Eigentlich hätte ich mir ja nie träumen lassen, dass ich mal freiwillig für einen landgestützten Tauchurlaub nach Hurghada fahren würde. Im August 2005 ist es dann doch so weit, wenn auch nur für ein verlängertes Wochenende, um Viktoria, mit der ich letztes Jahr schon auf Malta war, und die jetzt bei James & Mac arbeitet, zu besuchen. Donnerstags morgens um 3 Uhr besteige ich mit 3 Kilo Schweinenackensteaks für die angedachten Grillabende im Gepäck den Air Berlin-Flieger in Köln. Um 8.25 Uhr setzt die Maschine in Hurghada auf, 17 Minuten später verlasse ich das Flughafengebäude und kurz nach 10 Uhr düse ich bereits mit der Abu Scharara, einem der Boote von James& Mac, zur ersten Tagesausfahrt aufs blaue Meer hinaus. Effizienter lässt sich der 1. Urlaubstag kaum gestalten. In den folgenden vier Tagen betauche ich einige der Plätze rund um Hurghada und muss sagen, dass ich doch eher positiv überrascht bin. Nachdem, was ich vor einigen Jahren beobachten konnte, wie Schnorchler auf Korallen rumtrampeln und ganze Horden von Tauchern durch die Riffe wüten, hatte ich erwartet, nur kaputte Riffe zu sehen. Dem ist aber nicht so. Klar kommen die Hurghada-nahen Riffe bei weitem nicht an die Offshore Riffe ran und es ist auch einiges kaputt, aber eben nicht so schlimm, wie ich gedacht habe, es gibt auch viele schöne Plätze. Im Folgenden eine Auswahl der Plätze, die ich bei meinem Tauch-Kurztrip gesehen habe:
Gota Abu Galaua
Ein netter Platz mit einem schönen Korallengarten. Man sollte aber auch ruhig mal in den Sand gucken, dann entdeckt man vielleicht den Red Sea Walkman, ein lustiger kleiner Skorpionsfisch, der auf seinen Vorderflossen über den Sand watschelt. Auch Kröten hat es hier.
El Fanadir Foc
Hier starten wir zu unserem ersten Nachttauchgang und dafür ist dies ein ziemlich geeigneter
Platz. Einfach nur 25 Minuten lang geradeaus schwimmen, dann Kehrtwendung, und wieder
zurück. Uns begegnen mehrere frei umherschwimmende Muränen, die sich schleunigst vor unserem
Licht ins nächste Loch verkriechen, jede Menge
Feuerfische und drei fette
Riesenkugelfische, die sich direkt an unserem Boot zusammengerottet haben. Überall auf dem Riff
sitzen Federsterne in allen denkbaren Farben. Sehr hübscher Platz für eine Nachterkundung.
Gorgonia / Erg Camel
An einem Dropoff entlang geht es an diesem Platz bis zu zwei großen Felsblöcken, die wie
Kamelhöcker aus dem Wasser ragen. Um diese Höcker tobt das Leben, der ganze Erg ist umwuselt von
kleinen Rifffischen und im Sand sitzt der eine oder andere
Steinfisch.
Eigentlich sollte man sich hier einfach mal 20 Minuten lang auf den Boden setzen (am besten
aber nicht auf den Steinfisch) und gucken, doch dafür reicht leider die Luft nicht und auch die
Strömung macht ein entspanntes Sitzen im Sand eher schwierig. Jedenfalls ist dies einer meiner
Favoritenplätze, die ich in den 4 Tagen gesehen habe.
Shaab Adel
Dieser Shaab ist ein großes, vielleicht 200x200 m großes Plateau, welches bis auf 15 m Tiefe unter die Wasseroberfläche reicht. Auf dem Shaab sitzen mehrere große Korallenblöcke, die wir einer näheren Inspektion unterziehen. Neben dem üblichen Rifffisch und den im Roten Meer zahlreichen Blaupunktrochen stechen ein großer Krokodilsfisch, einige hübsche Nacktschnecken und ein wohlgenährter Drachenkopf hervor.
Balena Wrack
Direkt vor der Haustür von James & Mac liegt dieses Wrack im Hafenbecken. Die Maximaltiefe beträgt 8 m, die Minimaltiefe 0 m, die Aufbauten ragen bis über die Wasseroberfläche. Obwohl das Wrack erst seit April 2001 da unten liegt, ist der Rumpf schon hübsch bunt. Highlight ist das Durchtauchen des Innenraums, die ganze Schiffslänge entlang. Durch die Bullaugen scheint das Sonnenlicht ins Dunkle hinein und verleiht dem Ganzen eine etwas düstere Atmosphäre. Sehr vorsichtig muss man mit dem Aufwirbeln von Sediment sein, das passiert hier ganz schnell, sodass man ziemlich rasch nicht mehr viel sieht. Verlässt man das Innere und bewegt sich zum Oberdeck, wartet die nächste Überraschung: Ein Schwarm Barrakudas kreist ums Oberdeck, begleitet von ein paar Stachelmakrelen. Sehr cooler Tauchgang.
