Nachdem meine letzten drei Urlaube ausschließlich bootsbasiert waren, durfte es
zur Abwechslung mal wieder etwas festes Land unter den Füßen haben. Da ich mir weder Hurghada
noch Sharm el Sheik mit seinem Ballermann-Charme antun wollte, fiel die Entscheidung letztlich
auf Dahab. Eine gute Stunde nördlich von Sharm geht es noch etwas gemütlicher zu als in der
teuersten Stadt Ägyptens mit seinen Luxushotels und Fast-Food-Ketten amerikanischer Bauart.
Außerdem sind die Tauchplätze hier durchgehend anfängergeeignet, was für meine zwei Begleiter,
die hier ihren OWD in Angriff nehmen wollten, äußerst angenehm war. Unsere Basis haben wir
im Swiss Inn Golden Beach-Hotel
aufgeschlagen, einem von zwei 4-Sterne-Schuppen in Dahab und durchweg empfehlenswert. Ans Hotel angeschlossen
ist die Tauchbasis der
Extra-Divers. Bei Basisleiter Tom und Nicki
und Ihrer Crew haben wir uns zwei Wochen lang überaus wohl gefühlt. Getaucht wird in Dahab
ausschließlich vom Strand aus,
alle Plätze sind innerhalb von 5-40 Minuten mit z.T. etwas
abenteuerlichen Jeeps zu erreichen. Von Nord nach Süd hätten wir da:
Bells/Blue Hole
Das Blue Hole ist aufgrund der vielen Taucher, die hier
schon ums Leben gekommen sind, wohl eines der berühmt/berüchtigsten Tauchplätze der Welt. Es besteht
aus einem Loch im Riff, dessen Boden man irgendwo bei 100 m erreichen würde, könnte man so tief tauchen.
Bei etwa 55 m befindet sich ein 10-12 m langer Tunnel, durch den hindurch man zum Außenriff tauchen kann.
Und eben bei diesem Versuch kommt es immer wieder zu Unfällen, an die die zahlreichen
Gedenktafeln
am Einstieg erinnern.
Wir nehmen von derlei Versuchen Abstand und steigen stattdessen ein paar Meter weiter
nördlich bei Bells in Wasser. Durch ein Erdbeben ist hier ein nahezu senkrecht abfallender, nach vorne offener Schacht
in der Riffwand entstanden. Wie durch einen Glockenturm gleitet man nach unten, daher der Name. In 30 m Tiefe
verlässt man den Glockenturm und findet sich urplötzlich an einer ins Bodenlose fallenden Steilwand wieder,
die irgendwo bei 200 m mal den Grund erreicht. Sehr geniales Gefühl, da so schwerelos an der Wand zu hängen
und die Felsformationen mit ihren Überhängen zu betrachten. "Man taucht an der Steilwand entlang,
bis sich die Schulen von Fahnenbarschen zu einer Fischsuppe verdichten. Dann hat man Eingang zum Blue Hole
erreicht", liest es sich in meinem Sinai-Tauchführer. Daher verpasse ich wohl beim ersten Versuch den Eingang,
denn von Fischsuppe ist weit und breit nichts zu sehen. Über den flachen Sattel in 7 m Tiefe tauchen wir
schließlich ins Blue Hole ein. Das ist tatsächlich ziemlich blau, es kann einem schon etwas schwindlig werden,
wenn man die Wand verlässt und sich mal in die Mitte des Loches begibt, sodass man nur noch Blauwasser um sich
rum hat. Ansonsten ist das Loch korallen- und fischtechnisch eher uninteressant, man kann aber einen guten
Blick auf die mehr oder weniger modische Badekleidung der Dutzende von Schnorchlern werfen, die sich über
einem tummeln.
