Strand auf der Westseite von Maratua

Maratua, Kakaban, Sangalaki

November 2007

Ein bisschen graut mir ja schon wieder vor der langen Anreise, als ich morgens um 7 meine Kölner Wohnung verlasse und den ICE zum Frankfurter Flughafen besteige. Der Singapore Airlines Jumbo karrt unsere 12köpfige Tauchgruppe sowie 300 andere Passagiere in 12 Stunden nach Singapur, wo es erstmal eine kurze zweistündige Verschnaufpause gibt. Die 3 Flugstunden nach Balikpapan im Südosten Borneos sind in dem kompfortablen Silk Air Flieger dann auch schnell abgehakt. Unschön sind die 4 Stunden, die wir dann auf dem Provinzflughafen rumhängen müssen, bis es schließlich mit dem kleinen Propellermaschinchen der Trigana Air weiter gen Norden geht. Der Flieger macht nicht gerade einen vertrauen­erweckenden Eindruck und die Beinfreiheit erinnert mich doch stark an die Busse, mit denen ich im Jahre '97 durch Malaysia kutschiert bin – nicht gerade für Mitteleuropäer ausgelegt. Zum Glück dauert der Flug aber nur eine Stunde, bis wir Tanjungredeb (Berau) erreichen.

In den Straßen von Berau In den Straßen von Berau Dort werden wir schon von ein paar freundlichen Einheimischen erwartet, die uns und unser Gepäck Richtung Berau River karren, wo ein Speedboot des Maratua Paradise Resorts auf uns wartet. Nachdem alles umgeladen ist, geht es mit selbigen dann nochmal 3 Stunden über den Berau River und durch die Celebessee bis nach Maratua, wo wir todmüde nach 30 Stunden Anreise ankommen. Für die nächsten 14 Tage wird dies unser Ausgangspunkt für allerlei spannende Tauch- und Schnorchelexkursionen sein. Insbesondere auf die Mantas vor Sangalaki und den Jelly Fish Lake auf Kakaban, der den bekannteren See auf Palau in punkto Artenvielfalt deutlich übertreffen soll, freue ich mich schon besonders.

Auf Maratua gibt es lediglich drei kleine Dörfer, die durch Trampelpfade miteinander verbunden sind. Das meistbenutzte Fortbewegungsmittel sind Mofas und die eigenen Beine, Autos gibt es nicht. Bis auf das Tauchresort, welches auch das einzige auf der mehrere Kilometer langen Insel ist, gibt es keinerlei touristische Infrastruktur1). Alles, was man benötigt, sollte man von zu Hause mitbringen, im Resort gibt es außer ein paar Souvenirs nichts zu kaufen. Dementsprechend ist dies auch nur ein Ziel für Taucher, nichttauchende Mitreisende sind hier relativ fehl am Platze. Das Resort ist sehr schön und zu einem großen Teil auf Stelzen erbaut. Im offenen Restaurantbereich werden dreimal am Tag sehr schmackhafte Mahlzeiten serviert. Nur Nutella für's Frühstück sollte man sich besser selbst mitbringen... Getaucht wird in Maratua 4 mal am Tag. Morgens, mittags und nachmittags geht's mit dem Boot an eine der größtenteils an der Westseite der Insel liegenden Tauchplätze. Abends kann man dann nochmal direkt am Pier des Resorts zu einem Nacht- oder Dämmerungstauchgang ins Wasser hüpfen. Je 1x pro Woche geht es zu einem Tagestrip nach Kakaban (25 min entfernt), um den Jellyfish Lake zu besichtigen oder zum 45 min entfernten Sangalaki, um sich mit den Mantas zu vergnügen. Bei allen Tauchgängen vor Maratuas Küste taucht man an einer Wand entlang. Vor allem im Norden der Insel fällt diese Wand senkrecht in die Tiefe, während es bei den südlichen Tauchplätzen eher ein 45 Grad-Winkel ist. Wer keine Steilwände mag, sollte sich gut überlegen, ob dies der richtige Ort für ihn ist. Lediglich bei den Plätzen von Sangalaki taucht man über ebenen Sandboden durch Korallengärten, wie man es auch von vielen Plätzen aus dem Roten Meer her kennt.

Maratua

Keine 2 min Bootsfahrt vom Resort entfernt liegt der Platz House Reef, den wir zum Eingewöhnen aufsuchen. Bei 28 Grad Wassertemperatur macht das Tauchen doch direkt wieder Freude. Auch die vielen Kröten und einige Büffelkopf-Papageifische tragen zur guten Laune bei. Korallentechnisch hat dieser Platz allerdings nicht so viel zu bieten.

