Silhouette Kapstadts vom Meer aus

Prolog St. Helena - Kapstadt Stopover

März 2025

Ein paar Minuten früher als geplant setzt die Boeing 777 der KLM abends um 21:19 Uhr nach 11 Stunden Flug auf der Landebahn von Kapstadt auf. Nach 18 Jahren bin ich zurück in Südafrika, wenn es auch nur eine kurze Stippvisite auf der Durchreise nach St. Helena wird. Immerhin werde ich nach dem Inselaufenthalt nochmal für fünf Tage den Osten des Landes besuchen, um im Kruger Park auf die Suche nach den Big 5 zu gehen. Aber das ist noch Zukunftsmusik, jetzt freue ich mich erstmal auf 2 Tage in Kapstadt.

Der Fahrer des über booking.com gebuchten Flughafentaxis holt mich am Ausgang ab und kutschiert mich in 30-minütiger Fahrt zum Holiday Inn Express. Das Hotel liegt strategisch günstig in der Innenstadt ("City Bowl") an der St. Georges Mall, nur 2 Blöcke von der Hauptgeschäftsstraße "Long Street" entfernt. Der Blick aus dem Fenster auf die graue Betonfassade des Nachbargebäudes versprüht zwar so gar kein Urlaubsfeeling, aber ansonsten ist das Zimmer ganz gemütlich. Für 3 Nächte kann man es hier sehr gut aushalten.

Tag 1: DO, 20.03., Kapstadt - V&A Waterfront

Da ich Ende 2004 schon mal drei Wochen in Kapstadt verbracht und dabei einen Großteil der Sehenswürdigkeiten besichtigt habe, fällt mir die Entscheidung, wie ich die zwei Tage hier eigentlich gestalten soll, etwas schwer. Nach einem späten, eher mittelmäßigen Frühstück spaziere ich zur V&A Waterfront, um zu schauen, ob sich dort in den letzten 18 Jahren was verändert hat. Verändert hat sich auf jeden Fall schon mal die Sicherheitslage in der Stadt, die nach meinem Empfinden deutlich besser geworden ist. Zumindest tagsüber. Damals war es nicht unbedingt empfehlenswert, die gut 2 Kilometer alleine zu Fuß zu gehen. Heute ist das überhaupt kein Problem. An vielen Kreuzungen stehen Sicherheitsleute oder Freiwillige der Nachbarschaftswache und sorgen für Sicherheit auf den Straßen. Auch sind zwischen Long Street und V&A Waterfront immer viele Touristengruppen und Studenten der an der Waterfront Auf dem Flohmarkt am Greenmarket Square kann man täglich, außer sonntags, Klamotten und kunsthandwerkliche Produkte erwerben. beheimateten Bildungseinrichtungen unterwegs, sodass man einfach nur mit dem Strom gehen muss. 40 Minuten dauert mein Spaziergang, bis ich schließlich am Eingang zur Waterfront stehe und die Aussicht auf den Tafelberg genießen kann, die nur durch ein paar Hochhäuser und einen Baukran etwas gestört wird.

Ich spiele kurz mit dem Gedanken, mich in einen Helikopter zu setzen, um mir Kapstadt von oben anzugucken. Beim Blick auf die Preistafel verwerfe ich den Gedanken aber gleich wieder: 1400 EUR kostet der einstündige Flug und ist damit viermal so teuer wie mein Rundflug über Kauai vor 6 Jahren. Wobei ich nicht ergründen kann, ob das wirklich der Preis pro Person oder der für den gesamten Hubschrauber ist. Stattdessen begebe ich mich um 13 Uhr auf ein Segelboot, das laut Anpreisung des Verkäufers an der Küste entlang gen Südwesten fahren soll, vorbei am zur WM 2010 erbauten Green Point Stadium bis zu den Twelve Apostels, und dann zurück. Die tatsächliche Route hat mit der Werbung dann nicht viel zu tun: Mit Motorunterstützung fahren wir ein paar Meter raus nach Norden Richtung Robben Island, um dann die Maschine abzustellen und die Segel zu hissen. Da es aber überhaupt keinen Wind hat, ist das nur bedingt sinnvoll; wie Treibholz dümpeln wir vor uns hin. Der Stimmung tut das keinen Abbruch; zwei kühle Savannah und ein paar herumtollende Pinguine sorgen genauso für gute Laune, wie ein paar Südafrikanische Seebären, die es sich auf einer Boje gemütlich eingerichtet haben. Nach einer guten Stunde sind wir zurück an der Waterfront.

