Cabo San Lucas an der Südspitze der Baja California

Tauchsafari Socorro – Teil 1: Cortez-See

März 2011

Früh am Morgen sammelt uns der Shuttle im Dreams Los Cabos ein. Erst gestern am späten Abend sind wir eingetroffen, nachdem der American Airlines Flieger, der uns nach unserem Zwischenstopp in Dallas an die Südspitze der mexikanischen Baja California befördert hat, eine Stunde Verspätung hatte. Am API-Dock in Cabo San Lucas trifft sich die 24köpfige Tauchtruppe, unter denen ich einige bekannte Gesichter von vergangenen Reisen ausmache. Kurz darauf geht's los, mit der Nautilus Explorer werden wir zunächst ein paar Tage auf die Suche nach Seelöwen und Walhaien in der Cortez-See gehen. Anschließend führt die Tauchsafari-Route runter zu den Islas Revillagigedo, gerne auch "The Socorros" genannt, wo hoffentlich Mantas, Haie und vielleicht auch Wale auf uns warten.

Insgesamt 16 Tage werden wir unterwegs sein. Normalerweise dauern die Touren nur 12 Tage, das aber erschien Michael von Tauchertraum, mit denen ich zum wiederholten Male unterwegs bin, etwas zu kurz, so dass er das Boot für einen extra langen Törn gechartert hat. Nach der einigermaßen enttäuschenden Cocos-Reise im letzten Oktober versuche ich zwar, die Erwartungen an den Ostpazifik zukünftig möglichst gering zu halten, aber nach allem, was ich bisher über Socorro gelesen und gehört habe, fällt das natürlich mal wieder schwer.

Tag 1: SA, 19.03., Cortez-See

Auf dem Weg zum ersten Tauchplatz in der Cortez-See, alternativ auch "Golf von Kalifornien" genannt, gibt es ein ausführliches Boots- und Tauchbriefing: An manchen Plätzen wird es eine "Open Deck-Policy" geben, das heißt, innerhalb eines gegebenen Zeitraums kann man tauchen gehen, wann und so oft man will (mit Ab- und Rückmeldung beim Divemaster selbstverständlich). Ansonsten werden wir, soweit möglich, 4x am Tag ins Wasser gehen, um 8 Uhr, 11 Uhr, 14 Uhr und 16.45 Uhr. Nachttauchgänge wird es nicht geben. Dafür ist auf der Nautilus Explorer möglich, was ich bisher sonst noch nirgends (offiziell) erlebt habe: Solotauchgänge sind ausdrücklich erlaubt. Allerdings nur, solange man diese Freiheit nicht missbraucht. Tut man es doch, wird man erstmal einen Tag auf dem Schiff festgesetzt, bevor man wieder in Begleitung ins Wasser darf. Eine super Regelung, um diverse Meeresbewohner nicht mit Rudeltauchen zu verscheuchen. Als Gasgemische stehen normale Pressluft und Nitrox 32 (gegen Aufpreis von 12 US$ am Tag) zur Verfügung. Vor dem ersten Sprung ins Wasser wird noch eine Sicherheitsübung durchgeführt, bei der geprüft wird, ob es auch jeder schafft, seine Schwimmweste anzuziehen.

Dann wird es ernst, der erste Platz ist in der Chileno Bay und dient der Eingewöhnung und dem Testen, mit wieviel Blei man hier in dicker Montur (9 mm mit Kopfhaube, einige sind auch mit Eisweste unterwegs) abtauchen muss. Je nachdem, ob man sich für die leichten Alu- oder die schweren Stahlflaschen, die alleine 7,5 kg Abtrieb auf die Waage bringen, entschieden hat, kann das zwischen 0 und einer ansehnlichen Anzahl von Bleistücken am Gurt variieren. Von einem Eingewöhnungstauchgang sollte man nicht allzuviel erwarten und so sieht es unter Wasser dann auch aus. Das Meer ist kalt (19 Grad), sehr grün, die Sicht schlecht, die Dünung stark und an Fischen ein kleiner Querschnitt dessen vorhanden, was ich schon aus früheren Reisen in den Ostpazifik kenne: Mexikanische Schweinslippfische in allen Ausbaustufen, Galapagos-Kaiserfische, Langstachel-Igelfische und Galapagos-Doktorfische bevölkern die felsigen Riffe, auf denen außer ein paar spärlichen Seefächern keinerlei Korallenbewuchs zu sehen ist. So belasse ich es trotz "Open Deck" bei einem Tauchgang hier.

Am Abend geht die Fahrt weiter gen Osten, immer an der Küste der Baja California entlang. Um 19.30 Uhr kommen wir in den Genuss unseres ersten Abendessens. Wie befürchtet, werden wohl auch am Ende dieses Tauchurlaubs ein paar Kilos mehr auf der Waage sein, das Essen, das Koch Juan Carlos zaubert, ist einfach zu schmackhaft. Dazu kommt, dass die Nautilus Explorer gleich 40 Sorten Bier aus aller Welt (vorwiegend aber mexikanisches und kanadisches) im Sortiment hat. Das verlangt einiges Testen, bevor man seinen Favoriten gefunden hat.