Ein Baskenmützen-Zackenbarsch (Epinephalus fasciatus) beäugt uns etwas misstrauisch. Noch weniger zu bieten hat das Mid Reef, welches sich gleich nördlich ans Resort anschließt. Dies ist eigentlich der Platz, an dem oft Fuchshaie gesichtet werden, weswegen unser Guide Asnar diesen Platz auch zu seinen absoluten Lieblingsplätzen zählt. Leider lässt sich bei unseren beiden Tauchgängen hier aber keine Haiflosse blicken. Und ohne Haie ist hier nicht viel los, auch ein paar bunte Nemos oder der einsame Trompetenfisch können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Riff hier totaler Bruch ist. Es sieht aus, als wär hier in den letzten 20 Jahren fleißig mit Dynamit gefischt worden. Dies ist wie vielerorts in Asien leider auch noch hier gängige Praxis, mehrmals hören wir es während unserer Tauchgänge in einiger Entfernung ordentlich krachen.

Trompetenfisch an der letzten Kokosnuss Deutlich besser zeigt sich Last Sand Coconut. Der Platz befindet sich am letzten mit Kokospalmen bewachsenen Sandstrand in Richtung Norden, daher der Name. Nördlich dieses Strandes ist es nicht mehr möglich, die Insel vom Wasser aus zu betreten, da sich die Küstenlinie steil und felsig präsentiert. Unter Wasser tobt an diesem Platz das Leben, "Fischsuppe" notiere ich in mein Logbuch. Wunderbare Korallen haben das Riff besetzt und auch Kröten gibt es hier en masse. Netter Platz, den wir während unseres Aufenthalts 2x besuchen.

Prachtsternschnecke "Chromodoris geminus" Ebenso schön zeigt sich Fusilier Paradise, die Beschreibung von Last Sand Coconut lässt sich unverändert übernehmen: Kröten, Korallen, Fischsuppe, garniert mit ein paar Muränen und Schnecken. Der Platz macht seinem Namen alle Ehre, wo man nur hinguckt schwimmen Schwärme von Füsilieren herum. Dazu hat es einzelne Thune, Barrakudas und auch ein paar Stachelmakrelen. Wer es mit Anglerfischen hat, sollte immer schön beim Guide bleiben, ein grünes Exemplar ist hier heimisch, welches die Guides nahezu immer finden.

Noch freundlicher kann man ja kaum in die Kamera gucken... Der nächste Platz Richtung Norden heißt Fantasy Wall und ist einer meiner Lieblingsplätze auf Maratua. Senkrecht fällt die Wand hier in die Tiefe, der Boden liegt irgendwo bei 100 m. Schöne Gorgonienfächer wachsen an der Wand. In einem davon hat sich ein Pygmäenseepferdchen verkrochen, welches wir ohne Asnar natürlich niemals gefunden hätten. Leider ist es aufgrund der relativ starken Strömung kaum möglich, mit meiner kleinen Kompaktknipse eine vernünftige Aufnahme hinzukriegen. "Keep it in mind", ist daher angesagt. In einer kleinen Höhle in der Wand entdecke ich einen Barramundi, seit Australien 2000 habe ich keinen mehr gesehen. Durch das Wasser tanzt ein kleiner Plattwurm. Farbenprächtige Nacktschnecken sitzen in der Wand. Und zum Abschluss des ersten Tauchgangs flattert auch noch ein Manta über uns drüberweg. Natürlich springen wir daher noch weitere 2x hier ins Wasser. Beim ersten Mal werden wir mit einer gebänderten Seekobra belohnt, die sich auf der Suche nach Nahrung durch's Freiwasser schlängelt. Beim zweiten Mal zeigt sich die Fantasiewand dann von ihrer trüberen Seite: "Dark, shit viz, not worth the effort" schreibe ich in mein Logbuch. Am Tag vorher sind die Ausläufer eines Taifuns über uns hinweg gefegt. Dementsprechend trübe sieht es nun unter Wasser aus. Shit happens...

