Mandarinfische

Tauchsafari Flores und Alor auf der "Arenui"

Oktober/November 2011

Der eintägige Zwischenstopp nach dem langen Flug war zwar nett und entspannend und hat mir die Möglichkeit gegeben, noch den Tanah Lot-Tempel zu besuchen, für den im Januar die Zeit gefehlt hat. Trotzdem bin ich froh, jetzt dem hochsaisonalen Lärm und Trubel Süd-Balis zu entkommen. Am Flughafen in Denpasar gibt es ein großes Hallo, als sich die 16köpfige Tauchertraum-Truppe zusammenfindet und man einige Leute erblickt, mit denen man schon auf früheren Touren unterwegs war. Der Flieger der Batavia Air ist pünktlich, so dass wir 3 Stunden später in Maumere, der Hauptstadt der indonesischen Insel Flores, landen.

Nach kurzem Transfer zum Hafen entern wir die Arenui, unser Heim für die nächsten 16 Tage. Was für ein schönes Boot! Im traditionellen Stil eines Phinisi-Schoners gebaut, äußerst geräumig und mit viel Liebe zum Detail ausgestattet, fühlt man sich vom ersten Moment an pudelwohl. Das Bootsbriefing lässt ahnen, dass man auf der Tauchsafari in den nächsten zwei Wochen verhätschelt und gepampered wird, was das Zeug hält: 23 Mann Besatzung für 16 Gäste, inkl. Willkommens-Massage und 5 Mahlzeiten am Tag. Die Ausrüstung samt Neos wird von der Crew nach jedem Tauchgang in Desinfektionsmittel gespült und zum Trocknen aufgehängt. Einfach Ausziehen und irgendwo an Deck fallen lassen, alles wird von flinken Händen weggeräumt. Das wünsche ich mir auch für zu Hause... Sogar die Kameras werden nach dem Spülen per Luftdusche getrocknet. Außer um Tauchen und Nahrungsaufnahme braucht man sich um absolut nichts zu kümmern. Mir ist es fast schon ein bisschen zu viel, wo sind die alten Zeiten geblieben, als man seine Ausrüstung noch selbst ins Schlauchboot hieven und seinen Neo eigenhändig vom üblen Uringestank befreien durfte? Die Tauchergilde verweichlicht von Jahr zu Jahr mehr.

Zum Tauchen reicht es heute nicht mehr, wir genießen die tropische Wärme und ein vorzügliches Abendessen auf dem Sonnendeck und diskutieren über die bevorstehende Tour. Was wird uns wohl erwarten? Ich erhoffe mir eine gute Mischung aus Makro und Großfisch. Gerade die erste Woche in Flores und Alor sollte sehr makrolastig werden, wobei es aber evtl. auch die Chance gibt, auf Wale zu treffen, die jetzt im Oktober durch Alors Gewässer ziehen. Für die 2. Woche in Komodo spekuliere ich auf etwas größeren Kram, namentlich Haie und Mantas. "Best of both worlds" sozusagen. Garniert wird das Ganze mit dem ein- oder anderen Landausflug, insb. auf die Komodo-Warane, die wir uns auf Rinca angucken werden, bin ich schon sehr gespannt. Hinein in diese Gedanken hievt Käpt'n Iskandar den Anker und wir machen uns auf die Nachtfahrt zu unserem ersten Tauchspot.

Tag 3: FR, 28.10., Flores / Adonara

Nach leichtem Frühstück geht es um 7.30 Uhr zum ersten Mal ins 28 Grad warme Wasser. Die Serbete Wall ist eine teils hübsch bewachsene Wand, teils sind die Korallen aber auch ordentlich zerbombt. Das größte Getier sind drei prächtige Sepien, die ein bisschen Spaß miteinander zu haben scheinen. Ansonsten gibt es wie erwartet Kleinvieh, im wesentlichen Nacktschnecken, Plattwürmer und Garnelen. Nach dem Tauchgang schlagen wir uns beim "Big breakfast" die Wampe voll, das Frühstücksbuffet in einem 5-Sterne-Hotel könnte kaum vielfältiger sein. Sogar einen wohlschmeckenden Nutella-Ersatz gibt es, was einem kostbare 250g im Fluggepäck spart. Nach dem Frühstück geht es übergangslos zum Mittagsbuffet über, welches nicht weniger reichhaltig ausfällt. Unterbrochen wird die Spachtelei nur von einem 2. Tauchgang an Serbete.

