Weißspitzenriffhaie auf nächtlicher Jagd

Combo-Tour Cocos und Malpelo – Woche 1: Cocos

Oktober 2017

Um 6 Uhr morgens füllt sich der Frühstücksraum im Hampton Inn in San José mit dem 16-köpfigen Tauchvolk, mit dem ich die nächsten 17 Tage auf der Yemaya verbringen werde, um bei einer Tauchertraum-Combo-Tour Cocos eine 2. Chance zu geben (nachdem es vor 7 Jahren nicht so optimal lief) und noch einmal Malpelo zu besuchen, bevor man nur noch mit Seelenverkäufern dort hinkommt. Ab 2018 müssen alle Tauchsafari-Boote nach Malpelo von Kolumbien aus starten, was die "seriösen" Boote dazu bewogen hat, Malpelo den Rücken zu kehren. Doch dazu später mehr.

Tag 1: MO, 16.10.

Da COPA es gestern Abend nicht geschafft hat, unser Gepäck von Panama City nach San José zu befördern, kommen Markus und ich in den Genuss einer Ehrenrunde: Während die anderen mit dem im Reisepreis enthaltenen Transferbus nach Golfito fahren, müssen wir erst noch zum Flughafen, um unser Gepäck einzusammeln, das heute Morgen mit dem ersten Flieger nachkommen soll. Glücklicherweise ist selbiger auch pünktlich und unser Gepäck auch tatsächlich an Bord, sodass wir um viertel nach 9 mit zwei Stunden Verspätung San José verlassen und per Taxi Richtung Golfito brettern, wo die Yemaya vor Anker liegt. 330 km weiter, 5 Stunden später und 400 US$ ärmer treffen wir dort ein. Wenigstens konnten wir uns auf der Fahrt selbst davon überzeugen, wie weit hinterher Deutschland doch in Sachen Digitalisierung ist: Selbst im tiefsten Dschungel hatten wir in unserem mit WLAN ausgestatteten Taxi eine recht gute Internetverbindung.

Golfito Yachthafen Außer der Yemaya liegen auch einige bescheidene Privatyachten im Hafen. Nach Erledigung der Zollformalitäten stechen wir um 16 Uhr in See. Die Undersea Hunter hat vor 7 Jahren 36 Stunden für die knapp 500 km lange Strecke gebraucht; ich bin mal gespannt, wie lange wir diesmal unterwegs sein werden. Hängt natürlich von Wind, Welle, Strömung und dem Zustand der Maschine ab. Am Abend ist außer Abendessen nur noch Bootsbriefing und Crewvorstellung angesagt. Einige Gesichter kenne ich noch von vor vier Jahren, aber der Großteil ist mir unbekannt. Mein Lieblingsguide Sten ist auch schon lange nicht mehr an Bord, Guides auf dieser Tour werden Juan aus Kolumbien und Reto aus der Schweiz sein.

Tag 2: DI, 17.10.

Auf der Überfahrt hat man viel Zeit, die lieben Mitreisenden kennenzulernen. Völlig untypisch für eine Tauchertraum-Gruppenreise sind einige nicht-deutschsprachige Gäste an Bord; drei Franzosen, um genau zu sein. Ebenso untypisch ist, dass ich nur eine einzige Tauchnase schon mal vorher getroffen habe, nämlich Uwe auf der Komodo-Tour. Mein Buddy wird Adrian sein, der schon seit längerer Zeit beweist, dass er auch unter Wasser ziemlich gut mit einem Fotoapparat umgehen kann. Hoffentlich kriege ich da keine Minderwertigkeitskomplexe.

Die Überfahrt ist wechselhaft, nach ruhigeren Abschnitten beglückt uns der Ostpazifik immer mal wieder mit einem etwas ätzenden Geschaukel. Es ist aber lange nicht so schlimm wie vor 7 Jahren, von daher erstaunt mich die Prognose des GPS-Trackers etwas, der eine Ankunftszeit von 10 Uhr morgen früh voraussagt. Das wären dann also 42 Stunden (was sonst?). Ich hoffe, das Ding ist defekt.