Die Hanging Gardens haben ihren Namen von den Unmengen Gorgonienfächern, die an diesem Platz die Steilwand besetzt halten. Tonnen von Federsternen haben sich auf ihnen niedergelassen, so dass der ein oder andere Fächer nahezu von deren Gewicht erdrückt wird. Etwas unangenehm fallen die vielen Dornenkronen auf, die sich auf dem Riffdach tummeln. Sehr viel angenehmer finden wir dagegen den freundlichen Adlerrochen, der zu einer kurzen Runde ansetzt und an uns vorbeifliegt. Prima Platz, um sich hier 2 bis 3x zu versenken.

Nur 1x versenke ich mich dagegen am Eel Garden. Ich finde den Platz einfach langweilig, da kann auch der eine Adlerrochen, der mal ganz kurz vorbeischaut, nichts retten. "Keine Aale, keine Korallen, scheiß Sicht" ist ungefähr das, was ich ansonsten mit diesem Platz verbinde. Aber wie schon oben gesehen, können sich die Bedingungen ja sehr schnell ändern, vielleicht habe ich einfach den falschen Tag erwischt.

Sepia Sehr klasse ist dagegen CCM Paradise. "CCM" sind die Initialen des Besitzers der Tauchresorts, der diesen Platz wohl als erster betaucht hat. Und da hat er gut dran getan, denn die beiden Abstiege, die wir hier machen, sind vom Feinsten. Ordentlich Strömung sorgt dafür, dass es viel Fischiges hat. In 40 m Tiefe lungern zwei große Stachelrochen herum und knuddeln. Als wir mit der Strömung heranrauschen, fühlen sie sich allerdings in ihrer Intimsphäre gestört und suchen schleunigst das Weite. Nicht weit entfernt hat sich ein Leopardenhai niedergelassen, an den ich mich aber nicht so ganz herantraue. Nicht wegen des Hais sondern wegen der anderen vier Fotografen, die noch in der Gruppe tauchen und mir sofort die Luft abdrehen würden, würde ich das Vieh verscheuchen. Ebenfalls auf Distanz halten wir uns von dem riesigen Schwarm Fledermausfischen, der noch 10 m unter uns vorbeizieht. Von weitem sieht der Schwarm aus wie eine einzige wabernde graue Masse, Bäumchenkoralle ich kann mich nicht erinnern, vorher jemals so viele Fledermäuse auf einen Haufen gesehen zu haben. Außer im australischen Outback in Katherine Gorge, aber das zählt hier nicht. Wir treiben weiter an der Wand entlang und spotten einen großen Schwarzpunktrochen, der sich in einer Nische in der Wand verschanzt hat und uns keines Blickes würdigt. Ich kann's immer noch nicht fassen, dass sich Steve Irwin von so einem Kerl hat umbringen lassen. Nett ist auch die Sepie, die je nach Laune ihre Farbe wechseln kann und heute mal in ruut un wieß daherkommt. Wie für uns Kölner bestellt. Mein Liebling hier ist aber fast noch die winzige Orang-Utan-Krabbe, die in bestimmten Anomenenarten haust. Unüberraschenderweise heißt sie so, weil sie mit ihrem roten Körper und den zottelig behaarten Beinen eben genau wie ein Orang Utan aussieht.

Ebenfalls sehr schön ist das Lighthouse, an der Nordspitze der Insel gelegen und daher auch meist mit reichlich Strömung gesegnet. Der Tauchgang beginnt an einer vertikalen Wand, in dessen Spalten sich der ein oder andere Meeresbewohner verkrochen hat. Schon beim Abstieg spotten wir einen Okki, der sich nur durch sein Auge verrät. Im Vorbeiflug erspäht Asnar einen grünen Schaukelfisch und erneut eine Orang-Utan-Krabbe. Wie man das hinkriegt, wenn man so an der Wand vorbeifliegt, ist mir ein ziemliches Rätsel. Nach einer Weile lässt die Strömung nach und die Steilwand geht in einen mit Gorgonien besetzten "Slop-Off" über, bis wir in einem schönen Korallengarten auf dem Riffdach austauchen. Dort treiben sich dann die üblichen Korallenriffverdächtigen herum. Sehr schöner Platz, der mehr als einen Abstieg verdient gehabt hätte.

