Shelley Beach

Protea Banks

Januar 2005

Ende Januar 2005 habe ich im Rahmen meines Trips durch Südafrika einen 9-tägigen Zwischenstop in Margate eingelegt. Das Örtchen liegt 150 km südlich von Durban und ist für ein Riff bekannt, dass sich 7 km vor der Küste auf einer Länge von 6 km und einer Breite von 800 m bis auf eine Tiefe von 30 m aus dem Meeresboden erhebt - die Protea Banks. Es gibt eigentlich nur einen Grund, warum man hierher kommt: Haie. Das Riff interessiert hier nur sekundär, an den Banks versammeln sich zu bestimmten Jahreszeiten unterschiedliche Haiarten. Die besten Zeiten sind März für Bullenhaie (Zambezi Sharks, wie sie die Südafrikaner nennen), Juni für Sandtiger (Raggedtooth Sharks) und November für Hammerhaie. Auch Tigerhaie und Weiße Haie kommen hier vor, aber Roland Mauz, der Besitzer von African Dive Adventures, mit denen ich unterwegs war, erzählt, dass er 600 Tauchgänge hier gebraucht hat, um seinen ersten Weißen Hai zu sehen - und weitere 600 für den zweiten und letzten, von daher ist die Chance auf Große Weiße eher theoretischer Natur.

Die afrikanischen Tauchabenteurer treffen sich jeden Morgen direkt am Hafen von Shelley Beach, einen Shop gibt es nicht. Wer kein eigenes Auto hat, tut daher gut daran, im Margate Backpackers abzusteigen, da dies der einzige Ort ist, von dem Roland einen Lift zum Hafen geben kann. Das Hostel ist sauber, gemütlich und ruhig, keines der Party-Backpacker, wo einem bis 6 Uhr morgens die Musik um die Ohren dröhnt, von daher bestens als Taucherabsteige geeignet. Außerdem zahlt Roland die Unterkunft hier (Dorm-Rate), wenn man zwei Tauchgänge am Tag mit ihm macht, das sind immerhin 70 Rand. Das Tauchen selbst kostet ca. 150 Rand pro Tauchgang, wenn man eigene Ausrüstung hat, Leihausrüstung ist gegen entsprechenden Aufpreis erhältlich.

Ächz, bevor's losgeht, muss das Bötchen erstmal umgedreht werden. Unser erster Tauchgang an den Banks führt uns zu den Southern Pinnacles, der Standardplatz, den wir in den nächsten Tagen am häufigsten ansteuern werden. Neun meiner insgesamt fünfzehn Tauchgänge an den Banks mache ich hier. Vor dem Spaß steht aber erstmal der Schweiß: Das Gummiboot wird vom Hänger auf dem Strand abgelassen und dann müssen wir selbiges erstmal mit Muskelkraft drehen und ins Wasser schieben, was je nach Anzahl beteiligter Personen kein leichtes Unterfangen ist. Dann die Schwimmwesten an und rüber über die Brandung. 15 bis 20 min dauert die Fahrt zum Tauchplatz, je nach Wellenlage. Dann heißt es anrödeln, Luft komplett aus dem Jacket lassen und auf drei gemeinsamer negativer Einstieg, also direktes Abtauchen ohne Sammeln an der Oberfläche, weil einen die starke Strömung sonst irgendwohin treibt, wo man gar nicht hin will. Warum dieser Platz nichts für Anfänger ist und nur Advanced Diver hier mit runter genommen werden, bekomme ich sogleich zu spüren. Kurz nachdem mir mein Buddy auf 5 m noch "OK" signalisiert hat, bleibt er oben hängen und kommt nicht runter. Bis ich das Problem bemerke und behebe (wieder mal den Arm nicht nach oben durchgestreckt, so dass die Luft nicht aus dem Jacket kann) ist Guide Rory, der die Boje hat, der das Boot folgt, und die beiden anderen Taucher schon außer Sichtweite. Unglücklicherweise erfasst uns dann auch noch eine Strömung, die uns noch weiter von der Gruppe wegtreibt. Als wir kurze Zeit später wieder an der Oberfläche sind, ist von dem Boot bei den 2-3 m hohen Wellen weit und breit nichts zu sehen. "Scheiße", denke ich, erster Tauchgang hier und dann gleich sowas und sehe mich schon 7 km zum Strand zurückschnorcheln. Glücklicherweise habe ich jedoch vor dem Tauchgang noch schnell mein Sicherheitswürstchen eingesteckt, was jetzt zum Einsatz kommt und alsbald 1,50 m hoch in hübschem knallrot in den Himmel ragt. Fünf Minuten später taucht dann tatsächlich Roland mit dem Boot auf. 500 m sei er schon weg gewesen und nur durch Zufall habe er den roten Punkt im Wasser Eine der vergleichsweise selten auftretenden Muränen hier. gesehen. Glück gehabt, ohne das Würstchen hätten wir leider schnorcheln müssen (6 bis 7 Stunden sollte das dauern), sollte man immer dabei haben. Der zweite Abstieg an der Bojenleine entlang verläuft dann problemlos und wir werden für den dilettantischen Anfang auch noch belohnt. Ein fetter Bullenhai beehrt uns in einiger Entfernung mit seiner Anwesenheit, ruhig zieht er seine Bahnen. In der Statistik der Angriffe auf Menschen steht dieser Kollege zwar an Nummer 2 direkt hinter dem Großen Weißen, aber wie üblich sind in erster Linie Schnorchler, Schwimmer und Surfer betroffen - an den Protea Banks ist noch nie ein Taucher von einem Hai angefallen worden.