Beim nachmittaglichen Tauchbriefing im Salon werden schon mal die Modalitäten für Cocos erklärt und die Tauchgruppen ausgelost:

  • Getaucht wird 3x am Tag in zwei Gruppen zu 8 Personen.
  • Alle Tauchgänge finden in der kompletten Gruppe statt, es gibt keine Tauchgänge nur im Buddy-Team.
  • In Cocos taucht jede Gruppe über die komplette Woche mit dem gleichen Guide, erst in Malpelo wird dann gewechselt.
  • Die Tauchplätze wurden im Vorfeld für alle Tage von der Nationalparkbehörde festgelegt und genehmigt, man kann nicht einfach hinfahren, wohin man will.
  • Jeden Tag wird es 3 Tauchgänge geben, um 8 Uhr, 11 Uhr und 15 Uhr. 2x pro Woche wird ein Nachttauchgang angeboten.
  • Sofern Schein vorhanden, werden die Flaschen durchgängig mit einer 32er-Nitrox-Mischung befüllt. Die maximale Tauchtiefe beträgt 40 m. Eine maximale Tauchzeit gibt es nicht, aber normalerweise ist man nach etwa 60 min aus dem Wasser.
  • Das Gerödel bleibt während der gesamten Zeit auf dem Skiff. Man muss sich also lediglich ums Anziehen und um seine Kamera kümmern.

Tag 3: MI, 18.10.

Der GPS-Tracker war nicht defekt, im Morgengrauen lugt Cocos immer mal wieder zwischen Nebel, Wolken und Regen hervor, bis wir um 10 Uhr endlich vor Manuelita, einer kleinen vorgelagerten Insel, die durch einen schmalen Kanal von Cocos getrennt ist, ankern. Nachdem die Formalitäten mit den Park Rangern erledigt sind, geht es endlich los mit der Erkundung der Tauchplätze rund um Cocos Island.

Der erste Platz ist Chatham East, eine geschützte Bucht, die dem Aufwärmen und Austesten der benötigten Bleimenge dient. Beim Abtauchen gibt es direkt ein paar Hammerhaie, die aber nur schemenhaft zu erkennen sind, denn leider ist es unter Wasser äußerst diesig, die Sicht ist ziemlich bescheiden. Die Bucht wartet mit einem schönen Korallenriff auf, in dem sich haufenweise Baby-Weißspitzen tummeln. Schnapperschwärme und einige Langusten runden den guten Start ab. Zum Abschluss "darf" jeder noch Bojensetzen üben. Keiner schafft es, sich in der eigenen Bojenleine zu verheddern oder zu strangulieren, von daher sind wir für die nächsten zwei Wochen bestens gerüstet.

Auf der Westseite von Manuelita fällt das Ufer steil bis in Tiefen über 50 Meter ab. Folgerichtig heißt der nächste Platz Manuelita Deep. Entlang der Steilwand gibt es einige Putzerstationen für Hammerhaie, sodass wir hier auf tolle Begegnungen hoffen. Ungünstigerweise ist das Wasser aber auch hier genauso trüb wie in der flachen und sandigen Chatham Bay, es fühlt sich an wie im morgendlichen Herbstnebel am Decksteiner Weiher, dem ich mit diesem Urlaub eigentlich gerade entfliehen wollte. Immerhin sehen wir neben einigen Hammerhaien auch einige Trümmer von Galapgoshaien. An der Felswand machen sich zwei Adlerrochen zwischen den jagenden Stachelmakrelen davon. Wir halten uns gen Süden und driften in den Kanal zwischen Manuelita und Cocos, als unter uns ein Tigerhai gemächlich vorbeizieht. Geil! Beim Safety Stop diskutiere ich schon gestenreich mit Adrian über das Gesehene, als keine 3 m hinter uns ein weiterer Tigerhai mal schaut, was wir da treiben. Haitechnisch war das sicher ein Hammertauchgang, aber wegen des Nebels gibt es von dieser Dreiviertelstunde leider nicht ein einziges vernünftiges Foto. Also "keep it mind"!