Maratuas Top-Platz heißt Big Fish Country und liegt auf der Ostseite der Insel. Selbst mit Volldampf dauert die Anfahrt vom Maratua Paradise Resort aus ca. 30 Minuten, weswegen der Platz leider nur 1x pro Woche angesteuert wird. Er liegt an der Mündung des Kanals, der Maratua von der kleinen Insel "Nabucco" trennt, in den offenen Ozean. Bei Gezeitenwechsel hat es hier eine mächtige Strömung, so dass i.d.R. mit Riffhaken getaucht wird, damit man sich das Großfischtreiben ganz in Ruhe angucken kann. Auf Nabucco befindet sich im übrigen die einzige weitere Tauchbasis des Atolls1), von hier aus ist das Großfischland in nur ein paar Minuten erreichbar. Unseren ersten Tauchgang hier beginnen wir nördlich der Mündung und treiben gemächlich in 25 m Tiefe an der Steilwand entlang. Noch ist von Strömung nicht viel zu merken. Das ändert sich, als wir die Mündung erreichen, von einem Moment auf den anderen zieht es ganz gewaltig und wir holen die Riffhaken raus, um uns durch den Kanal auf die andere Seite zu schlagen. Denn dort steht in 12 m Tiefe der größte Barrakudaschwarm, den ich in meinem Taucherleben je gesehen habe. Eine gigantische Anzahl von Auf der Sonnenterrasse... ... erholen sich die Tauchmüden vom Stress. Chevron-Barrakudas hat sich zusammengerottet, mindestens 1000 Individuen dürften es sein. Nur unzureichend lässt sich die riesige Masse in Pixel bannen, jetzt müsste man ein Fisheye-Objektiv besitzen (und auch noch montiert haben). Wir robben uns bis auf Armlänge an den Schwarm heran, den unsere Anwesenheit überhaupt nicht interessiert. 20 Minuten hängen wir da an unseren Haken im Riff und schauen dem Treiben zu, bis Asnar zum Abflug mahnt. Und das ist wörtlich zu nehmen, sobald der Haken gelöst ist, fliegen wir in den Kanal hinein, ohne Chance, noch die Kröte zu begutachten, die sich am Meeresboden schlafen gelegt hat. Eigentlich interessiert die nach dem soeben Gesehenen aber auch nicht mehr wirklich.

Nicht weniger gigantisch fällt unser zweiter Abstieg nur 4 Tage später aus. Schon beim Abstieg erspähen wir einen Grauen Riffhai, der sich bei unserer Ankunft aber verdünnisiert, genauso wie der pechschwarze, mächtige Anpirschen an die Barrakudas Schwarzpunktrochen, der sich Richtung offener Ozean verabschiedet. Der riesige Barrakudaschwarm ist heute nicht da, er scheint sich in mehrere kleinere Schwärme aufgeteilt zu haben, denn auf unserem Weg an der Steilwand entlang, begegnen wir dreien solcher Schwärme. Überhaupt ist heute Schwarmfisch angesagt, denn es hat noch Schulen von Schnappern, Stachelmakrelen und Fledermausfischen, so dass dieser Tauchgang dem ersten hier in nichts nachsteht. Big Fish Country ist mein absoluter Lieblingsplatz auf Maratua selbst, gerne wär ich hier öfter als 2x abgetaucht.