Canyon/Canyon Garden
Ebenfalls einer der bekanntesten Tauchplätze im Roten Meer
ist der Canyon, eine etwa 150 m lange und größtenteils nur 1 - 2 m breite Unterwasserschlucht mit Tiefen
von 16 bis 50 m. Schon von weitem sehen wir einen Vorhang aus Luftblasen vor uns aufsteigen. "Scheiße", denke
ich nur, schon Hochbetrieb da unten. Als wir dann durch die schmale Öffnung in den Canyon hinabblicken, sehen
wir zu unserer Überraschung keine Menschenseele. Die Luftblasen kommen direkt aus dem Gestein! Da die Wände
des Canyons nicht senkrecht sind, sammelt sich die von den Tauchern ausgeatmete Luft unter der Decke des Canyon
und wandert langsam durch das Gestein zum Meeresgrund, wo es dann langsam austritt. Sehr merkwürdig anmutender
Anblick! Der Canyon hat nur drei Einstiege, die gerade so breit sind, dass ein Taucher hindurchpasst. Einer
davon befindet sich etwa bei 1/3 der Länge des Canyons und führt direkt in eine große Höhle, in der man bereits 32 m
Wasser über sich hat. Der Canyon lebt eindeutig von seiner etwas düsteren Atmosphäre, einfach mal auf den Rücken
legen, nach oben gucken und genießen. Folgt man dem Verlauf nach Osten, so stoppt einen das in Ägypten gesetzlich
vorgeschriebene Tiefenlimit von 30 m sofort in seinem Forscherdrang. Ich werde mich mit solchen
Pauschalreglementierungen, die Taucher mit unterschiedlichster Erfahrung, Einstellung und Trainingszustand über
einen Kamm scheren, nie anfreunden können. Bei den anderen Tauchplätzen in Dahab stört das Tiefenlimit nicht, am
Canyon aber schon, da so über die Hälfte des Tauchplatzes "off limits" bleibt. Wir verlassen also den Canyon
schließlich durch einen schmalen, nahezu senkrecht nach oben führenden Spalt am westlichen Ende, der nochmal in
zwei kleine Vorhallen führt, die von einer Schule Glasfische bewohnt werden. Zum Austauchen wendet man sich nun am
besten nach Süden. Dort befindet sich der "Canyon Garden", der eigentlich ein
separater Tauchplatz ist. In 15 m Tiefe kann man hier das ganze Repertoire an Rifffischen bewundern, verschiedene
Arten von Drachenköpfen ausmachen oder sich auf Steinfische hocken. Sehr cool sind hier die kleinen Pools südlich des
Einstiegs mit einer Tiefe zwischen 1 und 3 Metern. Gerade am Vormittag, wenn die Sonne hier noch voll reinscheint,
kann man ein wunderbares Farbenspiel beobachten.
Abu Tahal
Dieser Platz besticht durch seinen tollen Steinkorallengarten, den wir im Rahmen eines Drift Dives zum Abu Helal vollständig von Nord nach Süd durchtauchen. Ist ein ziemlich langer Weg, man sollte sich seine Luft gut einteilen. Fischtechnisch gab es nicht allzu viel, lediglich ein mächtig großer Zacki hat kurzfristig unsere Aufmerksamkeit erregt.
Abu Helal
Unser Tauchgang am Abu Helal beginnt in einem 10 m tiefen großen Pool, der etwa 100 Meter lang, 10-20 Meter breit und vollständig vom Korallenriff umgeben ist. Verlässt man den Pool über einen kleinen Sattel und taucht Richtung Süd-Osten erreicht man alsbald das Außenriff und dort einen Canyon, der aussieht wie der Zwilling seines etwas bekannteren, oben beschriebenen Bruders. Allerdings ist der Einstieg dieses Canyons hier erst in 30 m Tiefe, man hat also mit Sicherheit ordentliche 40+ m auf dem Tiefenmesser, wenn man hineintaucht - sofern man eine Öffnung findet, die breit genug ist. Es soll eine geben, ich hab sie aber nicht gefunden. Womit wir bei der Erkenntnis wären, dass man sich den Ausflug zu diesem Canyon getrost sparen sollte, wenn man nicht hineintauchen will. Man vergeudet nur seine Luft und die Korallen in diesem Bereich sind auch nicht gerade das, was man als farbenprächtig bezeichnen würde. Besser wendet man sich da zum Südende des Pools, bei dem wir unser Austauchen absolvieren. Hier hat es ganz schöne und farblich ansprechende Hart- und Weichkorallen und die ein oder andere Nacktschnecke.