Zum Tagesabschluss springen wir schon in der Dämmerung gleich in den Manuelita Channel, in dem sich offenbar reichlich Tigerhaie tummeln, wie der letzte Tauchgang gezeigt hat. Am Anfang haben wir aber erstmal nur einige mächtige Schwarzpunktrochen, die es vor Cocos im Überfluss gibt. Danach passiert nicht mehr viel, bis sich am Ende tatsächlich nochmal ein Tigerhai blicken lässt.

Insgesamt war der Tag ein vielversprechender Auftakt in unser Cocos-Abenteuer. Nur die Sicht muss noch besser werden, wenn wir mal einen vernünftigen Blick auf die hoffentlich vorhandenen Hammerhaischulen ergattern wollen.

Tag 4: DO, 19.10.

Am frühen Morgen verlegt sich die Yemaya von der Chatham Bay in die Wafer Bay, damit die Fahrt mit dem Skiff zum Punta Maria, unserem ersten Tauchplatz, nicht so lange dauert. Vor 7 Jahren hat Cocos hier ziemlich geschwächelt und auch diesmal ist es nicht anders. Unser Abstieg an der Mooring-Leine auf das 25 m tief liegende Plateau endet im Nebel. Ein paar Riffdackel liegen verstreut herum. Wir hocken uns an die Kante und warten auf größere Dreiecksflossen, aber vergeblich. Vor lauter Verzweiflung beschäftige ich mich mit Soldatenfischen und juvenilen Lederzackis. In den letzten 20 Minuten drehen wir noch eine große Runde um die zwei Türme, die neben dem Plateau aus dem tiefen Wasser empor ragen und sehen immerhin noch schemenhaft zwei Hammerhaie. Insgesamt aber war das nix.

Auf halbem Weg zum Punta Maria steht ein kleiner Felsen etwas verloren in der Gegend herum. Der Dirty Rock (im Spanischen: Roca Sucia) gilt neben Alcyone traditionell als bester Tauchplatz der Isla del Coco, zumindest was Hammerhaie angeht. Wir tauchen zuerst an der Steilwand entlang, entdecken aber nur ein paar einzelne Hammer- und Galapagoshaie in der grauen Brühe. Etwa 20 m neben der Steilwand steht ein großer Unterwasserberg, den man bei guter Sicht schon von der Wand aus sehen kann. Nicht so heute. Immerhin kreiselt ein gigantischer Schwarm Großaugenmakrelen um den Berg, der den Tauchgang rettet.

Dann probieren wir es halt zum Tagesabschluss nochmal im Manuelita Channel mit den Tigerhaien. Aber man kann nicht immer Glück haben. So schauen wir als einzigem Highlight ein paar Blauflossenmakrelen auf der Jagd nach dem Abendessen zu. Bei selbigem trösten wir uns 2 Stunden später mit dem äußerst schmackhaften Essen, das Koch Nelson jeden Abend kredenzt, über den recht mauen Tag hinweg. Einige Dosen Panama oder Balboa sorgen zusätzlich für einen ruhigen Schlaf.

Tag 5: FR, 20.10.

Weiter geht's vor dem Frühstück an Manuelita Deep, wo wir uns wieder wie an Tag 1 in die Felsen hocken und vor uns ein paar vereinzelten Hammerhaien zugucken, während hinter uns eine Schule Meerbarben umherstreift. Im Laufe des Tauchgangs hangeln wir uns langsam gen Süden Richtung Kanal und haben Glück: Zum Abschluss ballern wir nochmal zu zwei Tigerhaien hinunter, bevor uns die Strömung um die Ecke drückt und auf der Ostseite Manuelitas wieder ausspuckt.