In den nächsten zwei Stunden streune ich übers Gelände und durch die Läden, deren Anzahl sich seit meinem letzten Besuch mindestens vervierfacht hat. Das ganze Areal ist eine einzige, riesige Fress- und Shopping-Meile. Den Besuch des Aquariums spare ich mir genauso wie eine Fahrt auf dem Cape Wheel: Angesichts der tief hängenden Wolken und des inzwischen eingesetzten Regens dürfte die Aussicht aus 40 Meter Höhe kaum besser sein als vorhin von dem Treibgut aus. Stattdessen mache ich mich auf den Weg, um das Green Point-Stadion aus der Nähe zu betrachten. Knapp 20 Minuten soll der Weg zu Fuß über den Granger Bay Blvd dauern, aber schon nach 100 Metern des Laufens auf der einsamen Straße fühle ich mich angesichts der wenig heimeligen Sozialbauten entlang des Weges dermaßen unwohl, dass ich mein Vorhaben verwerfe und lieber zurück zur Waterfront gehe, um im Quay Four ein verspätetes Mittagessen in Form von Fish & Chips zu mir zu nehmen. Anschließend bleibt noch Zeit, um T-Shirts und Kuscheltiere zu shoppen, bevor ich mich auf den Rückweg ins Hotel mache.

Den Abend vergammele ich auf dem Hotelzimmer, bis mich gegen 20 Uhr doch noch ein kleines Hüngerchen überkommt. Da ich wenig Lust verspüre, alleine im Dunkeln durch Kapstadt zu streunen, marschiere ich ins nur einen Block entfernte Bukhara in der Church Street, obwohl ich ansonsten kein großer Freund der indischen Küche bin. Das "Saag Meat" (Lamm-Curry mit Spinat) ist aber tatsächlich hervorragend, sodass ich später gut gestärkt für meine morgige Tour in die Federn sinke.

Tag 2: FR, 21.03., Kapstadt - Tafelberg

Ich lasse den Tag wieder gemächlich angehen und mache mich erst um 11:30 Uhr auf den Weg, um den Tafelberg zu erklimmen. Um mir den vollen Spaß zu geben, spare ich mir die Taxifahrt und absolviere die ganze Tour per pedes unter kurzer Zuhilfenahme der Seilbahn.

Meine erste Station, direkt an der St. Georges Mall gelegen, ist der 1650 zum Zwecke des Obst- und Gemüseanbaus von der niederländischen Ostindien-Kompanie angelegte Company's Garden. Neben einigen historischen Gebäuden beherbergt der Stadtpark auch einige Museen, eine Kunstgalerie, ein Planetarium, einen Rosengarten, den ältesten Birnbaum Südafrikas und das Delville Wood-Memorial. Man könnte im Park auch gut einen ganzen Tag verbringen.

Über die trendige Kloof Street geht es weiter zur Bellevue Street - mit 25 % Steigung die steilste Straße Kapstadts. Man sollte ordentlich hydriert sein, ansonsten besteht Wadenkrampf-Gefahr, wenn man nach endlosen 600 Metern endlich die Hauptstraße Kloof Nek Rd erreicht. Der muss man für ziemlich nervige 700 Meter folgen, bis man den Abzweig zur Tafelberg Rd erreicht. Ab hier wird es pittoresk: Belohnt wird man direkt mit einem schönen Ausblick auf den 669 m hohen Lion's Head zur Linken und einem ersten Panorama über die gesamte Innenstadt bis zum Meer.