Ham Ham
Der Dropoff, an dem wir an diesem Platz entlangtauchen, fällt bis auf 90 m in die Tiefe. Sehr
genial, diese Art Tauchplätze habe ich in Südafrika ja etwas
vermisst. Entlang der Wand wachsen wunderbare, riesige Fächergorgonien und ein paar Thunfische
tanzen uns vor der Maske herum. In 42 m Tiefe betauchen wir das sog. Moscheefenster, ein großer
Torbogen, dessen Boden bei ca. 55 m liegt und sich über eine Länge von 15 m erstreckt. Super
Atmosphäre, aber den Guides sollte man lieber verschweigen, dass man dort war, wie inzwischen
allseits bekannt sein dürfte,
beträgt das in Ägypten gesetzlich vorgeschriebene Tiefenlimit 30 m – über den Sinn und Unsinn
solcher Gesetze lässt sich trefflich streiten, ich halte sie für unangemessen. Nach Durchquerung
des Torbogens geht es ab in flachere Gefilde zum Austauchen, wo noch ein paar Rifffische auf uns
warten, darunter jede Menge
Kugelfische. Toller Platz, sehr empfehlenswert.
Shaab Sabina
Bei diesem Shaab handelt es sich um einen großen Korallengarten, der zugegebenermaßen ganz hübsch ist, mich aufgrund des fehlenden Fischs aber trotzdem wenig anspricht. Eigentlich der einzige Tauchgang in den vier Tagen, den ich wenig vermisst hätte, hätte ich ihn nicht gemacht. Zur Entschädigung gibt's abends die oben angesprochenen Schweinenackensteaks mit ein paar kühlen Stellas.
Shaab Abu Ramada
Dieser Platz hier ist wieder richtig gut, gute Korallen, viel Rifffisch, große Schwärme von
Süßlippen und
Falterfischen,
3 Krokodile und, und, und ...
Sehr super. Der Platz eignet sich auch sehr gut zum
Schnorcheln,
da lässt sich noch das ein oder andere entdecken, was man in der Tiefe übersehen hat.
Shaab Quais
Dieser Shaab scheint beim ersten Hinsehen nur aus Sand zu bestehen. Bei näherer Inspektion hat man aber einige große Korallenblöcke, die es sich lohnt, der Reihe nach abzuklappern. Highlight ist hier wieder ein Red Sea Walkman, daneben hat es viel Kleinzeug in den einzelnen Blöcken.
Shaab Tiffany
Hier absolviere ich den finalen Tauchgang, einen 90-Minuten-Nachttauchgang, den wir schon in der
Dämmerung starten. Da es Vollmond hat, machen wir einfach mal die Lampe aus, das Tauchen im
Mondschein hat doch immer wieder etwas Faszinierendes. Viel Kleinzeug finden wir während des
Tauchgangs, vor allem
Krebse, schlafende Riffische
und ein paar kackende
Gurken, natürlich auch
die unvermeidlichen
Rotfeuerfische, aber leider nicht die
erhoffte Spanische Tänzerin. Trotzdem ein würdiger Abschluss für vier tolle Tauchtage.
Der nächste und letzte Tag steht dann ganz im Zeichen der Stickstoffentfernung aus meinem
Körper, wozu genug Zeit bleibt, da mich Air Berlin erst um 21 Uhr abends wieder zurückfliegt,
wodurch sich auch der letzte Urlaubstag noch voll nutzen lässt. Wir unternehmen eine kleine
Quad-Bike-Tour in die Wüste zu einem
Beduinen-Camp. Der
Guide erzählt uns, dass die Beduinen immer noch, wie schon seit Urzeiten, durch die Wüste ziehen
und kaum mal je in die Stadt gehen. Wie sie dann an die ganzen Plastiksandalen kommen, die sie
tragen, verkneifen wir uns zu fragen, aber die Halbtagestour hat schon einen durchweg
touristischen Touch. Wem das nicht gefällt, sollte solche Aktivitäten
besser sein lassen, aber mir ist es heute egal, da es mir nur darum geht, einen entspannten Tag
bis zum Abflug zu verbringen und nicht darum, Land und Leute kennenzulernen. Um 2 Uhr morgens
lande ich wieder in Köln und finde es verdammt krass, dass ich vor wenigen Stunden noch in einer
anderen Welt, 4000 km entfernt, mitten in der Wüste stand und jetzt schon wieder den Dom vor mir
sehe. Man verliert durch die Fliegerei so dermaßen das Gefühl für Entfernungen, vielleicht
sollte ich nächstes Mal mit dem Auto nach Ägypten fahren, um mal wieder das richtige
"On the road"-Feeling zu bekommen, was einem heutzutage so schnell abhandenkommt.