Nach dem reichhaltigen Frühstück, zu dem sogar mehrere Familiengläser Nutella gereicht werden, geht es an Cocos' vermeintlich besten und auch exponiertesten Platz weiter. Alcyone ist ein Unterwasserberg, der sich ca. 2 km südöstlich von Cocos bis auf 25 m aus den Tiefen des Pazifiks erhebt. Wegen der exponierten Lage hat es hier oft reichlich Welle und Strömung. Ersteres ist auch heute der Fall, von Letzterem ist dagegen beim Abstieg am Mooring-Seil nicht viel zu spüren. Wie üblich hocken wir uns zunächst an die Abbruchkante und starren ins Blauwasser. Da aber leider 20 min lang so ziemlich nichts passiert, beschließt Juan, einen Stellungswechsel vorzunehmen. Lediglich Adrian bleibt an der aktuellen Stelle hocken, was sich im Nachhinein als hervorragende Idee erweist, denn während wir den restlichen Tauchgang lang nur noch einer Horde Lederzackis beim Zerlegen einiger Seeigel zugucken, hat er Glück: Im Blauwasser über ihm zieht die erhoffte Hammerhaischule vorbei. Während ich den Tauchgang eher enttäuschend fand, ist er daher vollends begeistert. Tja, ein paar Meter weiter links oder rechts können halt einen gewaltigen Unterschied machen.

Den folgenden Tauchgang am Dirty Rock muss Adrian dann leider aussetzen, denn die Ohrenentzündung hat ihn voll erwischt. Allerdings erweist sich der Tauchgang als hervorragend geeignet zum Aussetzen, denn in den ersten 38 Minuten erblicken wir außer den üblichen Weißspitzen genau einen Hammerhai. Gegen die Strömung kämpfen wir uns anschließend zum alleine stehenden Unterwasserberg, aber nicht mal die Großaugenmakrelen sind heute da.

Tag 6: SA, 21.10.

Im Nordwesten von Cocos liegt der Lobster Rock. Ob der Name Programm ist, können wir leider nicht feststellen, da uns das Skiff völlig falsch absetzt und wir 20 Minuten gegen die Strömung über eine Sand- und Geröllwüste dümpeln, bis Juan schließlich ein Einsehen hat und wir umkehren. Während ich mit der Nase im Sand erfolglos nach Rosalippen-Seefledermäusen Ausschau halte, die hier heimisch sein sollen, fliegt über uns ein Manta vorbei, den ich natürlich verpasse. Immerhin hat es jede Menge fette Rochen, nicht weniger fette Muränen und eine Armada von Weißspitzen, dekoriert von einem riesigen Feld aus Sandaalen.

Im Manuelita Channel ist uns dann endlich wieder das Glück hold, nach ruhigem Start kreuzen neben ein paar Hammerhaien gleich drei Tigerhaie in wenigen Metern Entfernung unseren Weg. Sehr geil!

Am Nachmittag tauschen wir die Flossen gegen Turnschuhe. Für einen kleinen Inselspaziergang fahren wir in die Wafer Bay und besichtigen zunächst die dortige Ranger Station, an der auch einige Biologie-Studenten aus Kolumbien ihre Forschungen betreiben. Da der Trail zu dem Wasserfall, den wir vor 7 Jahren besucht haben, wegen Erdrutschen gesperrt ist, führt uns unser Weg über einen steilen Pfad durch den Regenwald in die Chatham Bay – eine sehr schweißtreibende aber lohnenswerte Angelegenheit. Ein Ranger begleitet uns und erklärt uns auf der dreistündigen Tour allerhand über die Geschichte, Flora und Fauna der Kokos-Insel. Nicht, dass ich davon furchtbar viel behalten hätte ...

