Tauchen am Ras Mohamed

September 2002

Wenn man schon mal auf dem Sinai ist, darf natürlich auch ein Tagesausflug zum Ras Mohamed nicht fehlen, auch wenn das von Dahab aus nur mit Aufstehen um 6 Uhr zu bewältigen ist. Also ab in den Minibus und eineinhalb Stunden später stehen wir in Sharm el Sheik vor den Toren des Sinai Dive Clubs, auf dessen Boot "Angelina 1" wir den heutigen Tag verbringen werden. Schon bei der Fahrt durch das Touristenzentrum Naama Bay bin ich froh, mich für Dahab und nicht Sharm el Sheik als Urlaubsort entschieden zu haben. McDonalds, Burger King und KFC sind aneinandergereiht an diverse Luxushotels, vor denen eine nicht unbeträchtliche Zahl von Nobelkarossen auf ihre Besitzer warten. Überall hübsch ordentlich gepflasterte Gehwege und wie mit dem Lineal angelegte Grünflächen. So stelle ich mir eher die Côte d’Azur vor. Am Hafen wartet dann eine Hektik auf uns, gegen die das Geschrei auf dem Basar in Hurghada die reinste Quelle der Stille ist. So an die 60-80 Boote werden da gleichzeitig mit Tauchgerödel und ihren Besitzern beladen, ständig läuft man Gefahr, von einem Wägelchen mit Tauchflaschen überrollt zu werden, überall sind gestikulierende Guides auf der Suche nach dem richtigen Boot. Nee, nee, wenn man da keine starken Nerven hat, ist man spätestens nach drei Tagen herzinfarktgefährdet. Wir schaffen es schließlich unfallfrei auf unser Boot und laufen gegen 9 Uhr endlich Richtung Ras Mohamed zu unseren drei Tauchgängen aus.

Ras Za'Atar

Unser erster Spot ist Ras Za'Atar. 25 Taucher versammeln sich hier gleichzeitig auf der Plattform und müssen quasi während der Fahrt gleichzeitig ins Wasser hüpfen, da das Boot hier nirgends festmachen kann. Für Bootsneulinge und weniger erfahrene Taucher kann das in ganz schönen Stress ausarten. Der Tauchplatz selbst ist durch eine nette Steilwand gekennzeichnet, die so 100 m senkrecht in die Tiefe geht. Hübsche Hart- und Weichkorallen sind zu finden, in den prächtigen Gorgonien kann man Langnasen-Büschelbarsche entdecken. Unangenehm ist die große Anzahl an Tauchern, was kein Wunder ist, wenn fünf Boote gleichzeitig ihre Taucher ins Wasser lassen. Am besten bleibt man nach dem Sprung ins Wasser erstmal 5 Minuten auf 10 m hocken, lässt die Meute an sich vorbei und taucht dann gemütlich hinterher.

Shark Reef / Yolanda Reef

Der zweite Spot ist einer der wohl bekanntesten im Roten Meer. Der Einstieg ist dasselbe Spiel wie zuvor, ein Boot nach dem anderen nähert sich der Riffwand und gemeinsam springen wir ins Wasser. Dort wartet direkt eine Riesenschule Großer Barrakudas auf uns und zieht 5 m unter uns an der Riffwand entlang. Dazwischen ein paar Pompanos und große Stachelmakrelen. Auch hier wachsen überall wunderbare Korallen, alles sehr farbenfroh. Am westlichen Ende findet man Reste der Ladung der "Yolanda", einem Frachter der 1981 hier sank und in unerreichbare Tiefen abgerutscht ist. Eine Unmenge von Kloschüsseln und Waschbecken liegt hier herum, dazu Rohre, Kabel, Masten und diverser anderer Schrott. Wie kämpfen gegen eine starke Strömung an und drehen zwei Runden über die Klos, bevor wir schließlich auftauchen.

Die anschließende Mittagspause wird zum Schnorcheln genutzt, was hier absolut empfehlenswert ist. Ein Gewusel von Rifffischen tummelt sich auf dem Riffdach und einen 100 m Dropoff mit tollen Felsformationen mal von oben aus der Schnorchlerperspektive zu betrachten, hat auch was für sich.

Shark Observatory

Wir beschließen unseren Ausflug mit einem Tauchgang am Shark Observatory, von der Charakteristik her ziemlich wie Ras Za'Atar. Das Observatorium ist eine Steilwand, die man entweder von West nach Ost oder Ost nach West, je nach Strömung entlangtaucht. Oder man beginnt im Westen und dreht dann mittendrin um, weil einem die Strömung plötzlich unangenehm ins Gesicht bläst. Selbstverständlich haben wir dieses Glück. Auch am Observatorium finden sich mächtige Gorgonien und farbenprächtige Weichkorallen. Ein paar Skorpionsfische erblicken wir, dazu Riesenmuränen und meine Freunde, die Büschelbarsche.

Fazit: Die Tauchplätze selbst sind wirklich toll, prima Dropoffs und tolle Korallen. Haie sucht man hier allerdings vergebens, was evtl. auch mit der Unmenge an Tauchern zu tun hat, die hier inzwischen unter Wasser geht. Das ist das größte Manko an Ras Mohamed, es ist – wie auch viele andere Spots in Ägypten – total übertaucht. Wenn man 100 Taucher gleichzeitig im Wasser hat, wird es halt etwas voll. Unser Boot war ebenfalls ziemlich überbucht, für manche Leute ist das der reinste Stress. Ich war froh, mir dieses Gewusel nicht jeden Tag antun zu müssen, sondern abends wieder in Dahab zu sein und ein gemächliches Sakara in der gemütlichen Beach Bar schlürfen zu können.

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