Tag 2: SO, 20.03., Cortez-See

Die halbe Nacht hindurch fahren wir, bevor wir La Reina, unseren 2. Tauchplatz erreichen. Die kleine Insel beherbergt eine Kolonie Kalifornische Seelöwen, die wir hoffen, bei unseren 2 Tauchgängen hier unter Wasser zu treffen. Ein kleiner Canyon auf der Nordseite lädt zu einer Erkundungstour ein und prompt kommen uns auch einige Löwen entgegen. Sie sind aber im wesentlichen mit sich selbst beschäftigt und nicht dazu aufgelegt, mit den Tauchern zu spielen. Die Fischwelt an La Reina ist relativ unspektakulär: Perlhuhn-Kugelfische, Riesen-Büschelbarsche und Panama-Blennys hocken überall auf den Felsen, dazu die schon genannten Mexikanischen Schweinslippfische, deren weitere Erwähnung ich mir im folgenden spare. Aufpassen muss man auf die allgegenwärtigen Drachenköpfe, die manchmal schwer gegen die Felsen auszumachen sind. Als Schmankerl hat es noch Dutzende Nacktschnecken, hübsch gemusterte Rundrochen und einen Mexikanischen Stierkopfhai.

Nach unseren beiden vormittäglichen Tauchgängen geht die Fahrt weiter Richtung Norden, bis wir am Nachmittag ein kleines Riff erreichen, das auf den Namen Suavee hört. Es ist der einzige Tauchplatz weit und breit, nur 100 m lang, vielleicht 30 m breit und reicht bis auf eine Tiefe von 5 m unter die Wasseroberfläche. Beim Sprung ins Wasser muss ich mir erstmal die Maske wischen, ist die beschlagen oder die Sicht doch so bescheiden? Tatsächlich ist das Wasser sehr milchig, viel mehr als 5-10 m Sicht dürfte es nicht haben. Auch die 18 Grad Wassertemperatur sorgen nicht für Wohlbehagen, ich bin halt doch nur ein Tropentaucher. Dafür gibt es an diesem Riff neben kiloweise Algengestrüpp stellenweise tatsächlich ganz schöne Korallen und auch einen Ansatz von Schwarmfisch, wenn ich mehr als 2 Fische auf einem Haufen als "Schwarm" betrachte. So wird es ein entspannter Nachmittagstauchgang. Damit ist es dann aber auch genug hier.

Am Nachmittag ist Landgang angesagt, Sten, schwedischer Cheftauchguide auf der Nautilus Explorer und Hüne von einem Wikinger, spricht von einem einstündigen "Strandspaziergang". Der weiße Sand sieht auch sehr verlockend aus, dementsprechend mache ich mich barfuß auf die Socken, sofern man das so sagen kann. Was Sten nicht verraten hat: Der Spaziergang findet eigentlich HINTER dem Strand statt. Dort wartet eine steppenartige, mit allen Arten von Kakteen bewachsene Landschaft. Der Boden ist übersät mit kleinen, dornigen Kügelchen, die sich bei jedem Schritt schön an die Fußsohlen des Wanderers heften. Etwas slapstickartig tippele ich so auf Zehenspitzen durch die Gegend, bis es mir reicht, ich mich lieber an den Strand lege und dem Kolibri zuschaue, der hektisch von einer Blume zur anderen schwirrt, bis der tolle Sonnenuntergang unseren kleinen Ausflug beendet.

Tag 3: MO, 21.03., Cortez-See

Irgendwann in der Nacht erreichen wir unseren Ankerplatz irgendwo vor La Paz, der Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates Baja California Sur und etwa 250.000 Einwohner stark. Mit Tauchen ist es hier nicht so weit her. Dafür kann man ganz hervorragend schnorcheln und das auch gleich noch mit dem größten Fisch des Planeten. Zu diesem Zweck holen wir uns Unterstützung von einem lokalen Unternehmen, welches mit Leichtflugzeugen auf Walhaisuche geht. Parallel wird unten mit Hartschalenbooten Ausschau gehalten und fix ans Ort des Geschehens gerast, sobald der Flieger etwas entdeckt hat. Damit das Objekt der Schnorchlerbegierde bei aller Begeisterung nicht allzu sehr unter Stress gesetzt wird, gibt es in Mexiko gesetzliche Regeln zum Schnorcheln mit Walhaien. Die wichtigsten sind: Maximal 6 Schnorchler dürfen gleichzeitig im Wasser sein und Anfassen ist natürlich streng verboten. So gebrieft düsen wir mit 2 x 6 Walhai-Liebhabern los. Nach einer halben Stunde Fahrt meldet der Späher auch Erfolg. Ein Jungtier planscht im Flachwasser am Strand, ein Boot mit Bewohnern des nahegelegenen Dorfes schon an der Heckflosse. Abwechselnd springen wir ins Wasser und folgen dem Hai auf seiner Tour durch das trübe, grünliche Wasser der Bucht. Sind ihm 6 Schnorchler auf den Fersen, legt er ein zügiges Tempo vor, bei dem man schwer mithalten kann, so dass die Gruppe schnell gesprengt wird. Ist das passiert und die Meute abgeschüttelt, lässt er es wieder ruhig angehen und planscht nur vor sich hin. So ein Walhai ist halt auch nicht doof.