Eel Garden
Der Aalgarten hat, wer hätte es für möglich gehalten, seinen Namen von einer Horde Röhrenaale, die auf einer Fläche von der Größe eines Handballfeldes den Meeresboden besetzt halten. Wie ein Wald aus Nadeln sieht das aus der Ferne aus. Je näher man kommt, desto flacher wird der Wald, die Aale scheinen sich umgekehrt proportional zur Entfernung des Tauchers in den Sandboden zurückzuziehen, was eine Beobachtung aus der Nähe äußerst schwierig macht und zu einem Geduldsspiel werden lässt. Ich bin kein sehr geduldiger Mensch, also gebe ich nach 10 Minuten den Versuch der Nahbeobachtung auf und widme mich dem Rest des Tauchplatzes. Die Riffwand hat ein paar nette bunte Stellen, ist jedoch ansonsten nicht von bahnbrechender Qualität. Neben den üblichen Verdächtigen hat es große Langnasendoktoren, Kofferfische, Hornhechte und einen fetten Riesenkugelfisch.
Lighthouse
Was musste ich kürzlich mal wieder in "Europas großer Tauchzeitschrift" sehen?
Ein Bild von einer Strandbar in Dahab mit der Bildunterschrift: "Vermüllt: Das Lighthouse kämpft wie alle
stadtnahen Spots bei Dahab gegen die Abfallflut." Und weiter: "Gut hingegen sind 'Islands' [...] und weiter im Süden
die 'Blocks' und 'Three Pools'". Die Existenz einer Strandbar in Bezug zu setzen zu der Qualität eines Tauchplatzes,
fällt mir an sich schon schwer. Dass manche Leute das Lighthouse als "vermüllt" bezeichnen würden, kann ich auch noch
halbwegs nachvollziehen (siehe unten). Damit aber zu suggerieren, Lighthouse sei ein schlechter Tauchplatz und den
Besuch nicht wert, ist schon ziemlich ignorant und für mich grober Unfug. Das Lighthouse ist neben dem Canyon mein
klarer Favorit in Dahab. Schon tagsüber sind Tauchgänge hier von der besseren Sorte, nachts sind sie ein absolutes
Highlight in Dahab und überhaupt. Man sollte mindestens einen, besser aber mehrere gemacht haben, da am Lighthouse
kein Tauchgang wie der andere ist. Schon beim Einstieg auf dem im 45 Grad-Winkel abfallenden Geröllfeld wartet in
einem halben Meter Wassertiefe ein Bärtiger Drachenkopf auf uns. Fast wäre ich draufgelatscht, was für meinen Fuß
wahrscheinlich deutlich schmerzhafter gewesen wäre als für den Drachen. Mein Buddy tritt dagegen beim Flossenschlag
versehentlich einen großen Igelfisch,
der daraufhin in volle Deckung geht. Im Schein unserer Lampe kommen die Korallenblöcke in Sicht, auf denen sich Dutzende
Federsterne unterschiedlichster Färbung breit gemacht haben. Ihre Arme schwingen in der Strömung auf der Suche nach
Nahrung. Ein Gorgonenhaupt hat es sich ebenso bequem gemacht. Pretty nice! Auf einem Felsen hockt ein Großer Drachenkopf,
deutlich massiger als sein bärtiger Kollege. Direkt daneben sitzt ein Anemonenträger, eine Krebsart, die sich zum Schutz
vor Feinden Seeanemonen auf ihren Panzer pflanzt. Auch noch nie gesehen vorher. In den vielen Ritzen und Spalten hocken
Tanzgarnelen, kleine Schnecken und Krabben. Der mini Teufels-Skorpionsfisch macht die Sippschaft der Skorpionsfische voll,
drei verschiedene Arten während eines Tauchgangs, auch nicht schlecht. Die zwei Rußkopfmuränen öden mich dagegen an. Eine
Dornenkrone hält sich unter einer kleinen Tischkoralle verschanzt, direkt daneben liegt ein Krokodilsfisch, während ein
Einsiedlerkrebs über den Sandboden spaziert. Im Schein der Lampe wagen zwei Hauben-Sepien ein kleines Tänzchen, während
ich unter einem Felsvorsprung einen fetten Rotmeer-Krötenfisch entdecke. Seit
Exmouth hab ich diese Viecher nicht
mehr gesehen, hier sind sie viel größer als im guten alten Oz. Den Steinfisch, der da völlig offen im Sand liegt, hätte
ich übersehen, hätte Guide Rene nicht draufgezeigt. Auf einem kleinen Felsen sehe ich etwas, das ich zunächst für einen
überdimensionalen Plattwurm halte. Ist aber schon verdächtig groß das Vieh und einen gelben Plattwurm mit blauem Rand
hab ich bisher auch noch nie gesehen. Ein Nachschlagen in der Rotmeer-Bibel belehrt mich nach dem Tauchgang, dass es sich
hierbei um eine Blaugeränderte Seezunge handelt, die erst vor wenigen Jahren im Roten Meer entdeckt worden ist.