Von Serbete geht die Fahrt gen Süden durch den Kanal, der Flores von Adonara trennt. Dort wartet mit Tanjung Wotang ein toller Muck Diving-Platz darauf, von uns entdeckt zu werden. Wie es sich für echtes Muck Diving gehört, dominiert Sand die Szenerie, nur vereinzelt lässt sich mal ein Korallenblock oder Algenbüschel entdecken. Der Makro-Vielfalt tut das keinen Abbruch, der Platz geizt nicht mit Nacktschnecken und Garnelen, Seenadeln und Anglerfischen, überall buddeln sich knallviolette Bobtail-Squids in den Sand. Bei Nacht kommen auch die fetten Pleurobranchia-Schnecken aus ihren Ritzen gekrochen und man muss aufpassen, sich nicht versehentlich auf einen der herumliegenden Teufelsfische zu legen. Ein Kontakt mit diesem nahen Verwandten des Steinfisches würde einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Insgesamt präsentiert sich Tanjung Wotang als kurzweilige Spielwiese.

Beim Abendessen wird demokratisch über die weitere Reiseroute abgestimmt. Eigentlich war geplant, Alors Inselwelt im Uhrzeigersinn zu durchfahren und dann an der Südküste Flores' entlang gen Komodo zu schippern. Allerdings hat es bei der aktuellen Wetterlage dort bis auf weiteres starke Wellen von Süden, die uns extrem schaukelige 48 Stunden bescheren würden. Bei Nutzung der Alternativroute die windgeschützte Nordseite entlang, würden wir den Landausflug zum Kelimutu-Vulkan verpassen, der mit seinen drei Kraterseen, die je nach Oxidationszustand in Rot, Grün oder Blau daherkommen, eine der Hauptattraktionen Flores' ist. Die Entscheidung fällt einstimmig aus, niemand hat Bock auf 48 Stunden Kotzen. So stellt sich die Reiseroute von Maumere nach Komodo wie folgt dar:

Tag 4: SA, 29.10., Kawula

Die nächsten zwei Tage werden wir uns an den Tauchplätzen von Pulau Kawula vergnügen, die gleich mit zwei Synonymen (Lembata und Lomblen) daherkommt. Den Anfang macht der Platz Tanjung Waiwowang. Und da dies vielleicht DER Makrotauchplatz in der Gegend ist, bleiben wir gleich einen ganzen Tag und steigen 4x heute ins Wasser. Die Hauptattraktion hier sind Fransen-Drachenköpfe (Rhinopias), eine Familie von Skorpionsfischen, die zu den seltensten Fischarten überhaupt gehört. Ein einziges Exemplar habe ich in 14 Tauchjahren bisher gesehen, einen lila Paddle Flap-Skorpion vor 3 Jahren in Lembeh. Hier sollen angeblich ganze Heerscharen das Riff bevölkern. Das Problem ist nur, sie bei ihrer unglaublich guten Tarnung auch zu entdecken.

Der erste Abstieg startet auch gleich super, ein Napoleon-Schlangenaal, Geisterpfeifenfische, Flughähne und mehrere Anglerfische von faustgroß bis zur halben Größe eines Daumennagels. Und tatsächlich lassen sich auch die Rhinopias nicht lumpen, gleich 3 Exemplare finden die Guides und mein Buddy Kathrin in Algen und Korallenblöcken versteckt. Ein voller Erfolg und prima Start in den Tag!