Die hereinbrechende Dämmerung ist der richtige Zeitpunkt zum Abtauchen am Jetty. Ein weiterer meiner Top-Favoriten ist, man höre und staune, der Jetty direkt am Resort. Hier kann man nach den getanen Bootstauchgängen nochmal schnell vor dem Abendessen den Kopf für einen gediegenen Dämmerungs- oder Nachttauchgang ins Wasser stecken. Und davon habe ich reichlich Gebrauch gemacht, nämlich genau 9x. Mit einer Maximaltiefe von 8 bis 10 m kann man hier nämlich auch nach 3 tiefen Tauchgängen noch problemlos 1 1/2 Stunden im Wasser bleiben. Insbesondere mit der Kamera in der Hand wird es nie langweilig. Nach 2 bis 3 Tauchgängen weiß man, welche Tierchen sich wo verstecken bzw. man weiß, wo man nach ihnen suchen muss. Man kann sich dann gezielt darauf konzentrieren, bestimmte Arten zu finden und abzulichten, Motive gibt es reichlich. Vom Einstieg aus führt ein Seil bis zu einem kleinen vorgelagerten Korallenriff. Bei allen meinen Tauchgängen haben sich an diesem Seil 3 schwarze Seenadeln aufgehalten. Einige Male war auch ein kleiner Seegras-Geisterpfeifenfisch zugegen, der aufgrund seiner fantastischen Tarnung nur wie ein herumtreibendes Blatt aussieht. Beim Hinknien in den Sand oder Abstützen mit den Händen, sollte man höllisch aufpassen, nicht in einen Steinfisch zu greifen. Überall hat sich der weltgiftigste Fisch hier in den Sandboden eingegraben, in Autoreifen verschanzt, mit Algen getarnt oder zwischen Baumstämmen und Gerümpel versteckt. Ebenfalls gut getarnt sind die Unmengen Flundern, die über den Sandboden huschen. Überall im Sand sieht man Tunnel, die z.T. von Fangschreckenkrebsen stammen, die sich hier ihre Behausung gebuddelt haben. Zwei Tauchgänge habe ich nur mit der Suche nach diesen scheuen und lichtempfindlichen Zeitgenossen verbracht. Ebenfalls im Sand sieht man ab und zu Schlangenaale sitzen, die nur den Kopf aus dem Sand stecken und warten. Worauf weiß ich nicht genau, auf Beute kann es wohl kaum sein, denn ich hatte das Glück einen Schlangenaal beim Beutefang beobachten zu können. Den Kopf voran, 20 cm tief in den Sand gesteckt, wühlte dieses Vieh nach Nahrung im Sand, den Schwanz dabei heftigst hin- und herschlagend. Ein toller Anblick im Schein der Lampen! Ebenfalls toll sind die Mandarinfische, die sich in dem Korallenriff aufhalten, an dem das oben erwähnte Seil endet. Ziemlich genau um 17.30 Uhr kommen sie aus ihren Geweihkorallen gekrochen, um erst ein bisschen umeinander herumzuscharwenzeln und sich schließlich zu paaren. Das Beobachten dieses Schauspiels ist allerdings etwas mühselig, da man sich hier nirgendwo in den Sand knien oder irgendwo festhalten kann. Man muss permanent in der Waagerechten über dem Geweihkorallen hovern, was mit der Kamera in der rechten und der Lampe in der linken Hand ziemlich nervig ist. Das Ganze dann auch noch in einer Tiefe von 1-3 m, weswegen man tunlichst auf die Motorgeräusche der Boote achten sollte, die das Resort verlassen. Völlig ins Beobachten vertieft habe ich bei einem Tauchgang überhaupt nicht realisiert, dass eines dieser Boote genau auf mich zuhielt. In 1,5 m Wassertiefe ist es genau über mich drübergefahren, wäre ich etwas flacher gewesen, hätte die Sache böse geendet. Bei aller Begeisterung sollte man also immer die Ohren aufgesperrt lassen! Hat man die Mandarinfische überlebt, gibt es in dem Riff noch allerlei Krimskrams zu entdecken. Krokodilsfische liegen an einigen Stellen herum, Palettenstachler-Pärchen begeben sich zur Nachtruhe, Tapetengarnelen lugen aus ihren Verstecken hervor, Anemonenträger und andere Einsiedlerkrebse tippeln über den Sand und Wimpelfische suchen Schutz vor dem Licht der Lampe. Etwas scheu zeigt sich ein großer Oktopus, der schleunigst das Weite sucht. Seine nahe Verwandtschaft ist ebenfalls am Start. In einem Baumstamm hat sich eine Riesenmuräne verschanzt und starrt aus der Röhre. Wie im Roten Meer nerven auch hier z.T. die Feuerfische, die den Schein der Lampe zum Jagen nutzen und sich meistens immer dort aufhalten, wo man sie gerade nicht haben will: unter sich. Walzenschnecken kriechen umher und buddeln mit ihrem Rüssel im Sand nach Beute. Ein Zacki hat es sich an einem Baumstamm gemütlich gemacht. Hat man sich genug an dem Riff umgeguckt, bewegt man sich langsam zurück zum oder besser gesagt unter das Resort, denn an den Stelzen, auf dem es erbaut ist, tobt ebenfalls das Leben. Könnte zum Teil auch an den Küchenabfällen liegen, die hier täglich ins Meer wandern, denn anders kann ich mir den riesigen Füsilierschwarm, der im Schein der Lampe auftaucht, hier im Flachwasser nicht erklären. Überall an den Stelzen findet man große Schrift-Feilenfische, die sich in senkrechter Position schlafen gehängt haben. Tagsüber kommt man kaum an sie ran, jetzt kann man ihnen praktisch die Kamera auf die Schuppen drücken. An anderer Stelle hat sich eine Traube von Fledermausfischen gesammelt und wartet auf den neuen Tag. Ein kleiner gelber Kofferfisch sucht in einem kleinen Korallenblock Schutz vor seinen Fressfeinden. Ob die beiden Steinfische, bei denen ich nur durch Zufall realisiere, dass es sich um solche handelt, dazugehören? An mehreren Stellen halten sich braune Schaukelfische auf, die aber ebenfalls etwas lichtscheu sind und sich direkt Schutz suchen, sobald man die Lampe auf sie richtet. Aus den Augenwinkeln heraus bemerke ich eine Bewegung und als ich mich drehe, grinst mich ein Trümmer von einem Großen Barrakuda an, so dass ich mich doch etwas erschrecke und mich frage, wer hier der Chef ist. Diese einzelgängerischen Barrakudas werden bis 2 m groß und viel weniger dürfte der hier auch nicht gehabt haben. 2x begegnet er mir während meiner Streifzüge unter dem Resort. Weniger imposant, aber trotzdem schön anzuschauen, sind der kleine Schwarm Schnepfenmesserfische und die Korallenwelse, die auch gerne mal das Licht der Lampe zur Jagd nutzen. In einer Anemone hockt Herr Nemo, die er sich mit einem Porzellankrebs teilt, während nebenan eine Kegelschnecke auf Beutefang geht. Lange Rede, kurzer Sinn, der Jetty ist eine riesige Spielwiese, die ihre Qualitäten erst nach sehr genauer Betrachtung offenbart. Ein einzelner Tauchgang reicht hier jedenfalls nicht aus, was aber wohl für die meisten Tauchplätze gilt.