Überquert man das Geröllfeld vom Einstieg und wendet sich nach Süden gelangt man zu der Müllhalde, die wohl Auslöser für
die Aussage in besagter Tauchzeitschrift ist. Ein Autowrack, von dem aber nur noch ein paar Teile der Karosserie übrig
sind, liegt aufrecht im Seegras, dazu alte Autoreifen, Plastikflaschen und diverse Metallkisten, deren Ursprung nicht
zu ergründen ist. Einerseits ist das Müll, andererseits aber auch wunderbare Verstecke für viele Fische, mit Ausnahme
der Plastikflaschen selbstredend. Über Schiffswracks regt sich schließlich auch kein Mensch auf. In den Metallkisten
finden wir jedenfalls dichtgedrängt acht Rotfeuerfische, an dem Autowrack hat es Drachenköpfe und einen
Pyramiden-Kofferfisch. Zum Austauchen grasen
wir in 1 m Wassertiefe dann das Seegras ab. Wir suchen einerseits Schwanzlose Seenadeln (etwa 30 cm lange schwarze
Viecher, die wie herumtreibende Blätter aussehen) und andererseits - Dornige Seepferdchen. Und wir werden auch in
beidem fündig, was mich besonders bzgl. der Seepferdchen in Begeisterung ausbrechen lässt, da ich bisher noch nie welche
gesehen habe. Lediglich ihren Verwandten, den Weedy Sea Dragons, bin ich in Sydney
schon mal begegnet. Womit die Vermüllungsproblematik auch schon wieder etwas relativiert ist. Seepferchen sind nämlich
von der Gesundheitspolizei und halten sich nur in sehr sauberem Wasser auf.
Islands
Neben Canyon und Lighthouse ist Islands einer meiner weiteren Favoriten in Dahab. Der Tauchplatz besteht aus drei kleinen "Inseln", die keine Inseln sind, sondern Riffe, die bis wenige Meter unter die Wasseroberfläche ragen. Hier hat es neben Abu Tahal die vielleicht schönsten Korallengärten in Dahab, weswegen die Site auch sehr gut zum Schnorcheln ist. Ein Erdbeben hat ein Labyrinth aus Korallen hinterlassen, durch das es Spaß macht hindurchzutauchen. Von Fischseite her gibt es eher wenig, mal ein Barrakudaschwarm, Schnapper oder ein paar Stachelmakrelen. Den Reiz der Site machen eindeutig die Korallen aus.
Swiss Inn Beach
Am Hausriff der Extra-Divers hab ich lediglich einen Nachttauchgang gemacht, der sich aber durchaus
gelohnt hat. Korallentechnisch hat es lediglich einen großen und einen etwas kleineren Korallenblock. Unter beiden
tummeln sich nachts Dutzende Graue Muränen. Wie eine ziemlich schleimige Aalsuppe sieht das aus, wenn die Grauen sich
so umeinander schlängeln. Sehr spaßig ist das Leuchtplankton. Lampen aus und ein paarmal kräftig mit den Armen
gewedelt, schon kommt man sich vor wie in einem Schwarm Glühwürmchen, die in einen Orkan geraten sind. Überall tanzen
kleine leuchtend-grüne Punkte herum. Sehenswert! Andere Taucher haben auch von Seepferdchen berichtet, ich hab sie
leider verpasst.
Southern Oasis
Die Südoase dürfte ihren Namen von den paar Palmen haben, die da am Strand sind und wahrscheinlich die einzigen sind,
die es zwischen Dahab und dem 100 km entfernten Sharm el Sheik hat. Unter Wasser trifft man nach dem Einstieg auf
einen großen Korallenblock, den man genau unter die Lupe nehmen sollten. Einiges an Getier hängt hier in den Spalten
und unter den Überhängen am Boden. Für den Rest des Tauchplatzes wechseln sich Korallenpatches, auf denen Tischkorallen
stehen, mit Sandfeldern ab. Leider sind die Korallen hier nicht in allzu gutem Zustand, deswegen konnte mich dieser
Platz nicht so richtig überzeugen.