Nach eineinhalb Stunden Latscherei erreiche ich die Talstation der Seilbahn auf den Tafelberg. Rechts davon startet der "India Venster Trail". Der Blick nach vorne lässt erahnen, warum die meisten Touristen die Fahrt mit der Seilbahn bevorzugen. Sie verpassen in der vollgestopften, sich ständig drehenden Kabine allerdings die Möglichkeit, die fantastische Aussicht in aller Ruhe zu genießen.

Nach 450 m kreuzt der India Venster Trail den parallel zum Hang verlaufenen "Contour Path", auf den ich jetzt abbiege, da ich nicht wieder – wie 2004 – die "Suicide Route" mit teils senkrechten Kletterpassagen gehen will. Im Jahr 2009 wurden zwar wegen der vielen tödlichen Unfälle an den schwierigsten Stellen Ketten und Leitern installiert, aber trotzdem bleibt der "India Venster Trail" eine anspruchsvolle Route, die man nur bei guter Fitness und vor allem nicht alleine in Angriff nehmen sollte. Stattdessen folge ich also lieber dem flach am Hang entlang führenden Contour Path gen Osten.

Nach einem entspannten Spaziergang erreiche ich nach 1,6 Kilometern den "Platteklip Gorge". Ab hier wird es hässlich: Der Platteklip Gorge ist im Prinzip eine 1,5 km lange Treppe hinauf aufs Tafelberg-Plateau. Blöderweise ist die Höhe der Stufen weit entfernt von jeder DIN-Norm, was die Oberschenkel früher oder später mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Brennen bringt. Zwar ist es mit 26 Grad nicht übermäßig heiß, aber die hohe Luftfeuchtigkeit trägt auch nicht dazu bei, den Aufstieg angenehm zu gestalten. Scheinbar endlos windet sich der Pfad nach oben. Ich frage einige entgegen kommende Absteiger, wie weit es noch ist. Die Antworten reichen von "10 Minuten" bis "1 Stunde" und sind daher nicht besonders belastbar. Also einfach weiter - umkehren ist nicht. Nach 75 Minuten Treppenklettern und einer Gesamt-Gehzeit von 4 Stunden ist es schließlich geschafft: Komplett im Arsch stehe ich auf dem Tafelberg-Plateau. Belohnt werde ich für die Mühen mit einer Aussicht, die gegen null geht. Also eigentlich ist sie komplett null.

Da mit Panoramablick nicht allzuviel ist, streune ich über einen Teil des Rundwegs, der das Plateau schmückt, und lese ein paar der zahlreichen Hinweistafeln, die die vielfältige Flora und Fauna, sowie die Geografie der Umgebung erläutern. Nichts, was ich dauerhaft behalten könnte. Da bei Erreichen der Bergstation der Seilbahn immer noch keine Sicht in Sicht ist, mache mich geschwind auf den Weg nach unten. Nur 6 Minuten dauert die Fahrt durch den einsetzenden Nieselregen. Ich überlege kurz, ob ich ein Taxi zurück ins Hotel nehmen soll, aber da es sich bergab deutlich schneller laufen lässt als bergauf, absolviere ich die letzte Stunde jetzt auch noch zu Fuß.

345 Minuten, 3 Liter Wasser und 1 Liter Cola nach dem Start bin ich um 17:15 Uhr zurück im Hotel. Es reicht gerade noch für eine schnelle Dusche, bevor es schon wieder zur V&A Waterfront geht, wo wir uns mit einem Teil der St. Helena-Tauchtruppe zum Kennenlern-Dinner im Kapstadt Brauhaus treffen. Drinnen ist der Lärmpegel leider unerträglich, aber zum Glück hat der Laden eine Terrasse, wo wir, begleitet von ein paar Regentropfen, diversen Castle Lager und einem schmackhaften Abendessen, den südafrikanischen Herbst willkommen heißen. Irgendwann nach 22 Uhr machen wir uns nach einem lustigen Abend auf den Heimweg, der dieses Mal per Uber absolviert wird, da Laufen im Dunkeln, wie bereits oben erwähnt, nicht die schlaueste Option in südafrikanischen Großstädten ist. Ich packe noch schnell meinen Kram zusammen und lausche dann flugs am Kopfkissen, um ausgeschlafen die morgige Weiterreise nach St. Helena antreten zu können.

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