Nicht warm werde ich dagegen mit Cabbage Coral. Ziemlich langweilig finde ich die große Fläche an Salatkorallen. Zum Ende hin hat es zwar einen hübschen Korallengarten auf dem Riffdach, der mich aber nicht überreden kann, hier öfter als 1x ins Wasser zu springen.

Nach Süden hin wird's nun vor allem was die Qualität der Korallen angeht, immer besser. Maratua Reef macht den Anfang. Eigentlich könnte man sich m.E. das Abtauchen in 30 oder noch mehr Meter sparen, denn das Highlight dieses Platzes ist der wunderbare Korallengarten auf dem Riffdach. Insbesondere in der Nachmittagssonne erstrahlt die Korallen in prächtigem Glanz und das Gewusel all der kleinen und ganz kleinen Riffbewohner sorgt für eine lebendige Atmosphäre. Ein toller Platz für ein entspanntes Rumdümpeln im 5-10 m Bereich.

Video: Pulsierende Sepia [00:20 min]

Bei Turtle Traffic ist der Name mal wieder Programm. Der einzige Ort, an dem ich noch mehr Kröten während eines einzelnen Tauchgangs gesehen habe, war Sipadan. Aber ob es nun 30 sind, wie hier oder 50, wie auf Sipadan, spielt dann auch nicht wirklich eine Rolle. Die kleineren Exemplare sind noch etwas scheu und verduften, sobald man ihren Wohlfühlabstand unterschreitet. Der Wohlfühlabstand der großen beträgt dafür nur einige Dezimeter. Einigermaßen gelangweilt stieren sie in die Kamera und scheinen sich bewusst zu sein, dass ihnen von den schwer atmenden Neoprenfischen keinerlei Gefahr droht. Ist man den Kröten genügend auf die Pelle gerückt, kann man sich mit dem reichlich vorhandenen Fisch befassen. Vom kleinen Toby bis zum Büffelkopf-Papageifisch ist alles vertreten, was in einem Korallenriff Rang und Namen hat. Sehr schöner Platz.

Gusung Pal steht den anderen Plätzen im Süden nicht nach, auf dem Riffdach präsentiert sich bei gutem Licht ein fantastischer Korallengarten. Auch hier gilt: Tieftauchen überflüssig, lieber das Gewusel auf dem Riffdach genießen, welches die folgenden Bilder nicht annähernd wiedergeben können.

Das Gleiche gilt auch für South Face, dem südlichsten vom Paradise Resort aus betauchte Platz. Auch hier ist der Korallengarten auf dem Riffdach absolut top. Unmengen Fisch toben dort rum und auch Makrozeug wie bunte Schnecken und Garnelen lässt sich bei genauem Hinschauen entdecken. Leider fällt uns bei ausgerechnet unserem letzten Urlaubstauchgang aber Hübsche Weichkoralle am "South Face". wieder mal auf, dass die Umweltverschmutzung auch vor dem "Paradies" nicht halt macht. Durch den Taifun, der uns schon einen Tauchgang an der Fantasy Wall verleidet hat, scheint der gesamte Plastikmüll Indonesiens zu diesem Platz getrieben worden zu sein. Wo ich hingucke, schwimmen Plastiktüten im Wasser. Nachdem ich meine Jackettaschen damit befüllt habe, gebe ich schließlich auf. Wie überflüssig diese Sammelaktion war, stelle ich dann beim Auftauchen fest, als wir in einem Meer von Plastiktüten und anderem Müll unsere Köpfe aus dem Wasser stecken. Die anschließende Dusche im Resort fällt dann deutlich länger aus als sonst...

