die Yap umschließen. Ein Leopardenhai und ein Schwarzspitzen-Riffhai aalen sich in 50 cm Wassertiefe in der Sonne. Vorbei geht's an Rumung, der "verbotenen Insel", deren Bewohner sich von den Errungenschaften des modernen Lebens abschotten. Elektrizität, Telefone, Autos und Besucher - alles verboten. Wir durchfahren den M'il Channel und gelangen zur Westseite von Yap, an der es einige wunderbare Dropoffs gibt, die senkrecht im tiefblauen Pazifik verschwinden. An einem solchen Dropoff, der auf den schönen Namen Vertigo hört, springen wir ins Wasser. Bei der gigantischen Sichtweite kann einem im Blauwasser tatsächlich schwindlig werden, um die 50 m hat es sicherlich. Sofort sind 6 Graue Riffhaie um uns rum und ziehen ihre Bahnen. Wir folgen immer schön der tollen Felswand, sagen "Hallo" zu einem Großen Barrakuda und den unzähligen Fischen, die sich in der Felswand und auf dem Riffdach tummeln. Zurück geht's mit dem Boot dann durch den German Channel, den wir - die Deutschen - vor geraumer Zeit angelegt haben, um die Reisezeit zwischen West- und Ostseite etwas zu verkürzen. Mensch, die Insel hat mal uns gehört (1899 von Spanien erworben), das hätte ein Inlandsflug werden können. Die Japaner hatten im Jahre 1914 schlagende Gegenargumente...

Unser letzter Tauchtag in Yap beginnt fast schon traditionell im Goofnuw Channel. So schön wie beim ersten Mal wird's aber auch heute nicht mehr, "nur" 2 Mantas und die nervenden Weißspitzen. Zum 2. Tauchgang fahren wir dann wieder auf die Westseite zum M'il Channel und hüpfen an der Manta Ridge ins Wasser. An diesem Platz sammeln sich die Mantas im Winter, bis zu 30 Stück wurden hier schon gleichzeitig gesichtet. Heute sind keine da, aber auch ohne Mantas ist dieser Platz ein absolutes Highlight. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich um einen Unterwasser-Bergrücken mitten im M'il Channel. Und um den tobt das Leben. Ein riesiger Schwarm Großaugen-Stachelmakrelen hat sich versammelt, der sich auch von den herumkreuzenden Grauen und Weißspitzen-Riffhaien nicht stören lässt. Ein paar Büffelkopf-Papageien hacken auf den Korallen herum. Auf dem Boden liegen ein paar außerirdisch anmutende Seegurken, während es sich eine einsame Dornenkrone im Riff bequem gemacht hat. Halsband-Anemonenfische verkriechen sich in der angeeigneten Koralle, ein Plattwurm schwimmt einer Spanischen Tänzerin gleich durchs Wasser, überall hat es Horden von Fisch. Da stört es auch nicht, dass die Sicht während unseres Tauchgangs von 30 m am Anfang auf schlappe 10 m am Ende abfällt, so schnell kann das hier im Kanal gehen. Brillianter Tauchplatz, so oder so.

Unseren letzten Tauchgang auf Yap machen wir dann an der Südspitze der Insel am Tauchplatz Caverns. Den Namen finde ich etwas geschönt, denn Grotten hat es nicht wirklich. Es handelt sich eher um viele kleine Canyons, die das Riff durchziehen und nach oben offen sind, allerdings zu schmal, um aufzutauchen. Dazu hat es den ein oder anderen Tunnel, der zu einem stimmungsvollen Foto einlädt. Fischtechnisch hat es nichts Außergewöhnliches, ein paar Zackis, diverse Anemonenfische und der ein oder andere Rotfeuerfisch. Es ist tatsächlich der einzige Tauchgang auf Yap, auf dem wir keine irgendwie gearteten Haie sichten. Dafür ist der Dropoff mit wunderbaren Korallen und Seefächern bewachsen. Insgesamt daher ein recht schöner Platz.

Vor dem Drogenkonsum muss die Betelnuss erst mal hart erarbeitet werden. Unser Yap-Abenteuer lassen wir am letzten Tag mit einer kleinen Kajak-Tour durch die Mangrovenwälder ausklingen. Die Natur ist wirklich einzigartig, 3 Stunden lang paddeln wir durch die Kanäle, die oft immer noch die einzigen Verkehrswege sind, die die Dörfer auf Yap miteinander verbinden. Durch die 1 cm dicke Autan-Schicht, mit der ich mich bedeckt habe, stören auch die Mücken nicht besonders. Sie sind eh malariafrei, von daher sind sie allenfalls lästig, aber ungefährlich. Zum Abschluss legen wir eine zünftige Obstzeit in einem "Men's House" ein. In diesen Hütten sammeln sich die Männer des Dorfes, um die politische Weltlage und die letzten Basketballergebnisse (Yaps Volkssport) zu diskutieren oder die ein oder andere Betelnuss zu kauen. Letzteres haben unsere Tauchguides unablässig den ganzen Tag getan, die müssen eigentlich dauerbreit gewesen sein. Betelnuss hat eine berauschende Wirkung, nach einer Nuss fühlt man sich angeblich wie nach 3 bis 4 Bier. Frauen haben keinen Zutritt zu den "Männerhäusern". Auf Yap ist die Welt noch in Ordnung... Vor dem Männerhaus können wir die Stone Money Bank besichtigen. Steingeld war das traditionelle Zahlungsmittel auf Yap und da so eine Steinmünze etwas unpraktisch in der Hosentasche zu transportieren ist, blieb der Stein einfach da, wo man ihn einmal hintransportiert hatte und wechelte quasi im Geiste den Besitzer. So geht denn eine fantastische Woche auf Yap gemütlich zu Ende und wir sind schon sehr gespannt, was der 2. Teil unseres mikronesischen Tauchabenteuers für uns bereit hält. Also nichts wie auf nach Palau!

Fazit: Korallentechnisch finde ich das Rote Meer besser, aber man kommt ja nicht der Korallen wegen nach Yap. Will man Mantas sehen, ist Yap auf jeden Fall ein Platz, den es zu berücksichtigen gilt, hier gibt es fast Manta-Garantie. Anderes gibt es zwar durchaus auch zu sehen, man denke nur an die Mandarinfische, aber dies kann man andernorts auf der Welt sicher auch haben und vermutlich mit etwas weniger finanziellem Aufwand. Trotzdem ist Yap natürlich immer eine Reise wert, ich bin sicher, dass ich nicht das letzte Mal hier war.

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