Der zweite Abstieg beginnt dann ernüchternd. Ich will gerade das knutschende Harlekin-Geisterpfeifenfisch-Pärchen ablichten, aber mit Wasser im Kameragehäuse geht das so schlecht. Also schnell per unkontrolliertem Notaufstieg aus 7 m Wassertiefe nach oben und versuchen zu retten, was wahrscheinlich nicht mehr zu retten ist. Nach einer Stunde Geschraube liegt eine Kamera in Einzelteilen vor mir, die ich mit Essigwasser reinige. Einige Platinen sind allerdings schon ziemlich korrodiert, von daher sind meine Hoffnungen gering und mein Tag gelaufen.

Getaucht wird natürlich trotzdem noch, auch wenn ich mir ohne Kamera in der Hand ziemlich nackt vorkomme. Zu allem Überfluss erweist sich Tanjung Waiwowang tatsächlich als Makro-Traumplatz, es ist fast alles da, was das Fotografen-Herz begehrt, eine detaillierte Aufzählung spare ich mir. Nur soviel: Insgesamt 9 Rhinopias sehen wir am heutigen Tag, den seltensten Fisch der Welt gibt es hier als Familienpackung.

Abends bessert sich meine Laune schlagartig, als mir Cruise Director Jerry eröffnet, dass die Arenui auch Leihkameras an Bord hat. Für 20$ Leihgebühr am Tag bin ich ab morgen wieder im Spiel. Den Frust über die abgesoffene und vermutlich vorzeitig verstorbene Kamera ertränke ich in drei Bintang. Das Gebräu schmeckt von Tag zu Tag besser.

Tag 5: SO, 30.10., Kawula

Weit müssen wir nicht fahren, nur ein paar Kilometer südlich von Tanjung Waiwowang liegt die kleine Insel Pulau Suanggi, wo wir den Vormittag mit zwei Tauchgängen rumbringen. Auf beiden Seiten der Insel fällt die tolle Beflockung des Riffs mit Unmengen broccoliartiger Weichkorallen ins Auge. Ein paar kleinere Makrelenschwärme und einige Thune ziehen im Blauwasser vorbei, ansonsten gibt es fischtechnisch Hausmannskost mit den üblichen Verdächtigen am Riff.

Weiter geht es Richtung Süden, wo wir zunächst dem Walfängerdorf Lamalera einen Besuch abstatten. Mit altertümlichen, winzigen Auslegerkanus fahren die Jäger tagelang rauf aufs Meer, um den großen Meeressäugern nachzustellen. Inzwischen haben sich die Einwohner aber auch auf Touristen eingestellt, bei unserem Spaziergang durchs Dorf bieten sie uns allerlei selbstgeschnitzten Tinnef in Form von Walfigürchen an. Am Strand übt der Nachwuchs schon mittels Styroporbrettern und Holzstöcken, wie man sich vom Kanu am besten auf einen Wal schmeißt, um ihn zu erlegen. Eineinhalb Stunden und 100 Walfiguren später treten wir den Rückzug an und kehren zur Arenui zurück, um uns auf den Nachttauchgang vorzubereiten, der direkt vor dem Strand des Dorfes stattfindet. Der präsentiert sich mit einem hübschen kleinen Korallenriff und ziemlich schnecken- und krebslastig, wobei ein Torpedorochen für eine willkommene Abwechslung vom ansonsten schon bekannten Riffleben sorgt. Etwas unangenehm fällt das kalte Wasser auf, hier an der Südseite von Flores hat es satte 5 Grad weniger als auf der Nordseite, 5 mm mit Kopfhaube sollte man da schon im Gepäck haben.

Nach dem Abendessen machen wir uns auf den langen Weg nach Osten, bis wir in den frühen Morgenstunden Beang Abang auf der Insel Pantar erreichen, wo wir vor Anker gehen und auf den nächsten Tauchtag warten.