Kakaban

25 Bootsminuten entfernt von Maratua liegt die Insel Kakaban. 1x pro Woche steuern die Schnellboote des Resorts die hier liegenden Tauch- und Schnorchelplätze an. Genauer gesagt sind es nur 2 Plätze, denn die übrigen sind laut Asnar "pretty boring" und die Anfahrt nicht wert:

Blick von Maratua zum benachbarten Kakaban Am südwestlichen Zipfel Kakabans liegt der Barracuda Point. Dieser Platz wird uns während des Briefings wegen der starken Strömung als sehr schwierig angekündigt. Man taucht in 35 m Tiefe am Rand eines dreiecksförmigen Plateaus. Am Ende des Plateaus ist ein Seil gespannt, an dem man sich festhalten und zurück zur Steilwand ziehen muss, um nicht von der Strömung ins offene Meer gepustet zu werden. Als wir dann unter Wasser sind, ist bei keinem unserer drei Tauchgänge von Strömung etwas zu spüren, die reinste Badewanne finden wir vor. Vielleicht bleiben deshalb auch die Namensgeber dieses Platzes aus, keine Barrakudas weit und breit. Trotzdem ist der Platz ganz schön, wir sehen riesige Wimpelfisch-Schwärme, Stachelmakrelen, einen Napoleon und einen Weißspitzenriffhai und beim Austauchen im Flachwasser auch Unmengen Fisch. Imposant ist auch die senkrecht abfallende Steilwand, auf dessen Vorsprüngen einige Tischkorallen stehen. Insgesamt ein netter Platz.

Willkommen am "Jellyfish Lake" Nach dem Tauchgang am Barracuda Point fahren wir zur Südseite der Insel und waten an Land. Kakaban ist am äußeren Rand mit dichtem Regenwald bewachsen und passenderweise gießt es bei unserem Besuch auch in Strömen. Ein schmaler Holzsteg führt durch den Wald zum Jellyfish Lake, der sich fast über die gesamte Fläche der Insel erstreckt und seinen Namen von den Millionen nicht nesselnder Quallen hat, die ihn bevölkern. Unsere kleine Schnorchelexpedition zeigt, dass die Quallendichte jedoch nicht so groß ist, wie bei dem viel bekannteren Jellyfish Lake auf Palau. Dafür ist der See auf Kakaban ökologisch deutlich vielfältiger. Die gesamte Uferregion ist mit Mangroven bewachsen auf denen sich Unmengen bunter und farbenprächtiger Schwämme angesiedelt haben. Sehr hübsch anzusehen das Ganze, allerdings ist 1 Besuch dort dann auch genug.

Video: Jellyfish Lake [00:48 min]

Sangalaki

Anfahrt auf Sangalaki. Mehr als einen Besuch wert sind auf jeden Fall die Gewässer um die klitzekleine Insel Sangalaki, 45 Bootsminuten westlich von Maratua. Sangalaki ist bekannt für die vielen Mantas, die sich hier täglich sammeln, um zu fressen und sich putzen zu lassen. Ich habe von Leuten gehört, die hier 25 Mantas parallel bei einem Tauchgang gesehen haben. Entsprechend gespannt bin ich vor dem ersten Sprung ins Wasser, ob sich diese Geschichten als wahr oder doch nur als Tauchergarn herausstellen werden.