Nach der mittäglichen Stärkung geht die Fahrt weiter gen Norden. Unser Ziel ist die Nordspitze der etwa 80 km² großen Insel Espiritu Santo. Der Weg dorthin artet in einen Schlingerkurs aus, weil unser Käpt'n netterweise ein paar Extrarunden mit dem bestimmt 100 Tiere starken Rudel Delfine dreht, welches unseren Weg kreuzt. Schließlich erreichen wir aber doch den der Insel vorgelagerten Felsen Los Islotes. Schon von weitem ist zu riechen, welche Attraktion hier erneut auf uns wartet: Seelöwen. Die hier sollen aber etwas verspielter drauf sein als ihre Brüder und Schwestern vor La Reina gestern, versichert uns Sten. Beim Sprung ins Wasser merken wir davon aber erstmal nichts. Seelöwen sind nämlich nicht zu sehen, ein gigantischer Schwarm Sardinen, in dem ich die ersten 20 min des Tauchgangs verbringe, schränkt die Sicht auf wenige Meter ein. Nur ab und zu sieht man mal auf die Schnelle einen der Meeresakrobaten vorbeiflitzen. Auch die kleine Höhle, in der die jungen Wilden gerne herumtollen, ist leer. Vielleicht sind sie ja eher Frühaufsteher und jetzt, am späten Nachmittag schon im Pause-Modus. Morgen früh werden wir es wissen.

Tag 4: DI, 22.03., Los Islotes

Der Blick vom Tauchdeck ist vielversprechend: Überall an der Wasseroberfläche tollen schon die Seelöwen herum, nur ein paar Meter vom Schiff entfernt. Also rein in die Wurstpelle, ab ins Wasser und abgetaucht. Die Löwen lassen sich nicht lange bitten, wie verspielte junge Hunde erkunden sie ihre Umgebung durch freundliches Beißen in Flossen, Arme und Hände, die man daher besser zu Fäusten ballt. Mit Vorliebe zerren sie auch an Kopfhauben, so dass das Material einer ziemlichen Zerreißprobe ausgesetzt wird. Nicht immer wird die bestanden, wie man nach dem Tauchgang bei dem ein oder anderen feststellen kann, da ist Flicken oder Investieren in neues Material vonnöten. Gehen die jungen Hunde dann aber an die Schläuche des Atemreglers, sollte man vielleicht doch besser eingreifen, ein freundlicher Klaps auf die Nase reicht da schon, um die Kollegen dazu zu bewegen, sich mit etwas anderem zu beschäftigen. Nach einer halben Stunde haben sich unsere neuen Freunde ausgetobt und wir ziehen weiter, um noch das restliche Leben in Augenschein zu nehmen. An Fischen gibt es die üblichen Verdächtigen, dazu hat es auch ein paar Nacktschnecken. Ein etwa 30 m langer Tunnel führt auf der Ostseite durch den Felsen hindurch. Die Gegenströmung und die Dünung machen das Durchtauchen etwas anstrengend. Noch anstrengender sind aber auch hier einige Seelöwen, die sich nicht um unseren Kampf gegen die Elemente scheren und ständig an unseren Kopfhauben zerren. Mit der Strömung von vorn und den Löwen im Nacken schaffen wir es schließlich aber doch durch den Tunnel und werden auf der anderen Seite mit Tonnen von Fisch belohnt. Insbesondere Zackis scheinen sich auf der Nordseite von Los Islotes besonders wohl zu fühlen.

Nach unseren beiden Vormittagstauchgängen wird zusammengepackt und der lange Weg nach Süden beginnt. 44 Stunden Fahren, Fahren, Fahren ist jetzt angesagt. Auf dem Sonnendeck kann man sich dabei leider nur schlecht aufhalten, der Wind zieht einem doch unangenehm um die Ohren und aus den Auslässen des großen Stabilisierungstanks spritzt ständig Wasser auf das Deck. Also fläzt man sich entweder auf die Sofas im Salon oder mummelt sich in der Koje ein.

Tag 5: MI, 23.03.

Ein ganzer Tag auf See. Lesen, Essen, Schlafen und am Computer Bilder aussortieren oder Filme schneiden sind die Beschäftigungen derjenigen, die mit dem Wellengang keine Probleme haben. Die anderen versuchen, den Tag irgendwie zu überleben und sich mit der Vorfreude auf Teil 2 des Trips an den Islas Revillagigedo über Wasser zu halten.

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