Tag 6: MO, 31.10., Pantar / Pura

Der Tag lässt nicht lange auf sich warten, er startet mit einem Tauchgang am Strand von Beang Abang. Nach etwas zähem, weil ereignislosen Beginn, erweist sich der Platz dann doch noch wie im Briefing angekündigt als Klasse "Muck Dive". Dabei ist man wie üblich auf die Hilfe der Guides angewiesen, als Normalsterblicher hat man wenig Chancen, in den paar Algenbüscheln, die den ansonsten schwarzen Sand besetzt halten, was zu entdecken, sieht man mal von den Geisterpfeifen-Pärchen ab, die sich in ihre knallpinke und quietschgrüne Ausgehgarderobe gequetscht haben und so kaum zu übersehen sind. Unmöglich hätten wir den Wonderpus gefunden, der sich im Sand eingegraben hat. Nur seine Augen gucken wie das Periskop eines U-Boots aus dem Sand heraus und beobachten die Umgebung. Auch das winzige Anglerfischpärchen wäre in seinem ockerfarbenen Tarnanzug unseren Kameras entwischt, hätte Guide Ali nicht so gute Augen, genauso wie die winzige Crinoid-Garnele in ihrem Federstern. Am Ende wird es ein sehr ergiebiger Start in den Tag.

Nach unserem morgendlichen "Muck Dive" fahren wir weiter entlang der Küste Pantars zur Linken und Alors zur Rechten. Späher im Krähennest und auf dem Sonnendeck halten dabei Ausschau nach Walen, die um diese Jahreszeit durch diese Gewässer streifen. Leider halten sie jedoch umsonst Ausschau, keine Walflosse lässt sich blicken. Dafür winken uns ein paar andere Flossen freundlich von der Oberfläche zu: ein paar Mondfische nehmen ein Sonnenbad. Was für eine Gelegenheit, nur selten hat man als Taucher die Möglichkeit, diese bis zu 3 m großen, diskusförmigen Fische zu sehen! Nur auf Galapagos sind sie mir bisher einmal schemenhaft in ziemlich trübem Wasser begegnet. Wir fackeln nicht lange, lassen die Beiboote zu Wasser und düsen mit Schnorchelausrüstung bewaffnet los. Leider sind Mondfische in der Regel äußerst scheu und so verabschieden sie sich in tiefere Gefilde, schon lange bevor wir sie in langsamer Schleichfahrt mit dem Boot erreichen. So stellen wir erstmal einem Rudel Delfine nach, die wir in der Entfernung ausmachen, bevor wir uns nochmal auf die Lauer nach den Mondfischen legen. Und tatsächlich haben wir Glück, nach einigen Minuten des Wartens taucht in der Nähe einer auf. Vorsichtig gleiten wir ins Wasser und schnorcheln auf ihn zu. Was dann passiert, hat mit "Scheu" nicht viel zu tun: 10 min lang schnorcheln wir mit Mola mola, wobei er sich von dem Dutzend Menschen um ihn rum nicht sehr stören lässt, bis auf Armlänge lässt er uns an sich ran. Irgendwann ist's dann aber gut, er taucht ins tiefblaue Meer ab und lässt uns völlig euphorisch an der Oberfläsche zurück. Ein Knaller vor dem Mittagessen!

Video: Schnorcheln mit Mola mola [00:49 min]

Den Nachmittagstauchgang lassen wir ausfallen. Nach dem Erfolg vom Vormittag kreuzen wir lieber nochmal mit den Dinghis im Kanal auf der Suche nach weiteren Molas oder vielleicht einer Walfluke. Molas lassen sich nicht blicken, aber ein Finnwal rauscht in Reisegeschwindigkeit durchs Wasser. Leider ist er etwas menschenscheu, so dass alle Versuche, ihn im Wasser zu erleben, scheitern. Die Sicht bei der schon tiefstehenden Sonne ist allerdings ohnehin etwas bescheiden. Eine Stunde später steht sie ganz, ganz tief, so dass wir uns für einen Nachttauchgang an Anemone City ins Wasser schmeißen. Die Anemonenstadt ist vermutlich der bekannteste Tauchplatz in der Gegend und hat seinen Namen natürlich von den Anemonen, die hier auf dem Riff wuchern. "Wuchern" bedeutet, dass die gesamte Insel Pura von einem zig Kilometer langen Anemonenteppich umschlossen wird. Mir ist kein anderer Platz auf der Welt bekannt, wo es so etwas gibt. Viel sehen können wir bei Nacht davon freilich nicht, die Reichweite der Lampen ist beschränkt. Auch so gibt der Platz aber genug fotogene Motive her.