Für den Abend ist der erste Nachttauchgang in der Chatham Bay angesetzt. Highlight ist natürlich die Armada aus Weißspitzenriffhaien, die des Nachts auf Jagd geht und auf alles losgeht, was nicht bei Drei unter den Korallen ist. Ähnliche Bilder kenne ich eigentlich sonst nur noch vom Maaya Thila auf den Malediven. Der Tauchgang rundet einen tollen Tag ab, sieht man mal von dem müden Start am Hummerfelsen ab.

Tag 7: SO, 22.10.

Tauchtag 5 startet mit einem klasse Abstieg am Dirty Rock. Die Hammerhaie sind in Putzlaune und lassen sich von uns nicht bei ihrer Morgentoilette stören. Immer wieder kommen sie ganz nah ran und lassen sich vor allem von Barbier-Falterfischen, die zu mehreren Dutzend an den Putzerstationen auf Kundschaft warten, das Gefieder säubern. Zwei Stunden später am Punta Maria dann das genaue Gegenteil: absolut tote Hose. Mit der Maria werde ich einfach nicht warm. Zum Tagesabschluss versuchen wir mal was Neues und steigen an der Westseite der Isla Pajara ins Wasser, auch eine kleine, Cocos' vorgelagerte Insel. Der Hang ist mit einem tollen Steinkorallengarten bewachsen, so gute Korallen hatte ich von Cocos gar nicht mehr in Erinnerung. Fischtechnisch ist aber Ebbe, mit Ausnahme eines schönen Schnapperschwarms und den üblichen Rochenverdächtigen zeigt sich Cocos mal wieder von seiner trübsten Seite. Von daher sieht die Formkurve des Tages in etwa so aus wie die meines HSV in der Hinrunde: Stark angefangen und dann kam leider nicht mehr viel.

Tag 8: MO, 23.10.

So lala ist leider auch Tauchtag 6: An Alcyone ist gar nichts los, einen einsamen Galapagoshai gibt es zu sehen, ansonsten ist gähnende Leere. Am Dirty Rock begleiten wir in den letzten 10 Minuten immerhin noch eine Schule aus vielleicht 20 Hammerhaien, aber von oben sind die Tiere gegen das trübe Wasser nur schwer zu erkennen. An Manuelita Inside kämpfen wir uns eine halbe Stunde lang gegen die Strömung, um mit einem Adlerrochen belohnt zu werden. Wenigstens sorgt der 2. Nachttauchgang mit den jagenden Weißspitzen an Manuelita Inside für einen versöhnlichen Tagesabschluss.

Für den letzten Tauchtag morgen dürfen wir entscheiden, wo es hingehen soll. Vielleicht ein verfrühtes Weihnachts­geschenk der Park Ranger oder nur die guten Connections von Juan zu selbigen? Mit Vitamin B geht auch auf Cocos viel. Wir entscheiden uns jedenfalls für die beiden Plätze, an denen wir die besten Sichtungen bisher hatten: noch einmal zu den Tigerhaien im Kanal und hoffentlich nochmal Hammerhaie am Dirty Rock

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Tag 9: DI, 24.10.

Wir springen ein Stück entfernt vom Kanal an der Steilwand und haben Glück: Einige Hammerhaie haben wenig Scheu und kommen ganz nah ran. Wir driften weiter Richtung Manuelita Channel, lassen einen Adlerrochen links liegen und hangeln uns von Felsblock zu Felsblock durch den Kanal, in dem zu unserem Entzücken auch heute wieder die Tigerhaie patrouillieren und einige Male auf Körperlänge ran kommen. Super!