Ein Schwarzpunktrochen schläft den Schlaf des Gerechten. ... während der hier schon wieder agil durch die Gegend schwimmt. An den Folgetagen zeigen sich die Southern Pinnacles nicht gerade von ihrer besten Seite, ich merke deutlich, dass ich mir nicht die richtige Jahreszeit zum Tauchen hier ausgesucht habe, was ich aber auch vorher wußte. Man schmeißt sich ins Wasser, treibt, solange es geht, auf 30 m mit der Strömung, und wenn die Nullzeit um ist, geht`s nach oben ins Blauwasser, bis nach 45 min der Tauchgang beendet ist. Wenn man Glück hat, sieht man halt was, wenn man Pech hat, sieht man 45 min lang gar nichts oder nur ein paar Fischchen, wegen denen man nicht unbedingt hergekommen ist. Neun Tauchgänge mache ich insgesamt hier, 4 mal habe ich Glück und sehe einen einzelnen Bullenhai, 5 mal habe ich Pech und sehe praktisch nichts, wozu auch die meist eher dürftige Sicht von 8-12 m beigetragen haben dürfte. Einzige Ausnahme: Bei einem Tauchgang haben wir 30-40 Bullrays hier, die uns den ganzen Tauchgang lang über den Weg schwimmen. Vier von ihnen begleiten uns sogar im Formationsflug aus 30m Tiefe bis nach oben zu unserem Safety-Stop. Brilliant! Es müssen halt doch nicht immer Haie sein.

Ein weiterer Grund, warum mich die Protea Banks trotz nur sporadisch auftauchender Haie nicht enttäuscht haben, ist ein Tauchplatz namens Northern Pinnacles. Hierher sind wir immer ausgewichen, wenn an Southern nichts los war. In 35 m Tiefe hat es hier ein Höhlensystem, in dem es vor Fisch nur so wimmelt. Keine Haie zwar, die kommen erst im Juni, aber egal. Im Wasser tummeln sich Kartoffel-Zackis, Schulen von Yellowtails, Kingfish, fette Igelfische, ab und zu mal ein Torpedorochen, und, und, und. Auf der Suche nach dem Sandtiger-Gebiss... Man kann durch mehrere Tunnel schwimmen und im Sand nach Zähnen von Sandtigern suchen, bis einen die abgelaufene Nullzeit schließlich nach oben zwingt. Noch mehr freundliche Delfine. Dies ist das einzige Problem an diesem Platz (und generell auf Protea Banks), wegen der großen Tiefe ist die Nullzeit leider viel zu kurz, was einen schon schnell dazu verleitet, in Deko zu gehen. Bei meinem Duschcomputer, der Suunto Vyper, passiert das leider ziemlich schnell, und so hatte ich bei einem Tauchgang hier 26 min Deko in der Mütze (während mein Buddy mit seinem Aladin clean war), die ich dann zwischen 3 und 4 Meter an der Boje abhängen mußte. Wäre da nicht die Schule von 20 Delfinen aufgetaucht, die einen dann flugs entertained haben, wäre das ziemlich langweilig geworden...

Der dritte Platz, den wir besucht haben, heißt The Village, lediglich einmal waren wir hier. Haie auch hier Fehlanzeige, aber ein sehr schöner Platz, der mir vor allem wegen seiner vielen verschiedenen Nacktschnecken in Erinnerung geblieben ist.

Kleiner Plausch beim Dekobier. Fazit: Protea Banks ist nichts für Anfänger, vor allem die große Tiefe und die starke Strömung, die einen negativen Einstieg erfordert und einen während eines Tauchgangs schon mal 3.5 km übers Riff ziehen kann, verlangen einige Erfahrung. Dazu kommen manchmal noch hoher Wellengang beim Einstieg, schlechte Sicht, Höhlen und Tunnel, und - wenn man Glück hat - Haie. Ich war definitiv zur falschen Jahreszeit da, besser kommt man im südafrikanischen Winter, was sowieso generell für das Tauchen in Südafrika gilt. Auch sollte man nicht für einen Tag dort ankommen und meinen, man hat dann die Garantie, irgendwas zu sehen. Besser, man nimmt sich Zeit (eine Woche oder so), dann sieht man auch in der Nebensaison was und reist happy wieder ab. So wie ich...

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