Der Platz Manta Parade ist das krasse Gegenstück zu allen Tauchplätzen rund um Maratua und Kakaban. Man taucht nicht an einer Steilwand sondern in max. 15 m Wassertiefe über ebenem Sandboden und durch einen wunderbaren Korallen- und Schwammgarten, in dem sich Tonnen von Fisch aufhalten. Natürlich hat es auch ein paar Anemonen, in denen sich die allseits beliebten Nemos aufhalten. Ein Blaupunktrochen nimmt sofort Reißaus, Seegurken Eine noch wachstumsfähige Babykrabbe als wir uns nähern. Zutraulicher zeigt sich dagegen ein Fledermausfisch, der es mit Wellness hat und ein Blasenbad nimmt. Eine große Schule Füsiliere begleitet uns ein Stück unseres Weges zu den beiden Manta-Putzerstationen, die sich hier befinden. Unglücklicherweise begegnen wir bei beiden Tauchgängen hier keiner Manta-Seele. Ob es an unserer großen Tauchgruppe von 11 Personen liegt, deren Bubbles evtl. die Mantas verscheuchen, vermag ich nicht zu beurteilen. So bin ich schon einigermaßen enttäuscht, als ich zurück aufs Boot klettere, denn wegen des Korallengartens bin ich nicht hergekommen.

Nach dem Tauchgang begibt man sich zum Lunch zu einer verlassene Tauchbasis auf die Insel. Dort kann man dann auch die Landbevölkerung Sangalakis bestaunen.

So hoffen wir auf mehr Glück beim Manta Run. Korallentechnisch ist dieser Platz nicht ganz so schön, wie die Parade. Die Röhrenaale sind hier fast schon das Highlight, denn die Mantas scheinen den Namen des Platzes falsch zu verstehen und "rennen" förmlich vor uns davon. Bei unseren zwei Tauchgängen hier sehen wir insgesamt 6x einen einzelnen Manta, jedoch immer nur für wenige Sekunden. Noch vor drei, vier Jahren hätte mich das begeistert, aber mit dem, was man in der Zwischenzeit gesehen hat, steigen zu meinem Leidwesen halt auch ein bisschen die Ansprüche: eine 5-Sekunden-Begegnung mit einem einzelnen Manta ist einfach nicht mehr so prickelnd, wenn man auf Yap 80 Minuten lang mit 6 Mantas gleichzeitig getaucht ist. So bin ich vom Tauchen auf Sangalaki doch einigermaßen enttäuscht.

Zum Glück ist das nur die halbe Wahrheit, denn das Beste an Sangalaki kommt nach dem Tauchen: Der Käpt'n des Bötchens tuckert durch die Gewässer und hält Ausschau nach Manta-Rudeln. Denn sie sind da und pflügen dicht unter der Wasseroberfläche mit weit aufgerissenem Maul durchs Wasser und filtrieren Plankton. Ist eine Gruppe aufgespürt, springt man vom Boot und mischt sich schnorchelnderweise unter sie. Dabei sollte man schön ruhig bleiben, denn je ruhiger man sich verhält, desto näher kommen sie heran, schwimmen mit weit aufgerissenem Maul auf einen zu und tauchen dann 50 cm vor der Kollision unter einem weg. Eine fantastische Begegnung! Toll sind auch die sog. Black Mantas, vollkommen schwarze Exemplare, denen die typische weiße Musterung auf dem Rücken fehlt. Habe sie vorher noch nie irgendwo gesehen. Nach jedem Tauchgang springen wir mit Schnorchel ins Wasser und 2x haben wir auch das Glück und verbringen eine halbe Stunde mit einem Rudel von 15-20 Tieren. Diese Super-Begegnungen machen mich dann auch wieder glücklich und den Besuch von Sangalaki zu einem großen Spaß.

Video: Black Manta [02:20 min]
Video: Mantas [02:04 min]

Bye, bye, Borneo. Abschied aus dem Paradies Fazit: Die Tauchplätze in Maratua schwanken nach meinem Empfinden zwischen Weltklasse und Kreisklasse. Einige Plätze fand ich wirklich klasse (riesige Barrakudaschwärme an Big Fish Country, tolle Steilwände im Norden, schöne Korallenriffe am Südende mit Kröten en masse und der Jetty als prima Spielwiese). Andere Plätze waren dagegen nichts und ziemlicher Bruch. Von Sangalaki sollte man nicht erwarten, beim Tauchen auf Unmengen Mantas zu treffen, das Schnorcheln mit ihnen ist aber absolute Weltklasse. Die beste Zeit für Manta-Begegnung ist übrigens laut Asnar, unserem Guide, der Februar, allerdings ist das Wetter dann aber wegen des vielen Regens etwas bescheiden.

1) Et bliev nix wie et wor: 2019 gibt es inzwischen ein knappes Dutzend Resorts auf Maratua, von denen mindestens 4 eine Tauchbasis haben. Es werden wohl noch ein paar dazu kommen.

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