Zurück auf dem Skiff fragt mich Juan, ob ich den Tigerhai nicht bemerkt hätte, der von hinten kommend direkt über meinen Kopf geschwommen sei? Nee, hab ich nicht, hab ja hinten keine Augen. Etwas mulmig wird mir nachträglich aber schon, denn Tigerhaie von hinten, ohne Blickkontakt, sind niemals eine gute Idee, was man als erste Regel auf den Bahamas lernt. Ich habe zwar überhaupt kein Verständnis für reißerische Medienberichte, die Angst vor Haien schüren. Auf der anderen Seite verstehe ich auch Taucher nicht, die immer so tun, als wäre ein Tauchgang mit Großhaien dasselbe wie ein Besuch im Zoo. Vier Wochen nach unserer Rückkehr wird eine amerikanische Taucherin von einem Tigerhai vor Manuelita angegriffen und getötet. Sicherlich ein tragischer Einzelfall, aber er zeigt doch, dass es ein gewisses — glücklicherweise sehr kleines — Restrisiko gibt, dessen man sich bewusst sein und unter Wasser entsprechend aufmerksam sein sollte. Ich hoffe nur, dass die costaricanischen Behörden jetzt nicht auf ähnlich bescheuerte Ideen kommen, wie die Westaustralier vor ein paar Jahren.

Auch der letzte Tauchgang am Dirty Rock ist super, viele Hammerhaie in Kleingruppen zu 5-6 Tieren tummeln sich an den Putzerstationen. Super Abschluss einer Tauchwoche mit Höhen und Tiefen.

Wie vorher vereinbart, entfällt der letzte Tauchgang, da die Yemaya bei der letzten Tour sage und schreibe 56 Stunden für die Überfahrt von Cocos nach Malpelo benötigt hatte und daher ein Tauchtag auf Malpelo entfallen musste. Wir räumen die Skiffs leer und um 12 Uhr mittags geht es auf gen Osten. Zeit, ein erstes Zwischenfazit zu ziehen: So richtig überzeugt hat mich Cocos auch beim 2. Besuch nicht, was vor allem der miserablen Sicht geschuldet ist, die wir über die komplette Woche hatten. Hammerhaie waren sicherlich genügend da, aber wenn man nur 15 m weit gucken kann, sieht man von einer Schule halt nur die vorderen Tiere, während die anderen im Nebel verschwinden. Das Video, das uns Juan von der unmittelbar vorhergehenden Tour zeigt, mit einer Hammerhaischule von 200 Tieren, die bei bester Sicht 5 min lang über Alcyone ziehen, lässt das Taucherherz schon ein bisschen bluten. Na ja, vielleicht haben wir ja auf Malpelo mehr Glück. Toll waren aber auf jeden Fall die Tigerhaibegegnungen, was ich so vorher nicht erwartet hatte.

Adios, Cocos! Unterwegs Richtung Malpelo Enttäuscht war ich vom Zustand der Yemaya und dem Service an Bord. Man merkt schon, dass das Schiff verkauft worden ist und dies eine der letzten Touren ist, bevor das Schiff Anfang nächsten Jahres auf die Bahamas umzieht. Das reicht von einer nicht mehr gewarteten Eismaschine auf dem Oberdeck, die so einen Höllenlärm macht, dass eine Unterhaltung nur durch gepflegtes Anschreien möglich ist, über einen defekten Waschbeckenabfluss, der unsere Kabine unter Wasser gesetzt hat, bis zu einem seit Wochen nicht mehr gereinigten Oberdeck, auf dem die Russschicht aus dem Schornstein für permanent schwarze Füße sorgt — besonders lecker, wenn man ins Bett geht. Auf dem Esstisch klebten auch an Tag 5 noch die Marmeladenreste von Tag 1 und auch die Klopapiereimer in den Toiletten wurden schon mal zwei Tage lang nicht geleert. Mit Ausnahme von Koch, Skiff Driver und Guides war es mit der Motivation der Crew nicht allzu gut bestellt. Mal gucken, ob unsere "Hinweise" diesbezüglich fruchten und das in Woche 2 auf Malpelo besser wird.

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