Tag 7: DI, 01.11., Pura

Das ganze Ausmaß der Anemoneninvasion schauen wir uns am nächsten Morgen an. Tatsächlich findet man auf dem Riff kaum mal eine Stelle, die nicht von den Blumentieren besetzt gehalten wird. Da, wo keine sind, formen Korallen ein traumhaftes Riff mit wuseligem Fischleben, vor allem im Flachwasser oberhalb von 10 m. Darüber freuen sich bestimmt auch die Fischer des nahegelegenen Dorfes, die mit ihren traditionellen Auslegerkanus rausfahren und unseren Fotomotiven nach dem Leben trachten. Nicht, dass ich damit ein Problem hätte.

Statt zum 2. Tauchgang geht es nach dem Frühstück wieder auf Mola-Suche, leider jedoch wieder erfolglos. Für den Nachmittag haben wir dann die Wahl: Tauchen oder Suchen. Die Hälfte entschließt sich für einen 2. Tauchgang an Anemone City. Ich will lieber nochmal Molas und/oder Wale sehen und schließe mich der anderen Hälfte an. 2 Stunden lang ballern wir bei Gluthitze mit den Dinghis rund um Pura und sichten neben einer Horde Delfine tatsächlich auch noch einen Sonnenanbeter. Leider ist er jedoch deutlich scheuer als sein gestriger Kollege und quittiert unsere Anpirschversuche mit Feigheit vor dem Feind. So geht auch die vierte Mola-Suche erfolglos zu Ende, was nochmal zeigt, wieviel Glück wir gestern bei unserer ersten Ausfahrt hatten. Schnorcheln mit Molas oder Walen ist eben auch vor Alor alles andere als selbstverständlich.

Die Arenui hat ihren Ankerplatz schon verlassen, als wir unsere Suche beenden, und sammelt uns auf dem Weg zum nächsten Tauchplatz ein. Der liegt auf der Nordseite der Insel Pura am Yam Village. Das Hausriff dieses kleinen Dorfes bietet eine Attraktion, in deren Genuss ich in den letzten Jahren schon häufiger gekommen bin, die ich mir aber immer wieder gerne anschaue: poppende Mandarinfische. Wie überall auf der Welt kommen sie auch hier in der Dämmerung aus ihren Korallen gekrochen, um für Nachwuchs zu sorgen. Leider beschränken sie ihre Aktivitäten hier aber auf ein sehr überschaubares Areal, weswegen es unter Wasser etwas eng zugeht. Eine knappe halbe Stunde lang schauen wir dem Treiben bzw. den Trieben zu, bis es komplett dunkel ist, die Mandarinen sich wieder in ihre Behausung zurückziehen und wir den Rest des Riffs erkunden. Der Korallenbestand ist nicht wirklich der Rede Wert. Trotzdem wird es noch ein schöner Tagesausklang mit Skorpionsfischen, Korallenwelsen und einer Sepie, die es dank Michael immerhin noch zum Model schafft, bevor eine hungrige Brotula ihr vor laufender Kamera das Lebenslicht aushaucht, bzw. es gleich am Stück verschluckt.

Tag 8: MI, 02.11., Kawula / Komba

Am frühen Morgen verlassen wir Pura und tuckern zurück gen Westen nach Kawula, wo mit Takat Prau der erste Tauchplatz des Tages auf uns wartet. Bis auf 5 m unter die Wasseroberfläche erhebt sich dieser Unterwasserberg aus der Tiefe. Die Hänge sind mit schönen Korallen bewachsen, das Riffdach ist dagegen weitgehend kaputt. Dem herumwuselnden Fischleben tut das zwar keinen Abbruch, nichtsdestotrotz ist der Platz nicht mehr als ein Lückenfüller auf dem Weg zur Pulau Komba. Nach dem Tauchgang ist Sport angesagt, das klare, blaue Wasser lädt dazu ein, zur Arenui zurückzuschwimmen, statt bequem mit dem Dinghi zu fahren. Bei 29 Grad Wassertemperatur artet die halbe Seemeile Schwimmerei allerdings in eine schweißtreibende Angelegenheit aus, so dass ich anschließend erstmal 10 min kalt duschen muss, bevor ich mich an den Frühstückstisch traue.