Golden Rocks
Der Name dieses Platzes rührt von zwei großen Felsbrocken, die zur richtigen Tageszeit so von der Sonne beschienen werden, dass sie gülden erscheinen. Ich war zur falschen Zeit da, nichts mit goldig. Ansonsten kann ich über diesen Platz nicht viel sagen, da ich ihn nur kurz im Rahmen eines Drifttauchgangs zu Schweizer Franken besucht habe. Da es keine Strömung hatte, war es auch mehr ein Paddel-Tauchgang. Nichts Spektakuläres unterwegs, ein paar Kegelschnecken sind mir im Gedächtnis haften geblieben.
Schweizer Franken
Der Name dieses Platzes rührt nicht von der Vorliebe vonTauchreiseveranstaltern nach harter Kohle her.
Vielmehr war die erste Gruppe, die diesen Platz betaucht hat, mit Tauchern aus der Schweiz und aus Franken bestückt.
So erzählt man sich zumindest. Der Platz ist nicht gerade einer meiner Lieblinge in Dahab, dreimal war ich da und ich
fand's doch eher unspannend. Ein Korallenfeld in eher nicht so tollem Zustand, ein paar Seegraswiesen, wenig Fisch,
wenn man Glück hat, eine Kröte, that's it.
Three Pools
Diesen Platz hab ich im Rahmen eines Drift Dives von Schweizer Franken her besucht. Es handelt sich um drei flache Pools im Korallenriff mit einer Tiefe von maximal 3 m. Die Übergänge zwischen den Pools sind sehr flach, bei Ebbe kann man etwas Probleme haben. Der erste Pool ist von Korallenschutt umgeben, die anderen beiden besser. Am besten gefallen haben mir aber die Felsformationen und Korallen am Ausgang der Pools, wenn man das offene Wasser erreicht. Dieser Teil ist wirklich sehenswert.
Tretboot
Seit zwei Jahren kann man auch in Dahab in den Genuss eines Wracktauchgangs
kommen. Ein 2 m langes Tretboot liegt da in 26 m Wassertiefe. Wie es dahin gekommen ist, weiß keiner so genau,
man darf jedoch vermuten, dass es sich um eine eher wenig spektakuläre Schiffskatastrophe gehandelt hat, die vermutlich
auch keine Menschenleben gekostet hat. Die Erkundung des "Wracks" hat man in dreineinhalb Minuten abgeschlossen.
Ansonsten sieht man die üblichen Riffbewohner, wenn ich diesen Spot allerdings auch nicht als übermäßig fischreich
empfunden habe. Direkt nach dem Einstieg hat es noch einen hübschen kleinen Canyon, anschließend wechseln sich
Korallenplateaus mit Sandrinnen ab.
Umm Sid
Das Beste an Umm Sid sind die bizarren Felsformationen, die man erreicht, wenn man sich nach dem Einstieg zur Rechten wendet. Zur Linken hat es auch ein paar große Tischkorallen. Ansonsten gehört Umm Sid nicht gerade zu meinen favorisierten Plätzen, da hat es Interessanteres in Dahab.
Caves
Caves ist der südlichste Platz in Dahab, den man mit dem Jeep erreichen kann. Man startet den Tauchgang mit einem kleinen Ausflug in einen knapp 10 m langen Tunnel, der von einer Tiefe von 8 m bis direkt unter die Oberfläche geht. Allerdings kann man den Ausgang nur passieren, wenn man sein Gerödel abmacht und durch die schmale Röhre schiebt, was deswegen nicht viel Sinn macht, da man direkt auf dem Riffdach landen würde und ein Spielball der Brandung wäre. Also lässt man das lieber sein und quetscht sich den Weg zurück, den man gekommen ist. Korallentechnisch hat es auf 30 m ein paar nette Blöcke, die es zu erkunden gilt. Zum Abchluß geht es dann in die beiden Höhlen, die dem Platz seinen Namen geben. Eigentlich sind es vielmehr große Überhänge, in denen es ganz schön dunkel ist. Lampe mitnehmen schafft Vorteile. Insgesamt ein netter Platz für einen entspannten Nachmittagstauchgang.
