Wenn man schon mal auf dem Sinai ist, darf natürlich auch ein Tagesausflug zum Ras Mohamed nicht fehlen, auch wenn das von Dahab aus nur mit Aufstehen um 6 Uhr zu bewältigen ist. Also ab in den Minibus und eineinhalb Stunden später stehen wir in Sharm el Sheik vor den Toren des Sinai Dive Clubs, auf dessen Boot "Angelina 1" wir den heutigen Tag verbringen werden. Schon bei der Fahrt durch das Touristenzentrum Naama Bay bin ich froh, mich für Dahab und nicht Sharm el Sheik als Urlaubsort entschieden zu haben. McDonalds, Burger King und KFC sind aneinandergereiht an diverse Luxushotels, vor denen eine nicht unbeträchtliche Zahl von Nobelkarossen auf ihre Besitzer warten. Überall hübsch ordentlich gepflasterte Gehwege und wie mit dem Lineal angelegte Grünflächen. So stelle ich mir eher die Côte d’Azur vor. Am Hafen wartet dann eine Hektik auf uns, gegen die das Geschrei auf dem Basar in Hurghada die reinste Quelle der Stille ist. So an die 60-80 Boote werden da gleichzeitig mit Tauchgerödel und ihren Besitzern beladen, ständig läuft man Gefahr, von einem Wägelchen mit Tauchflaschen überrollt zu werden, überall sind gestikulierende Guides auf der Suche nach dem richtigen Boot. Nee, nee, wenn man da keine starken Nerven hat, ist man spätestens nach drei Tagen herzinfarktgefährdet. Wir schaffen es schließlich unfallfrei auf unser Boot und laufen gegen 9 Uhr endlich Richtung Ras Mohamed zu unseren drei Tauchgängen aus.
Ras Za'Atar
Unser erster Spot ist Ras Za'Atar. 25 Taucher versammeln sich hier gleichzeitig auf der Plattform und müssen quasi während der Fahrt gleichzeitig ins Wasser hüpfen, da das Boot hier nirgends festmachen kann. Für Bootsneulinge und weniger erfahrene Taucher kann das in ganz schönen Stress ausarten. Der Tauchplatz selbst ist durch eine nette Steilwand gekennzeichnet, die so 100 m senkrecht in die Tiefe geht. Hübsche Hart- und Weichkorallen sind zu finden, in den prächtigen Gorgonien kann man Langnasen-Büschelbarsche entdecken. Unangenehm ist die große Anzahl an Tauchern, was kein Wunder ist, wenn fünf Boote gleichzeitig ihre Taucher ins Wasser lassen. Am besten bleibt man nach dem Sprung ins Wasser erstmal 5 Minuten auf 10 m hocken, lässt die Meute an sich vorbei und taucht dann gemütlich hinterher.
Fazit: Die Tauchplätze selbst sind wirklich toll, prima Dropoffs und tolle Korallen. Haie sucht man hier allerdings vergebens, was evtl. auch mit der Unmenge an Tauchern zu tun hat, die hier inzwischen unter Wasser geht. Das ist das größte Manko an Ras Mohamed, es ist – wie auch viele andere Spots in Ägypten – total übertaucht. Wenn man 100 Taucher gleichzeitig im Wasser hat, wird es halt etwas voll. Unser Boot war ebenfalls ziemlich überbucht, für manche Leute ist das der reinste Stress. Ich war froh, mir dieses Gewusel nicht jeden Tag antun zu müssen, sondern abends wieder in Dahab zu sein und ein gemächliches Sakara in der gemütlichen Beach Bar schlürfen zu können.