Nur einen Steinwurf entfernt liegt Tanjung Bacatan. Für den Tauchgang an dieser Steilwand entlang gilt exakt das Gleiche wie für Takat Prau: Schöne Korallen und tolle Seefächer an der Wand, viel Fisch in den Überhängen, nur das Riffdach ist äußerst kaputt. Es gibt keine Notwendigkeit, hier einen 2. Tauchgang zu machen.

Der steht aber sowieso nicht auf der Agenda, denn am Horizont lässt sich schemenhaft schon unser heutiges Tagesziel erkennen: Einsam erhebt sich die Pulau Komba aus der Tiefe der Banda-See. Nur ca. 900 x 700m groß ist diese permanent aktive Vulkaninsel, die in kleineren Eruptionen ständig Asche und Gesteinsbrocken spuckt. Auf der Überfahrt sichten wir zwei Dutzend Pilotwale, die aber ziemlich scheu sind und unsere vorsichtigen Annäherungsversuche mit der kalten Schulter quittieren. Am späten Nachmittag erreichen wir die Insel und ankern in einem Sicherheitsabstand von 200 m - so ein herumfliegender Gesteinsbrocken kann einem ansonsten das Oberdeck versauen. Richtig beeindruckend wird das Schauspiel nach Einbruch der Dunkelheit, wenn man die rot glühenden Gesteinsbrocken bei ihrem Flug durch die Luft am besten beobachten kann. Noch glühend kullern sie dann den Hang runter, bis sie zischend und dampfend ins Meer klatschen. Noch lange schauen wir die Kinovorstellung, bevor wir zu unserer Nachtfahrt zum letzten Etappenziel aufbrechen.

Tag 9: DO, 03.11., Pamana

Wir sind spät dran, die Gegenströmung war stärker als erhofft, so dass wir 2 Stunden hinter dem Zeitplan Pamana erreichen. Diese Gruppe besteht aus zwei Inseln, Pamana Kecil ("Kecil" = "klein") und Pamana Besar ("Besar" = na, was wohl?). Die Steilwand an Pamana Kecil wartet mit tollen Seefächern, Anemonen und Korallen auf - aber es hat recht wenig Fisch. Wenn man ganz viel Glück hat, kann man hier allerdings einen ganz außergewöhnlichen Critter finden: Dank seiner fast perfekten Tarnung wurde das Rumengani-Zwergnadelpferdchen erst 2006 entdeckt. Wo wohl? Natürlich in der Lembeh Strait. Wir haben leider nicht so viel Glück und sind daher auf anderer Leute Fotos angewiesen. So begnügen wir uns mit einem ordinären Denise-Pygmäenseepferdchen.

Wie schon tags zuvor gleicht auch heute der zweite Tauchgang an Pamana Southwest dem ersten: Toll bewachsene Steilwand, aber vergleichsweise wenig Fisch, die Highlights sind eine kleine Schule Großaugen-Stachelmakrelen und eine im Blauwasser vorbeiziehende Spanische Makrele stattlichen Ausmaßes.

Zeit zum Verweilen haben wir eh nicht, denn es warten mindestens 20 Stunden Fahrt bis Komodo auf uns. Das Fazit der ersten Woche in Flores und Alor fällt jedenfalls schon mal positiv aus, alleine schon die Rhinopias und der Mondfisch waren für mich die Reise wert. Aber auch sonst warten Flores' und Alors Gewässer mit fantastischen Makrotauchgängen auf. Nur eines sollte man hier nicht erwarten: Großfisch. Das ist aber auch jedem klar, der sich vor Reisebuchung informiert. Diesbzgl. hoffen wir auf Erfolg in Woche zwei und schippern frohgemut Richtung Komodo.

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