Gabr El Bint
Die Bucht von Gabr el Bint ("Grab der Tochter", wenn mich mein nicht vorhandenes Arabisch nicht täuscht), liegt
bereits im Nabq Nationalpark und ist nur mit dem Boot oder im Rahmen einer Kamelsafari zu erreichen. Zu letzterem
hab ich mich entschlossen, auch wenn 60 € für die Kamele plus die Kosten für die 2 Tauchgänge doch schon ganz
schön viel Holz für einen Tagesausflug sind. Morgens um 6 geht's los, erstmal mit dem Jeep bis hinter Caves,
wo die Beduinen mit den Kamelen schon auf uns warten. Das ganze Tauchgerödel wird
umgeladen und dann sollte man es sich eine gute Stunde lang
auf dem Rücken des Wüstenschiffes so bequem wie möglich machen. Und das ist gar nicht so einfach, denn die Holzgriffe
des Sattels scheuern einem doch schon ganz schön am Hintern. Es ist unglaublich, was so ein Kamel alles schleppen
kann, 4 Tauchflachen plus Sattel plus Rucksäcke plus einen mehr oder weniger übergewichtigen Taucher obendrauf.
Insgesamt so an die 200-300 Kilo kann so ein Vieh schleppen, erzählt Guide Olaf. Gegen 9 Uhr erreichen wir
unser Ziel und kurze Zeit später springen wir auch schon zum ersten Mal zur Erkundung des Nordteils der Bucht ins
Wasser. Die Korallen hier sind wirklich in einem Top-Zustand, besser als alles, was man sonst in Dahab zu sehen
bekommt. Oft hat man an diesem Platz auch Strömung, dann kann man große Zackis und Stachelmakrelen sehen. Wir hatten
mal wieder keine Strömung, trotzdem waren ein paar Zackis da. Eine Green Turtle hat sich von unserer Anwesenheit
ebensowenig beeindrucken lassen. An dem Dropoff hat es große Gorgonien, die mit ihrem nach Süden geöffneten Fächer
eindeutig die vorherrschende Strömungsrichtung anzeigen. Nach 30 Minuten verlassen wir den Dropoff und tauchen durch
eine flache Lagune mit wunderbaren Hart- und Weichkorallen zurück zum Ausgangspunkt, wo uns schon die Schokofüßchen
(hoffe, das wird mir jetzt nicht rassistisch ausgelegt) zu Tee und Hühnchen mit Reis erwarten. Nach unserer verdienten
Oberflächenpause geht's in den Süden der Bucht unter Wasser. Dieser Platz hat von seiner Charakteristik eher was von
Bells, es ist eine Steilwand die senkrecht irgendwo unterhalb von 100 m im Dunkelblau verschwindet. Auch hier sind
die Korallen 1 a) und die Stunde Tauchzeit geht leider viel zu schnell vorbei. Bevor wir uns auf den
Rückweg machen, besuche ich noch die sanitären Anlagen, die aus
einem kleinen Hügel bestehen, hinter dem sich jeder so sein Plätzchen suchen kann (Männlein rechts, Weiblein links,
Klopapier nicht vergessen). Die Kamelsafari kann ich wirklich jedem nur wärmstens ans Herz legen, kostet
zugegebenermaßen ein paar Euro, dafür hat man aber auch einen hohen Spaßfaktor.
Für das gleiche Geld, das man für eine Kamelsafari hinlegt, kann man von Dahab aus auch einen Tagesausflug zum Ras Mohamed machen. Ob sich das lohnt, kann man hier nachlesen.
Fazit: Alles in allem hat mir Dahab gut gefallen. Gerade Neulingen wird dort viel geboten, die Tauchplätze sind durchweg ohne Strömung und nirgendwo außer im Canyon muss man in große Tiefen, um was zu sehen. Ein zweites Mal würde ich allerdings nicht dorthin fahren, nicht weil es mir nicht gefallen hat, sondern weil es bis auf ein paar Ausnahmen nicht so viel Neues für mich zu sehen gab. Weiterhin ist die exzessive Bautätigkeit in Dahab nicht zu übersehen, an den Stränden werden haufenweise Hotels hochgezogen. Ich befürchte, in spätestens fünf Jahren ist es da so überlaufen, dass man gar nicht mehr hinfahren mag. Die Hoffnung, dass aus Dahab kein zweites Sharm el Sheik wird, wird sich wohl nicht erfüllen.